Schon die Farben des Wildkräutersalats machen gute Laune. Die enthaltenen Vitamine und Bitterstoffe sind dazu noch gesund. foto: privat
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Schon die Farben des Wildkräutersalats machen gute Laune. Die enthaltenen Vitamine und Bitterstoffe sind dazu noch gesund.

Endlich Frühling

Mit Genuss Frühlingsenergie tanken

Wenn die Blumen blühen und es jeden Tag wärmer wird ist klar, der Frühling ist da. Wo Sie die Natur in diesem Jahr am schönsten erleben können, welche Abenteuer vor der eigenen Haustür warten und wie Sie Wohnung und Garten mit kleinen Tricks in Wohlfühloasen verwandeln, erfahren Sie in unserer Serie "Endlich Frühling". Zum heutigen Serienauftakt verrät Oliver Haas, wie die Ernährung zu neuer Frühjahrsenergie verhelfen kann.

Rhein-Main-Gebiet -Der Winter 2020/21 war gefühlt besonders trist, dunkel und kalt. Die immer noch aktuellen Gründe dafür sind bekannt. Umso schöner, dass jetzt die ersten warmen Sonnenstrahlen den Frühling einläuten. Es ist Zeit, die Winterlethargie zu verabschieden und mit Energie in das Frühjahr zu starten. Getreu dem Motto des Philosophen Ludwig Feuerbach "Du bist, was du isst", spielt die Ernährung dabei eine entscheidende Rolle.

Annette Weber ist Ernährungswissenschaftlerin aus Frankfurt und empfiehlt jetzt vor allem, schwer verdauliches Essen einzuschränken, damit Frühjahrsmüdigkeit kaum eine Chance hat. "Gerade im Winter wird sehr viel Deftiges gegessen, viel Fleisch, Sauerkraut und fettige Bratkartoffeln zum Beispiel. Da sollte man jetzt lieber zu Spargel, frischem Gemüse und viel Salat greifen", sagt sie. Vor allem für die Abendstunden sei es ratsam, leichte Kost zu sich zu nehmen, da sonst auch der für die Frühlingsenergie benötigte gute Schlaf leide.

Wasser trinken, Kräuter essen

Ganz wichtig sei, genügend zu trinken. "Über den Tag verteilt sollten es mindestens anderthalb bis zwei Liter sein. Unser Gehirn braucht viel Flüssigkeit, damit es gut funktioniert. Und nicht warten, bis der Durst kommt. Dann ist man schon im Flüssigkeitsmangel", mahnt die Diplom-Ökotrophologin. Am Besten sei es, sich gleich nach dem Aufstehen ein Glas Wasser zu genehmigen. "Gerne auch mit Kirsch- oder Rhabarber-Saft mischen, aber dann höchstens ein Drittel Saft und der Rest Wasser." Noch besser sei es, pures Wasser zu trinken und zur Geschmacksverbesserung eine Scheibe Zitrone oder Orange hineinzugeben. Ein wahrer Booster für den energiereichen Start in den Frühling sind Wildkräuter.

Davon ist Ernährungsberaterin Heidrun Quintino überzeugt. Sie betreibt in Hanau eine Kochschule und Kräuterpension. Ihr Herz schlägt für die heimischen Wildkräuter, die jetzt wieder in Wald, Garten oder auf dem Balkon gedeihen. Und das aus guten Grund. "Alles, was im Moment stark wächst, hat in der Regel viel Vitamin C. Das sind die Kräuter, die uns fit durch den Frühling bringen. Da muss man gar nicht so viel Ahnung haben. Brennnessel und Löwenzahn kennt jeder", sagt sie. Sehr gut sei zudem Bärlauch, der jetzt fast überall sprießt. Allerdings sei da die Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Maiglöckchen gegeben. "Wer sich nicht auskennt, sollte Bärlauch lieber kaufen. Aber der ist ja mittlerweile überall erhältlich", so sagt die Hanauerin.

Bessere Laune dank Löwenzahn

Neben den Vitaminen seien es auch die Bitterstoffe der Kräuter, die frühlingsfit machen. "Bitterstoffe stabilisieren und stärken uns. Sie aktivieren die Produktion von Verdauungssäften in Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse. Außerdem fördern sie die Durchblutung und helfen, Blut und Wärme besser im Körper zu verteilen - sie regen den Stoffwechsel an", erklärt die Kräuterexpertin. Außerdem würden Bitterstoffe sogar ein bisschen die Melancholie vertreiben. Quintino: "Sie wirken leicht antidepressiv. Und das ist jetzt in diesem Stadium des Jahres sicher ganz gut."

Ein klassischer Lieferant von Bitterstoffen sei Löwenzahn. Der hat unglaublich viele Mineralstoffe. "Und die Zubereitungsarten sind vielfältig: Ob als Tee, als Quark, in der Suppe, im Smoothie, oder in der Kräuterbutter." Jeder könne unkompliziert von den Vorteilen des Löwenzahns profitiert. "Jetzt bietet sich eine Frühjahrskur damit an. Wenn der Löwenzahn das Blühen beginnt, können Sie täglich eine Blüte und einen Stängel davon essen. Wer das drei Wochen lang mache, bekomme definitiv einen Energieschub. Als Rezepttipp (siehe Box) empfiehlt sie, Wildkräutersalate zuzubereiten. "Was vielen nicht bekannt ist: Hier kann man etwa auch rohen Brokkoli, Spitzkohl oder Brokkoli reinschneiden. Jeder Kohl ist wunderbar im Salat integrierbar", sagt Quintino.

Laut Heidrun Quintino hilft die richtige Ernährung dabei, die Winter-Melancholie zu vertreiben.

Wer in Rhein-Main an Essen und Frühlingskräuter denkt, kommt am Leibgericht Goethes, der echten Frankfurter Grünen Soße, kaum vorbei. Auch diese ist mit ihren sieben Kräutern Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch ein echtes Fitmach-Frühlingsessen.

Auch modern interpretiert als Smoothie-Variante gibt die Grüne Soße jetzt Energie. Diese ungewöhnliche Rezeptidee entwickelten Daniel Roth und Katrin Schäfer vom Frankfurter Blog "BeVegt". Für zwei Gläser Smoothie kommen 100 Gramm Frankfurter Grüne Soße-Kräuter, zwei Bananen, 100 Gramm Mango oder Ananas (frisch oder tiefgefroren), der Saft einer Zitrone und 800 Milliliter Wasser in einen leistungsstarken Mixer. "Durch die Früchte schmeckt das dann fast wie eine Süßigkeit", versichert Daniel Roth.

Als gute Essensstrategie empfiehlt sich laut Roth und Schäfer grundsätzlich die "Grain-Green-Bean-Formel". Jedes Hauptgericht sollte demnach mindestens ein Getreidenahrungsmittel (Grain), eine Gemüsesorte (Green) und eine eiweißreiche Hülsenfruchtart (Bean) enthalten. Bärlauch-Pesto mit weißen Bohnen und Vollkornnudeln sei aktuell ein perfektes Essen, um die Energiespeicher wieder aufzufüllen. (Von Oliver Haas)

Wildkräuter-Salat

  • Saft 1 Zitrone
  • 4 El süßer Senf (alternativ mittelscharfer Senf und Agavendicksaft) 1-2 klein gehackte Knoblauchzehen 150 ml Rapsöl 1-2 El Leinöl (optional) 300 ml Wasser
  • Salz und etwas Pfeffer
  • 2 El Sojasoße
  • 1 Handvoll gehackter saisonaler Kräuter (Vogelmiere, Löwenzahn, Petersilie, Schnittlauch, Brunnenkresse, Pimpinelle, Blüten etwa von Löwenzahn oder Hornveilchen)
  • eventuell klein geschnittener, roher Kohl

Alle Zutaten für das Dressing gut verrühren. Mit Wasser zu einem dünnflüssigen Dressing verrühren, abschmecken und mit dem Wildkräutersalat mischen.

Bärlauch-Pesto, 2 Portionen

  • 2 Handvoll Bärlauch,
  • Saft 1/2 Zitrone
  • 1-2 El Olivenöl 1 El Pinienkerne
  • 1 El Walnüsse
  • 1 El Kürbiskerne
  • Salz und Pfeffer
  • optional Würzhefeflocken

Bärlauchblätter abbrausen und trocknen. Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Öl anrösten. Aufpassen, dass sie nicht verbrennen. Bärlauch, Zitronensaft, Pinienkerne und Olivenöl in einem Gefäß mit einem Pürierstab gut pürieren. Der Bärlauch verliert durch das Pürieren einen Großteil seines Volumens. Anschließend Walnüsse, Kürbiskerne, Salz und Pfeffer hinzufügen und erneut pürieren, bis keine Stückchen mehr zu sehen sind.

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