Mit Eifer dabei: Ilja Stetter und Denise Berger freuen sich schon auf die neue Pflanzsaison. foto: hamerski
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Mit Eifer dabei: Ilja Stetter und Denise Berger freuen sich schon auf die neue Pflanzsaison.

Gallus: Urbam Gardening

Mit Gärtnerlust gegen Coronafrust

  • vonGernot Gottwals
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Die Beete an der Schneidhainer Straße werden fit für den Frühling gemacht

Ursprünglich zogen Katrin und Werner Eckermann bienenfreundliche Blumen und Kräuter auf dem Balkon. Vergangenes Jahr entdeckten sie den Gallus Garten an der Schneidhainer Straße. Und dann ging alles ganz schnell: "Vor vier Wochen habe ich eine Mail an die Projektleiterin Jessica Wiegand vom Mehrgenerationenhaus geschrieben und schon haben wir unser Beet bekommen." Zugegeben, so schnell geht es nicht bei jedem. "Manche Interessenten habe ich schon seit ein paar Monaten auf der Liste stehen, musste aber erst mal klären, wie viele Beete frei werden", räumt Wiegand ein. Nun hatte sie nach zweimaligem coronabedingtem Verschieben zum ersten Aktionstag im Gallus Garten in diesem Jahr eingeladen. Und während für die Mehrzahl der Erschienenen Aufräumarbeiten anstanden, wurden auch neun neue Beete vergeben.

Erste einmal wird aufgeräumt

Bis zu 25 Gärtnerinnen und Gärtner machen sich innerhalb von drei Stunden ans Aufräumen, graben und setzen Beete um und genießen bei Sonnenschein und immer noch kalten Temperaturen die ersten vorsichtigen Frühlingsgefühle. "Urban Gardening ist gerade jetzt wieder wegen des sonst beschränkten Freizeitangebots gefragt, ein paar Nutzer kommen sogar aus Bockenheim", sagt Wiegand. "Während ich die Minze herausgeholt und zurückgeschnitten habe, hat mir sogar ein Rotkehlchen zugeschaut", freut sich der Kinderbeauftragte im Gallus Dirk Schneider, der mit seiner Familie schon seit ein paar Jahren mitgärtnert.

Wiegand kontrolliert derweil die Anwesenheitslisten, verteilt die Übergaben der neuen Beete auf drei Stunden und erinnert sich an die Situation vor etwa einem Jahr. "Damals konnten wir nur Videos mit Tipps zum Gärtnern ins Netz stellen." Denn während des ersten strengen Lockdowns konnten keine organisierten Treffen stattfinden. Und nachdem zwei Termine Anfang Februar und Anfang März abgesagt werden mussten, freute man sich nun auf die Lockerungen, doch die Zahlen steigen wieder an.

Und doch überwiegen die (Vor-) Frühlingsgefühle, auch wenn man sich wegen des Nachtfrosts mehr auf das Umgraben und Kompostieren konzentriert und sich mit dem Pflanzen neuer Setzlinge noch zurückhält. Doch Katrin und Werner Eckermann haben die Reihenfolge des Säens und Erntens anscheinend umgedreht und füllen sich ihre Eimer mit dicken Knollen. "Das sind noch Topinamburen von unserem Vorgänger", stellen sie fest.

Ihnen selbst sind die neuartigen Knollen aus Südamerika jedoch weniger vertraut, daher wollen sie lieber Mangold, Radieschen und Möhren sowie Lavendel und Basilikum pflanzen. Während die Einen sich über den Ertrag ihrer Vorgänger freuen, erleben Andere weniger schöne Überraschungen. "Was ist mit unserem Beet passiert, hat das jetzt ein anderer?", wollen zwei Mädchen auf Rollerskates von Jessica Wiegand wissen.

Hohe Fluktuation

"Eure Mutter hat sich nicht mehr gemeldet, ich habe sie nochmal angeschrieben, wieder eine Zeit lang gewartet, dann habe ich es erst mal anderweitig vergeben", erklärt die Projektleiterin. Denn wegen der hohen Fluktuation sollten die Nutzer regelmäßig ihr Interesse für ein weiteres Jahr bekunden. "Aber wir schauen, dass wir bald ein neues Beet für euch finden", verspricht Wiegand.

Die Aufgaben sind inzwischen verteilt: Gemeinschaftsbeete werden gesäubert und umgepflanzt, Hecken gemulcht, Komposthaufen gelockert, einige der 30 Obstbäumchen zurückgeschnitten. "Wie man Baumscheiben freilegt, haben wir sogar in einem Pflegekurs gelernt", sagt Wiegand. "Leider mussten wir auch wieder einige weggeworfene Zigarettenkippen aufsammeln", ergänzt Annette Herr. Insgesamt halte sich der Müll jedoch noch in Grenzen.

Einen ebenfalls am Säuberungstag geplanten Stadtteilspaziergang auf den Spuren der Frankfurter Stadtvögel hat Wiegand einstweilen auf den 25. April um 15 Uhr verschoben - sofern es die Pandemie zulässt.

Weiterhin geplant sind auch eine Begrünung der Bushaltestelle an der Idsteiner Straße und eine Erweiterung der Blumenwiese nach Süden, die nun bis Frühsommer kommen soll.

Rafael Scholz ist dieses Jahr zum zweiten Mal mit dabei, setzt demnächst Petersilie und will sich auch mit Gurken versuchen. "Ein Tipp von einer Nachbarin", meint er. Beim Urban Gardening lernt man durch eigene Erfahrungen und gegenseitige Ratschläge immer dazu. "Vergangenes Jahr habe ich Tomaten geerntet, aber die sind vielleicht wegen der Trockenheit nicht so schmackhaft geworden", gibt er zu. "Also habe ich sie eingelegt." Inzwischen sind auch die Eckermanns fertig und machen sich mit ihren Topinambur-Knollen auf den Weg nach Hause. "Wir werden Freunde fragen, wie man die zubereitet", geben sie sich zuversichtlich. Na dann guten Appetit. Gernot gottwals

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