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Täschnermeister Frank Weil ist Vorsitzender des Gewerbevereins Bergen-Enkheim. Durch die Krise kommt er, indem er etwa die Taschen der Bergen-Enkheimer repariert. Foto: Leonhard Hamerski

Bergen-Enkheim: Interview

Mit lokaler Unterstützung durch die Krise

  • vonFriedrich Reinhardt
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Einzelhandel erleidet durch die Pandemie Umsatzeinbrüche. Einigen Geschäften droht das Aus.

Frank Weil repariert Lederwaren und ist Vorsitzender des Gewerbevereins Bergen-Enkheim. Mit Redakteur Friedrich Reinhardt sprach er über die Lage der Gewerbetreibenden im Stadtteil.

Herr Weil, wie geht es Ihrem Geschäft während des zweiten Höhepunkts der Pandemie?

Bei uns hat sich die Situation kaum gebessert. Die Privatkunden in Bergen-Enkheim trauen sich eher aus dem Haus als im ersten Lockdown. Den größten Teil meines Umsatzes mache ich aber mit Reparaturen für Modemarken, die Filialen in ganz Europa haben. Da sind meine Umsätze um 80 Prozent eingebrochen.

Wenn Sie mal ein Kratzen im Hals haben, wie entscheiden Sie, ab wann Sie sich Kundenkontakt verbieten?

Diese Situation hatte ich zum Glück noch nicht. Aber wenn, dann würde ich mich testen lassen. Da muss man größte Vorsicht walten lassen.

Sie sind Vorsitzender des Gewerbevereins. Wie geht es dem Gewerbe in Bergen-Enkheim?

Das ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Bei Raumausstattern sind die Auftragsbücher voll. Die Gastronomie leidet, auch wenn viele auf Lieferservice umgestellt haben. Reisebüros hat es schlimm erwischt. Bei Handwerkerbetrieben läuft es größtenteils normal weiter. Versicherungen können keine Hausbesuche machen, darum geht auch bei ihnen das Geschäft zurück.

Wen trifft der zweite Lockdown am härtesten?

Gastronomien, Fitnessstudios und Kosmetikstudios. Die sind ja komplett geschlossen.

Sind die Hilfen der Bundesregierung aus Ihrer Sicht ausreichend?

Ob sie ausreichen, kann ich noch nicht beurteilen. Das kommt darauf an, wie lange die Situation noch so bleibt und wie oft noch so ein Lockdown kommt. Aber ich fand die Hilfen unkompliziert und gut. Das hat gut funktioniert.

Wie kann der Gewerbeverein die Unternehmen in Bergen-Enkheim unterstützen?

Ich habe von Anfang an die Infos von der IHK (Industrie- und Handelskammer, Anmerkung der Redaktion), vom Handelsverband oder der Wirtschaftsförderung an die Gewerbetreibenden verteilt. Da geht es zum Beispiel darum, welche Förderungen es gibt. Und ich versuche etwas Normalität aufrechtzuerhalten.

Wie das?

Den Weihnachtsmarkt mussten wir ja absagen. Da gab es unter anderem immer einen Malwettbewerb für die Kinder. Das geht dieses Jahr natürlich nicht, darum machen wir nun eine Sonderausgabe der Vereinszeitung. Da stellen wir die Gewerbe vor und da wird es den Malwettbewerb wieder geben.

Wie kann der Gewerbeverein noch helfen?

Mehr kann man nicht machen. Wir sind mit 127 Mitgliedern der größte Gewerbeverein Frankfurts. Da habe ich viele Beratungsgespräche geführt.

Wie hat sich der Einzelhandel durch die Corona-Krise verändert?

Der Internethandel hat stark zugenommen. Das ist das Schlimmste. Wenn die Bergen-Enkheimer ihren Einzelhandel unterstützen wollen, dann sollte sie das, was sie im Stadtteil bekommen, auch hier kaufen.

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