Pandemie

Mitarbeiter kritisiert mangelnde Einsicht bei Stadtverwaltung

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Gesundheitsdezernent Majer will bei den Magistratskollegen nun dafür werben, mehr Beschäftigte ins Homeoffice zu schicken.

Noch mehr Arbeitnehmer sollen im Homeoffice arbeiten. Das diskutiert aktuell die Politik. Heute will die Bund-Länder-Runde über eine neue Regelung beraten. Was im März im ersten Lockdown gut funktioniert habe, lasse derzeit erheblich zu wünschen übrig, kritisiert Horst Kurz (Name von der Redaktion geändert), Mitarbeiter der Stadt Frankfurt. "Jetzt, wo die Corona-Zahlen viel höher sind, spricht keiner mehr davon. Also muss ich mich täglich in die überfüllte S-Bahn setzen, um ins Büro zu kommen", klagt er. Von dort aus führe er Video-Telefonate und -konferenzen mit städtischen Vertragspartnern, die "wie selbstverständlich" im Homeoffice befänden. Kurz: "Bei uns finden ganz normal Besprechungen statt, natürlich mit Maske. Dass es im öffentlichen Dienst anscheinend keine Einsicht gibt, im Arbeitsalltag, wo immer möglich, Kontakte zu minimieren, finde ich seltsam."

Dass aktuell bei der Stadt womöglich nicht alle Potenziale für Homeoffice ausgeschöpft sind, sei nicht ausgeschlossen, erklärt auf Anfrage Tim Bartelt, Referent von Stadtrat Stefan Majer (Grüne), in dessen Zuständigkeit neben Personal auch Gesundheit fällt. Majer würde "gern zur Vermeidung von sozialen Kontakten beisteuern".

Sehr früh in der Pandemie habe der Personaldezernent durch die erste Dienstanweisung vom 15. März vergangenen Jahres ermöglicht, dass die direkt zuständige Führungskraft "ohne üblichen Verwaltungsaufwand" die Beschäftigten ins Homeoffice senden konnte, so Bartelt. Das sei im Frühjahr großzügig genutzt worden. Grobe Schätzungen aus jenen Wochen gingen davon aus, dass etwa 5600 Beschäftigte mindestens über einen mobilen Zugang Homeoffice hatte. "Genauer wissen wir es nicht", so Bartelt. Zu jener Zeit seien in der Verwaltung und den Büros noch keine Schutzmaßnahmen eingeführt gewesen. Von diesen seien inzwischen aber etliche etabliert. Plexiglasschutzwände und Mund-Nasen-Bedeckungen sind zumindest in Bereichen mit Publikumsverkehr inzwischen Standard.

Für Mitarbeitende in Publikumsbereichen oder im Außendienst wie etwa in Bürgerämtern, Jugend- und Sozialämtern, Wohnungsamt, Ordnungsamt oder Bauaufsicht sei die Präsenzpflicht am Arbeitsplatz meistens ebenso unerlässlich wie für Erzieherinnen, Stadtpolizisten, Tierpfleger im Zoo, Mitarbeiter auf Friedhöfen, im Grünflächenamt oder Palmengarten. Gleiches gelte für Ärzte und weiteres medizinisches Personal vom Gesundheitsamt.

Aktuelle Zahlen des städtischen Zeiterfassungssystems hätten ergeben, dass in diesem Jahr bereits 3700 Mitarbeitende Homeoffice in Anspruch genommen haben. "Aber auch diese Zahlen können den tatsächlichen Umfang nicht voll beschreiben", so Bartelt.

Im System zur systematischen Erfassung sind alle 13 000 städtischen Beschäftigten gespeichert. 8000 von ihnen seien inzwischen unter anderem mit Hardware, Schutztechnologie und Zugangsberechtigungen so ausgerüstet, dass sie zu Hause arbeiten können, teilte ein Sprecher des für IT zuständigen Dezernates mit. Den Ausbau von vor der Coronakrise 3000 solcher mobiler Arbeitsplätze um nunmehr weitere 5000 habe sich die Stadt 1,6 Millionen Euro kosten lassen. Das verfügbare Datenvolumen sei von früher zwei auf jetzt fünf Gigabit erhöht werden, zudem die Kapazität der Telefonanschlüsse erhöht worden, um sie fit zu machen für die erhöhte Zahl an Videokonferenzen. Im IT-Dezernat sieht man hinsichtlich der technischen Voraussetzungen die Möglichkeiten, städtische Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, für weitgehend ausgereizt. Tatsächlich aber entschieden die Amtsleiter, welche Mitarbeiter ganz oder teilweise mobil arbeiten dürften, so der Sprecher.

Personaldezernat Majer will dem Vernehmen nach nun die übrigen Magistratsmitglieder für "die großzügige Auslegung der Dienstanweisung sensibilisieren". Bartelt: "Die Voraussetzungen sind vorhanden."

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