red Borger (58) und Tochter Madeleine Borger (33) stehen an der Rezeption des Hotels.
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red Borger (58) und Tochter Madeleine Borger (33) stehen an der Rezeption des Hotels.

Hotellerie

Frankfurt: Hotel Borger kämpft sich mit Familiensinn durch die Corona-Krise

  • VonGernot Gottwals
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Die Corona-Pandemie hat die Hotellerie in Frankfurt hart erwischt. Das Hotel Borger nutzt die Zeit für eine Renovierung der Räumlichkeiten.

Frankfurt - Die Pandemie hat vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe getroffen. Nur langsam läuft das Geschäft mittlerweile wieder an. Wir haben das Hotel Borger, einen Familienbetrieb, besucht.

Im familiengeführten Haus, das zu den vier Hotels in Bergen-Enkheim gehört, achtet man auf die richtige Mischung aus Alt und Neu. "Mit seiner Holzvertäfelung bietet der Raum ein zeitlos gemütliches Ambiente, musste aber mal renoviert werden", sagt Fred Borger. Die Vorbereitungen begannen Anfang 2020 kurz vor der Corona-Pandemie. Auch eineinhalb Jahre später läuft der Betrieb mit den üblichen Einschränkungen und Nachweisen für getestete und geimpfte Gäste weiter. "Nur über die vergangenen Weihnachts- und Osterwochen waren wir geschlossen, durften aber sonst auch während des Lockdowns für beruflich Reisende geöffnet bleiben", erklärt Tochter Madeleine Borger.

Hotel Borger in Frankfurt: Durch Corona nur 20 Prozent der Zimmer belegt

Denn ein Großteil der Übernachtungen wird von Messegästen und Arbeitern auf Montage gebucht. Inzwischen übernachten auch wieder Musikfreunde, die zuvor ein Konzert in der "Batschkapp" besucht haben, während Individualreisende auf Städteurlaub weiterhin eher eine geringe Rolle spielen.

Die Zahlen sprechen allerdings eine klare Sprache: Ist das Hotel Borger sonst über das Jahr zu 65 bis 70 Prozent ausgelastet, so sind durch die Corona-Krise nur noch rund 20 Prozent der Zimmer belegt. Außerdem verzichtete das Hotel in den ersten vier Monaten des ersten Lockdowns auf die Pacht für das Lokal im Gasthof "Frankfurter Hof", die erst später nachgezahlt wurde.

Hotel Borger in Frankfurt: Rücklagen helfen dem Familienbetrieb durch die schwere Corona-Zeit

Fred und Madeleine Borger erklären, dass der Familienbetrieb in den vergangenen Jahren Rücklagen erstellen konnte, die über die gästearme Zeit hinweggeholfen haben. Trotzdem blieb Spielraum, um Renovierungen für rund 33 000 Euro durchzuführen: Neben dem Frühstücksraum wurden auch viele Hotelzimmer neu gestrichen und mit ansprechenden Sitzmöbeln in Velours möbliert. Einzelzimmer gibt es derzeit ab 57 Euro, Doppelzimmer ab 70 Euro pro Übernachtung. Auch die Tapeten in den Fluren und im Treppenhaus wurden ausgetauscht. "Das Treppenhaus ist wie eine Zeitreise", sagt Madeleine Borger und verweist auf Alt-Frankfurter Stiche und Skylinefotos.

Doch wie kann man die Sanierungskosten in Krisenzeiten auffangen, in denen viele Einnahmen wegbrechen? "Das geht nur im eigenen Haus mit Sparsamkeit und familiärem Rückhalt", erklärt Fred Borger. Ein regelmäßig zu entrichtender hoher Pachtzins würde hingegen bestehende Rücklagen bei fehlenden Einnahmen schnell aufzehren.

Hotel Borger in Frankfurt: Corona sorgt für „Sensibilisierung für mehr Rücksicht“

Im vergangenen Jahr mussten die Borgers allerdings auf ihre 450-Euro-Kräfte an der Rezeption verzichten. Im Januar 2021 haben sie sich wegen der zurückgehenden Buchungen für Kurzarbeit entschieden und beschäftigen derzeit fünf Festangestellte und drei Aushilfen. Eine ausreichende Personaldecke, um in der Erholungsphase nach der Krise stabil zu wirtschaften, wie Fred Borger erläutert.

Die Eltern übernahmen vor 45 Jahren die Gaststätte "Frankfurter Hof" und bauten sie zunehmend mit Fremdenzimmern aus. 1989 errichtete Inhaber Alfred Borger den heutigen Neubau hinter dem alten Gasthof. Fred Borger absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Koch, konzentrierte sich jedoch zunehmend auf den Hotelbetrieb und verpachtete die Gaststätte an den Gastwirt Mile Manev, der heute eine Mischung aus regionaler und Balkan-Küche anbietet.

Für die Zukunft gibt sich die Familie bescheiden und ist zufrieden, wenn Tochter Madeleine als ausgebildete Hotelfachfrau später die Hotelführung übernehmen kann. "So richtig blühende Landschaften wird es nach dieser schweren Krise wohl erst mal nicht geben. Doch wenn Corona etwas Gutes hat, dann die Sensibilisierung für mehr Rücksicht, von der Hygiene bis zum täglichen Umgang miteinander", erklärt Fred Borger abschließend. (got)

Die Not macht erfinderisch. Hotels in Frankfurt vermieteten ihre Zimmer durch Corona dauerhaft an Studenten.

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