fff_RUEFFER_20201208_R17_33
+
Museumsleiterin Eva Raabe steht vor dem Signet der "Antikolonialen Aktion", die für den Farbanschlag auf das Museum für Weltkulturen (Hintergrund) verantwortlich ist.

Vandalismus

Museum für Weltkulturen mit roter Farbe attackiert

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
    schließen

Am Wochenende wurde an mehreren Stellen in Frankfurt geschmiert, auch am Museum für Weltkulturen.

Frankfurt – Das Farbattentat auf das Bismarck-Denkmal in Höchst war womöglich kein Einzelfall. Gestern wurde bekannt, dass in der Nacht auf Montag auch ein Farbanschlag auf das Museum für Weltkulturen in Sachsenhausen erfolgt ist.

Museums für Weltkulturen wird Ziel der „Antikolonialen Aktion“

Dort wirbt zurzeit ein Plakat einer „Mahina“ (Frau, Mutter) für die gleichnamige Ausstellung des molukkisch-niederländischen Künstlerkollektivs Teru. Sie wird schon seit einem Jahr gezeigt, ist aber aufgrund des Lockdown bis zum Januar verlängert. Das Plakat mit dem Porträt einer Niederländerin molukkischer Herkunft ist wie die Sandsteinfassade des derzeit geschlossenen Museums mit roten Farbbeuteln beworfen worden. Eva Raabe, Leiterin des Museums für Weltkulturen, sagt: „Man könnte glauben, es sei ein rassistischer Angriff von Rechtsradikalen.“

Doch dem ist offensichtlich nicht so. Am weißen Schild „Museum für Weltkulturen“ prangt in Rot, mit einer Schablone aufgesprüht, ein Bekenntnis: „Antikoloniale Aktion“ zeichnet für die Farbattacke verantwortlich. Auf dem linken Portal „Frankfurter-info.org“ war gestern noch kein Hinweis auf die Aktion veröffentlicht. Die Helden des Antikolonialismus bleiben anonym.

Zeugen des Farbanschlags auf Museum für Weltkulturen in Frankfurt gesucht

Polizeisprecher Manfred Füllhardt bestätigte, dass eine Anzeige des Museums eingegangen sei: "Wir suchen Zeugen. Die Tat muss zwischen Freitagabend 16 Uhr und Montagmorgen 8.35 Uhr geschehen sein." Beobachtungen und Hinweise werden erbeten an das 8. Polizeirevier, Telefon (0 69) 75 51 08 00

„Es wird mehrere tausend Euro kosten, den Schaden zu beseitigen“, schätzt Eva Raabe. „Wir müssen den Sandstein abstrahlen.“ Es werde auch einige Tage dauern. „Das Bekenntnis hätten wir schneller entfernen können, aber wir haben uns entschlossen, dies nicht zu tun.“

Museum für Weltkulturen in Frankfurt wünscht sich Gespräch

Die Leiterin bedauert, dass die Farb-Attentäter nicht das Gespräch gesucht haben. „Für das Geld, das die Reinigung kostet, hätten wir eine antikoloniale Diskussion veranstalten können. Damit wäre der Sache eher gedient.“ Das Museum für Weltkulturen habe durchaus Sammlungsbestandteile aus der Kolonialzeit und auch aus dem Kolonialkontext, gehe jedoch mit diesen Gegenständen bewusst und selbstkritisch um. „Wir sind auch immer für Gespräche offen“, so Raabe. Nur eben: Die Aktion der selbst ernannten Antikolonialisten habe dem Anliegen eher Abbruch getan. „Zumal ausgerechnet der Hinweis auf eine Ausstellung einer Künstlergruppe aus Indonesien verunstaltet worden ist.“

Am Dienstag (08.12.2020) hatte die FNP über den Farbanschlag auf das Bismarck-Denkmal am Brüningpark in Höchst berichtet. Das von Bürgern gestiftete Bronze-Denkmal des Gründers des Zweiten Reiches, der „Eiserne Kanzler“, ist mit orangeroter Farbe beschmiert worden: Auch dieser Farbanschlag ist an diesem Wochenende geschehen. Hinweise nimmt hier das 17. Polizeirevier unter (0 69) 75 51 17 00 entgegen.

Bundesweite Aktionen gegen Kolonialismus

Im Juni hatte es einen Farbanschlag auf das Alte Rathaus in Nied gegeben; damals hatten sich Linksextreme im Internet dazu bekannt. Ebenfalls im Juni ist die Bismarck-Statue im Schleepark im Hamburger Stadtteil Altona mit roter Farbe beschmiert worden, im Juli der Bismarck am Berliner Tiergarten. Beide Schmierereien waren offensichtlich Proteste gegen den deutschen Kolonialismus. Und das, obgleich Bismarck nie ein deutsches Kolonialreich angestrebt hat. tjs/mfo/hv

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare