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Losgelöst hechtet Julius Kiesau vom TSG über ein Hindernis der Offenbacher Parkour-Anlage. Für den TSG hat Kiesau eine Anlage mitentwickelt. fotos: privat

Nieder-Erlenbach: Trendsport

Mit viel Schwung durch den Parkour

  • vonSabine Schramek
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Erste Strecke Frankfurts geplant

Die Sportart ist ungewöhnlich, ihre Schreibweise auch. Obwohl sie aus Frankreich stammt, wo man die artistischen Aktiven als Traceure (Läufer) bezeichnet, nennen und schreiben sie ihre Disziplin Parkour und nicht - wie man denken könnte - Parcours. Gebräuchlich sind auch Bezeichnungen wie Wegfinder oder Freerunner. Was leicht unverständlich klingt, ist ein Sport, der sich immer weiter durchsetzt. In Nieder-Erlenbach wird gerade der erste Außen-Parkour gebaut, auf dem es darum geht, sich nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers von A nach B zu bewegen. Zuschauer werden staunen.

Sportart kommt aus Frankreich

Die Sportart Parkour hat der Franzose Davis Belle in den 1980er Jahren ins Leben gerufen. Das Fieber, sich mit Sprüngen, Geschick und waghalsigen Ideen von Punkt zu Punkt zu bewegen, war schnell ansteckend. Filme, Videos und Clips haben die Sportart populär gemacht. Jetzt wird auf dem Gelände der TSG 1888 Nieder-Erlenbach zwischen Boulderwänden und Grill der erste Outdoor-Parkour in Frankfurt gebaut. Ausgedacht haben ihn sich drei Jugendliche, die sogar schon den mit 750 Euro dotierten Ehrenamtspreis des Landes Hessen in der Paulskirche für ihr Engagement erhalten haben. Das, was die gelenkigen Sportler erwartet, hat die Projektgruppe jetzt bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Nieder-Erlenbach vorgestellt. "Die Bagger sind längst da und im Frühjahr wird der Boden fertig. Dann können alle kommen", verspricht Christoph Kratzer, der 1. Vorsitzende der TSG 1888.

"Nicht nur Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren werden das gerne annehmen", waren sich Finn Deutsch (18), Julian Weber (17) und Julius Kiesam (17) einig. Denn Parkour finden sie cool. Die Anna-Schmidt-Schule hat seit einigen Jahren eine Parkourgruppe in der Halle. Bis zu 50 Jugendliche aus Nieder-Erlenbach sind dabei, wenn gesprungen, gehangelt und gegrätscht wird. "Die Halle ist eines, aber draußen macht es viel mehr Spaß", so Finn, der Sohn des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Henner Deutsch im Ortsbeirat 13. Der Antrag fand Anklang und die drei Jugendlichen haben sich Gedanken darüber gemacht, wie so ein Parkour aussehen kann. Sie haben den Sportdezernenten Markus Frank (CDU) eingeladen und Michael Anthes vom Grünflächenamt, um ihre Idee vorzustellen. Nur der Ort war unsicher: Am Skatepark oder auf der grünen Wiese. "Bei der Überlegung nach dem Platz kam auch die TSG ins Spiel. Wir haben 2018 bereits die neue Boulderwand finanziert, gebaut und eröffnet. Die kommt prima an", so Kratzer. "Platz haben wir auch gefunden." Mit Skizzen, einem 12-seitigen Konzept, Drohnenbildern und einem speziellen Programm hat die Projektgruppe in ihrer Freizeit einen Parkour entworfen, wie sie ihn sich für die Jugendlichen vorstellen. Und das kam an.

Das Okay von Amt und Dezernent

Sie bekamen das Okay vom Sportamt und Markus Frank. "Die Stadt zahlt, die Gruppe hat das Konzept und den Projektplan entwickelt", berichtet der 1. Vorsitzende der TSG. "Es gab Diskussionen, aber wir konnten uns am Ende durchsetzen", ergänzt Finn. Ende 2019 hatten sie sich mit allen Vorschriften, Regelungen und DIN-Normen auseinandergesetzt und den "perfekten Parkour" entwickelt. Alles wurde von den Ämtern abgenommen und Anfang des Jahres haben ein Architekt und ein Ingenieurbüro gemeinsam mit dem Bäderamt und dem Sportamt die finale Planung fertiggestellt. "Und dann ging es auch schon los", sagt Kratzer, und blickt stolz auf die drei jungen Männer.

Zuerst wurde das Gelände auf Metall und eventuelle Bomben untersucht. "Das muss gemacht werden, wenn etwas neu gebaut wird", führt Kratzer aus und berichtet, dass immer jemand aus der Projektgruppe dabei war. "Weder der Mann mit dem Metalldetektor noch der Bombenhund haben etwas entdeckt. Also konnten die Baggerfahrer unbesorgt loslegen."

Im Moment wird gegraben. Insgesamt 320 Tonnen Erdaushub werden bei 20 Fahrten mit dem Lastwagen abtransportiert. "Am Montag kam bereits die erste Schotterschicht auf das Gelände. Natürlich unter den wachsamen Augen der Projektgruppe", so Kratzer.

Die Plätze für die Beton-Elemente seinen markiert und würden noch einmal 50 Zentimeter tief ausgehoben. "Die werden sehr fest mit Zement verankert. Das ist zwar aufwendig, aber sehr sicher".

Einweihung noch in diesem Jahr

In vier Wochen soll alles stehen. Im Frühjahr kommt der Gummi-Granulatboden drauf. "Dann kann jeder kommen", so Kratzer. Die Jungs erhalten Applaus. Viel Applaus von den Bürgern und dem Ortsbeirat. Der Vorsitzende Yannick Schwander (CDU) ist euphorisch. "Wenn alles fertig ist, mache ich eine Runde über den Parkour mit euch. Ihr seid das beste Beispiel, dass Ehrenamt wirkt und viel für die Gemeinschaft leistet." Sabine Schramek

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