Janice Young von der Art Bar wartet darauf, dass endlich wieder Livemusik angeboten werden kann. Doch derzeit beschränkt sich alles auf das Herausgeben von Speisen und Getränken. foto: Enrico Sauda
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Janice Young von der Art Bar wartet darauf, dass endlich wieder Livemusik angeboten werden kann. Doch derzeit beschränkt sich alles auf das Herausgeben von Speisen und Getränken. foto: Enrico Sauda

Sachsenhausen: Musik-Szene

Mit starken Nerven durch die harte Zeit

  • vonDetlef Kinsler
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In die Frankfurt Art Bar soll die Livemusik zurückkehren

Über Eines konnten sich Danny Kelly und Janice Young von der Frankfurt Art Bar (FAB) von Tag 1 an im ersten Lockdown freuen. Kaum hatten Bund und Länder zum 23. März 2020 die umfassende Beschränkung sozialer Kontakte beschlossen und damit verbunden die Schließung der Gastronomie, bekundeten die Gäste den Gastleuten ihre Solidarität. Noch ahnte keiner, wie sich die Pandemie entwickeln würde. Deshalb gab es auf der Social-Media-Plattform der FAB recht launige Einträge wie diesen: "Solange Dir de Äppler schmeckt, bist'de aach net angesteckt." "Trotzdem war die Situation beängstigend und fremd und wir waren nervös, da niemand wusste, wie und wann es weitergehen könnte", erzählt Janice Young. An nur zwei Wochen Zwangspause mochte sie nicht so recht glauben.

Biergarten nicht für Livemusik zugelassen

"Unser letztes Konzert vorm Lockdown war die Jazz Matinée an genau dem Sonntag, an dem nachmittags die Nachricht veröffentlicht wurde", weiß Janice Young noch ganz genau und spricht damit auch den besonderen Charakter ihrer Lokalität an. Denn man kommt nicht nur zum Essen und Trinken in den Ziegelhüttenweg 221 zwischen den Kleingärten unweit der Louisa, sondern auch, um ganz nah am Geschehen Livemusik zu hören. Und da war das Programm bis in die Sommermonate hinein geplant. Abgesagt wurden die Termine erst, als klar war, dass ihr Geschäft ab Mai erst mal nur im Freien stattfinden konnte. "Aber unser Biergarten ist leider nicht für Livemusik zugelassen", bedauert die Inhaberin. Trotzdem empfand sie es als "großes Glück, dass der Sommer viel schönes Wetter mit sich gebracht hat und wir uns im Biergarten regelmäßig treffen konnten, um sich auszutauschen und den Kontakt aufrechtzuhalten". Denn zur Philosophie des Hauses gehört der Treffpunkt-Charakter der Art Bar, wo gemeinsame Ideen und Konzepte entwickelt, diskutiert und ausgetauscht werden können, um dann kreative Taten folgen zu lassen.

"So haben wir zusammen mit unseren Gästen sehr schöne Tage verbringen könnte, aber was die Livemusik betrifft, war es ganz klar ein Desaster", resümiert Young. "Uns tat es sehr leid, dass wir nichts machen konnten, um den vielen befreundeten Musikern zu helfen oder sie zu unterstützen. So viele Künstler mussten so sehr leiden und wurden durch Corona an die Existenzgrenze gebracht." Nur einmal die Woche wurde der "Friday Live Jazz", eine Institution lange vor dem Umzug zu den "Rosisten", im Saal auf die Bühne gebracht, darüber hinaus nur sporadisch andere Konzerte für maximal 35 Besucher unter Hygienestandards. "Das Feedback war super, aber es hat etwas gedauert, bis wir uns alle an die neuen Umstände gewöhnt hatten", erklärt Young. "Viele Menschen waren einfach unsicher in einem geschlossenen Raum, aber da wir gut lüften konnten und uns immer strikt an die Regel gehalten haben, hat sich das schnell rumgesprochen und nach einer Weile war es immer ausgebucht am Wochenende." Bis zum neuerlichen Lockdown.

Im März bekam die Frankfurt Art Bar relativ zügig staatliche Unterstützung. Die Anträge für November- und Dezember-Hilfe sind noch in Bearbeitung. "Auch viele unserer Gäste haben uns gleich anfangs großartig unterstützt, indem sie Gutscheine über die Plattform ,Paynoweatlater' gekauft haben", erinnert die Gastronomin an die "Bezahle-jetzt-esse-später"-Aktion, die Geld zur Überbrückung einspielte. Eingelöst werden können die Coupons jederzeit, wenn die Küche wieder geöffnet ist.

Ersatztermine für alle Künstler

Aktuell werden Speisen und Getränke zum Mitnehmen angeboten, darunter auch regionale Köstlichkeiten wie Handkäsesalat, Frankfurter Schnitzel mit Grüner Soße oder Wildbratwürste an Wirsinggemüse. "Wir haben keine Alternativen", bekräftigt Young. "Das komplette Weihnachtsgeschäft zu verlieren war schon sehr hart, man braucht sehr starke Nerven in dieser Zeit." Für alle Künstler, denen bis dato abgesagt werden musste, sollen Ersatztermine gefunden werden. Sie sollen als erstes wieder eingeladen werden. "Lasst uns also gemeinsam für einander achtsam sein, damit wir bald wieder in familiärer und positiver Atmosphäre köstliche Speisen, leckere Getränke und vor allem gute Musik genießen können", wünscht sich Young. Ein weiteres Posting auf Facebook zeigt einen Peanuts-Cartoon von Schroeder vor seinem Flügel, auf dem Snoopy bequem lümmelt. Die Botschaft lautet: "Die größte Heilung wird stattfinden, wenn die Livemusik zurückkommt." DETLEF KINSLER

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