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Mit Pompons den Horizont erweitern

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Von: Michelle Spillner

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Zwei Mal in der Woche trainieren die Cheerleader von Frankfurt Universe für ihre Auftritte bei Footballspielen und Sportevents, im Fernsehen, in Musikvideos und sogar auf Businessveranstaltungen. Foto:
Zwei Mal in der Woche trainieren die Cheerleader von Frankfurt Universe für ihre Auftritte bei Footballspielen und Sportevents, im Fernsehen, in Musikvideos und sogar auf Businessveranstaltungen. Michelle Spillner © Michelle Spillner

Frankfurt Universe Cheerleader lernen beim Tanzen was fürs Leben

Sie sind zwischen 16 und 38 Jahre alt, kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, sind Lehrerinnen, Archäologie- oder Biologiestudentinnen, Schülerinnen, Polizistinnen, Immobilienverwalterinnen... - und teilen eine Leidenschaft: Sie sind Cheerleader. Zwei Mal in der Woche treffen sie sich, um Choreographien zu entwickeln, einzustudieren und zu üben. Jetzt suchen sie Mitstreiterinnen und laden zu einer Audition ein, sprich zu einem Bewerbungstraining. Und das sei an sich schon ein tolles Erlebnis, verspricht die Trainerin der Frankfurt Universe Cheerleader, Bianka Minner.

Zuallererst aber will sie mit Fehlannahmen aufräumen: Wer mitmachen wolle, müsse fit sein, aber keine super Sportkanone. „Das Aufwärmtraining sollte man überstehen“, so Minner in der Sporthalle, während ihre 28 Mädels sich etwa zehn Minuten mit gemäßigten Übungen auf das Training einstimmen. Man sollte Spaß am Tanzen haben, braucht aber keinerlei Vorerfahrung. Die Universe Cheerleader haben zwar fast alle lange Haare, aber das ist natürlich keine Voraussetzung. Es gibt sowieso keinerlei optische körperliche Voraussetzungen.

„Wir haben große und kleine Cheerleader, dünnere und nicht so dünne, jüngere und ältere, und jedes Mädel hat seine Fans“, so Minner. Einzig die Lust auf Tanzen und gemeinsamen Spaß, Offenheit für Neues und Freude daran, Spannendes zu erleben sind gute Voraussetzungen. Denn Spannendes zu erleben gebe es jede Menge. Die Frankfurt Universe Cheerleader tanzen beileibe nicht nur bei den Spielen ihres American Football Clubs. Sie haben Auftritte bei anderen Sportevents wie dem Frankfurt Marathon, in der Batschkapp, in der ZDF-Sendung „Fernsehgarten“ und bei Musikvideo-Drehs.

Bisweilen begleiten sie einen bekannten Keynote-Speaker zu Businessevents. Bei der Fashionweek liefen sie auf dem Laufsteg mit. Und Auftritte in Fernsehfilmen gibt es auch. Vivi war gerade bei einem Filmdreh. Jetzt steht sie wieder vor der Kamera in der Sporthalle und schildert für So- cial-Media-Filmchen, wie viel Freude sie bei den Cheerleadern hat. „Hier habe ich meine besten Freundinnen gefunden, ich bin hier total herzlich aufgenommen worden, es ist einfach toll hier, kommt zu uns“, sprechen die Mädels für die Clips in die Kamera, die aktuell auf Facebook zu sehen sind.

„Toll“ alleine beschreibe es aber nicht einmal so recht. Es sei der „Cheer-Spirit“, der die Gruppe ausmache. Und dazu gehöre viel mehr als das Tanzen. „Bei den Cheerleadern zu sein erweitert den Horizont, weil man in Bereiche kommt, in die man normalerweise nicht gekommen wäre. Man lernt interessante Leute kennen, kann sein Netzwerk erweitern und es tut etwas für die Persönlichkeitsentwicklung“, betont die Trainerin.

Wer es gewohnt sei, vor großem Publikum zu tanzen und in der Öffentlichkeit zu stehen, lerne viele Soft Skills fürs Leben, entwickele Ausstrahlung und habe keine Probleme mehr, vor einer Gruppe zu sprechen. Cheerleader zu sein fördere die Selbstreflexion und helfe dabei, sich seinem eigenen Ideal anzunähern. Und, natürlich halte es fit.

Etwa zehn Choreographien werden für jede Saison neu ins Programm genommen. Trainiert wird in unterschiedlichen Gruppengrößen. Alle Tänze werde mitgefilmt, mit und ohne Musik, langsam und schnell, „so dass jede für sich selbst zusätzlich üben kann, wenn sie möchte“. Scheitern und die Fähigkeit, damit umzugehen, gehören zum Training dazu. Da dreht man sich mal in die falsche Richtung, macht einen Move zu früh oder zu spät, vergisst eine Bewegung...„und dann wird gelacht und weitergemacht." Den Begriff „Kritik“ gibt es nicht. Minner: „Wir geben Feedback, und das immer sehr wertschätzend.“

Feedback bekommen auch diejenigen, die zu der Audition kommen. „Außerdem werden sie Spaß und ein Erfolgserlebnis haben, unabhängig davon, ob sie im Anschluss bei uns mitmachen werden oder nicht“, verspricht Bianka Minner.

In der Audition lernen die Bewerberinnen gemeinsam mit den Cheerleadern eine neue Choreographie, die die Cheerleader selbst auch noch nicht kennen. Dann wird in Kleingruppen geübt, der Höhepunkt ist der gemeinsame Tanz aller Teilnehmerinnen.

Dazwischen gibt es Kennenlerngespräche. „Wir möchten wissen, was sie sonst machen, was sie gut können“, so Miller. Denn die Cheerleader übernehmen in der Gruppe auch gemäß ihren Neigungen und Interessen kleine Aufgaben, von der Captain-Rolle über die Social-Media-Arbeit bis hin zur Verantwortlichkeit für Pompons und Kostüme. Und ganz am Ende der Audition nehmen alle etwas mit - die Kandidatinnen und die Stammtänzerinnen. „Sie bekommen ein Feedback in Einzelgesprächen. Es geht um das, was sie gut machen, und um Hinweise dazu, worin sie sich noch verbessern können - nicht nur hinsichtlich des Tanzens, sondern auch mit Blick auf die Persönlichkeit“, so die Trainerin.

Michelle Spillner

Audition am 5. November

Zur Audition sind Mädchen und Frauen ab 16 Jahren eingeladen. Sie beginnt am Samstag, 5. November, um 9 Uhr im Saalbauzentrum Am Bügel, Ben-Gurion-Ring 110 A. Pünktlich erscheinen: Denn die Audition beginnt mit dem Einstudieren einer Choreographie, da käme man später vermutlich nicht mehr rein - und Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind neben Disziplin Tugenden der Cheerleader. Die Teilnahme an der Audition ist kostenlos und unverbindlich. Man muss sich auch nicht anmelden, einfach hingehen und mitmachen.

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