fff_Frauen_PK_101220
+
Tatjana Leichsenring, Kerstin Einecke, Giruna Moller, Tessa Hemzal, Anita Quarm und Elena Kozlov (von links) haben einiges gemeinsam: Sie haben Kinder, sind alleinerziehend und belegen Kurse beim Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF).

Neues Projekt gestartet

Mit Wanda zum Traumberuf

  • vonSabine Schramek
    schließen

SACHSENHAUSEN Verein zur beruflichen Förderung macht Frauen fit für die digitale Welt.

Tessa Hemzal, Anita Quarm und Azeb Girma Molla haben einiges gemeinsam. Sie haben Kinder und sind alleinerziehend und belegen Kurse beim Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF). Hemzal hat auch eine Teilzeitstelle beim Verein, die beiden anderen Frauen möchten in die Altenhilfe. Molla hat sich bereits qualifiziert, findet aber keine Arbeit. "In Teilzeit nimmt mich niemand", so die Mutter von zwei Söhnen. "Also lerne ich erst mal weiter. Digital", sagt sie stolz. Ihre Jungs waren fit auf dem Laptop, sie nicht. Jetzt ist sie es, ebenso wie Quarm durch das Projekt "Wandlung durch digitale Anpassung" (Wanda).

Seit dem ersten Lockdown wissen sie, wie Online-Meetings funktionieren, wie man Files hochlädt, E-Mails schreibt und wie man im Online-Unterricht lernt. Die Frauen stehen im Digitalraum des Vereins vor einem riesigen Bildschirm. "Wir haben bereits 2019 damit angefangen, unsere Mitarbeiterinnen für Videokonferenzen und Online-Schulungen auszubilden", erklärt Geschäftsführerin Kerstin Einecke. "Dann kam der Lockdown und wir haben sofort weitere 40 Laptops besorgt. Eigentlich sind wir heute an dem Punkt, an dem wir mit Wanda Ende 2021 sein wollten", sagt Einecke lachend.

Teilnehmerinnen aus allen Altersgruppen

Die alleinerziehenden Frauen und Frauen mit Migrationshintergrund zwischen 16 und über 60 Jahren haben nicht alle Laptops oder einen Internetanschluss. "Das ist ein Problem, das oft nicht bedacht wird", fügt Bereichsleiterin Tatjana Leichsenring hinzu. "Selbst wenn es da ist, stehen Frauen oft in dem Konflikt, hintenan zu stehen, weil der Mann den PC belegt oder die Kinder." Laut Studien haben 25 Millionen Menschen in Deutschland kein Smartphone und 8,1 Prozent der Haushalte keinen PC oder Laptop. Der Verein will das ändern, "damit Frauen ebenso mit Digitalität umgehen können wie Männer". Sonst bleiben sie benachteiligt. Wanda war bereits lange vor der Corona-Krise angedacht. "Und plötzlich waren wir mittendrin im Lockdown und konnten sofort mit digitalem Unterricht anfangen", so Einecke. Seit seiner Gründung 1978 konzentriert der Verein sich darauf, was Frauen brauchen, um beruflich Fuß zu fassen, und das, was auf dem Arbeitsmarkt wichtig ist.

Sie erzählt von Wanda und einer jungen Mutter, die gerade ihre theoretische Abschlussprüfung als Medizinisch-Technische Angestellte bestanden hatte und mit ihrem Sohn, der dieses Jahr eingeschult wird, in ihr Heimatland Nigeria zu Besuch gereist ist. "Wegen Corona konnte sie bis jetzt nicht zurückkommen. Die praktische Prüfung steht noch aus, wir haben es geschafft, dass sie sich von Nigeria aus für die nächste Prüfung vorbereiten kann." Die Frau hat weder Laptop noch Internet. Sie fährt dafür zu einer Freundin, die einige Dörfer weit entfernt lebt. "Digitalisierung ist gerade für Frauen wichtig", so Leichsenring. "Besonders in der Ausbildung. Wenn Kinder krank sind, müssen sie - vor allem Alleinerziehende - zu Hause bei den Kleinen bleiben. Andere arbeiten nebenbei, um sich und ihre Familien mit zu ernähren." Digitale Tools helfen, dass sie trotzdem ihre Ausbildungen und Kurse machen. "Entweder sie sind live dabei, oder sie können später auf den Inhalt zugreifen. Auf jeden Fall kommen sie weiter."

In der Altenhilfe gibt es an den Schulen noch keinen Teilzeitunterricht, obwohl händeringend nach Pflegekräften gesucht wird. "Wir können hier bei Kursen helfen", sagt Einecke. "Die Schulen sind so überlastet, dass kaum Zeit zum Umdenken bleibt. Trotzdem ist es wichtig für unser aller Zukunft." Ob der Verein es schafft, Teilzeit für stark gesuchte Berufe zu ermöglichen, wird sich weisen. Einecke ist aber überzeugt: "Das schaffen wir auch noch." Molla und Quarm hoffen darauf. Altenpflege ist für beide ein Traumberuf. Sabine Schramek

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare