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Mit Oscar und Simba an der Leine sammelt Franz Johannes Maximillian Spenden für seinen Hundehof. foto: Rainer Rüffer

Innenstadt: Unikum

Mit Lederhose und Gamsbart auf der Freßgass'

  • vonSabine Schramek
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Bayer sammelt für ausgediente Wach- und Sicherheitshunde

Er sieht aus, als käme er direkt vom Oktoberfest. Groß, korpulent, Vollbart unter blau-weißer Rauten-Maske, kurze bestickte Lederhose mit Löwenwappen auf dem Querstieg. Weißes Leinenhemd, grüne Wadlstrümpfe, grüne Joppe, ebenso grüner Hut mit dickem Gamsbart und ein Charivari voller Tierzähne, Krallen und Silbermünzen. In der einen Hand hält er zwei Leinen. Mastiff-Rüde Oscar ist so groß, dass er dem Mann bis zum Bauch reicht. Er und Schäferhündin Simba lassen den Mann noch imposanter erscheinen. In der anderen Hand hält er eine rote Sammelbüchse. "Die brauchen ja was zu Fressen", sagt der Mann.

Seit neun Jahren kommt der gebürtige Chiemgauer jeden Samstag auf die Freßgass'. Der 60-Jährige nennt sich "Franz Johannes Maximilian" und hält zwischen Neu-Isenburg und Gravenbruch 24 Hunde. "Auf dem Alten Kuhhof", sagt er. "Ich mache das privat mit zwei Aushilfen. Fast alle Hunde stammen aus dem Wachdienst. Viele sind alt, im Tierheim lassen sie sich kaum vermitteln, weil Halter viele Auflagen bekommen, manche kommen aus jahrelanger Zwingerhaltung", erzählt er und die beiden Hunde wedeln wie zustimmend mit ihren Ruten. Oscar ist ein "Scheidungswaise". Simba wurde mit elf Welpen aus dem Chinesischen Konsulat geholt. "Ja mei", kommentiert der urige Mann, der früher selbst Dienst mit Hunden gemacht hat. "Da habe ich mitbekommen, dass Hunde, die keinen Sicherheitsdienst mehr leisten können, einfach abgeschoben werden. Bis zum Jahr 2000 wurden sie eingeschläfert. Da hat sich das Gesetz geändert und ich habe angefangen, mich um die 'unbrauchbaren' Tiere zu kümmern."

Auf dem Grundstück habe er große Freilaufgehege für die mittlerweile 24 Hunde in Rente. "Solche Hunde haben keine Lobby. Viele gelten als Kampfhunde und Listenhunde. Mit denen muss man schon umgehen können, besonders wenn sie ihr Leben als Kettenwachhunde verbracht haben", erklärt er.

100 Kilogramm schwerer Hund

Immer wieder halten Leute in edlem Zwirn an und starren zuerst vor allem auf den imposanten Oscar. Die Blicke schwanken zwischen Angst und Faszination. Wenn Franz Johannes Maximilian mit der roten Sammeldose scheppert und laut "Tierauffangstation" ruft, werden die Blicke freundlicher. Manche öffnen ihre edlen Hand- und Brieftaschen und werfen Münzen in die Dosen. "Nehmen Sie bitte die Hunde zurück", sagt ein Mann, bevor er Geld in den schmalen Schlitz der Dose steckt.

Oscar und Simba gehorchen aufs Wort, obwohl sie viel lieber gestreichelt werden würden. "Das muss man verstehen", sagt der Urbayer, während sich Oscar seinen riesigen Kopf an ihm genussvoll reibt und Simba nach Leckerli bettelt. "Ich weiß, dass die brav sind. So ein Mastiff kann 100 Kilogramm wiegen. Das ist schon mächtig. Es ist immer gut, wenn die Leute vorsichtig sind und Respekt haben."

Er unterhält sich mit den Passanten. Einige kommen immer wieder. "Ich habe nicht immer Oscar und Simba dabei, sondern auch andere Hunde. Das g'freit die Leut." Sein bayerischer Dialekt schlägt immer wieder durch. Wenn er ruft oder lacht, wackeln Gamsbart auf dem Hut und die Zähne und Krallen an seinem Charivari am Bauch.

Es habe sich einfach ergeben, dass er ausgediente Sicherheits- und Wachhunde aufnimmt. Das Grundstück, auf dem er die Tiere hält, sei ein Naturschutzgebiet, das die Stadt nicht gekauft habe und er jetzt bewirtschafte. "Mittlerweile haben wir da auch Wasser und Strom", sagt er stolz. "Die Leute helfen uns. Auch hier, auf der Freßgass'."

Gespendet werden kann nur bei ihm direkt. "Für eine Website und so einen Schnickschnack habe ich keine Zeit. Da verstehe ich auch nichts von. Ich muss mich ja um die Tiere kümmern und die brauchen meine volle Aufmerksamkeit." Dass ihm wegen der großen Hunde an seiner Seite Spenden entgehen, glaubt er nicht und tätschelt Oscars braunen Kopf. "Das passt schon. Ohne Hunde komme ich nicht hierher." SABINE SCHRAMEK

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