+
Axel Deist (links) und Erich Schenkenberger vor einem Regal in Schenkenbergers Modell-Auto-Geschäft.

Kleine Kunstwerke

Das ist die Modell-Auto-Ausstellung in Bergen-Enkheim

  • schließen

Kleine Kunstwerke sind zu sehen, wenn die besten Modell-Auto-Bauer Deutschlands in der Stadthalle Bergen ihre Kreationen zeigen. Mit Spielzeugautos, sagen die Organisatoren Erich Schenkenberger und Axel Deist, habe Modellbau nichts zu tun.

Autos sind sein Leben – echte und solche aus Plastik. Am meisten schätzt Erich Schenkenberger (66) Weltrekord-Fahrzeuge: Eine kleine Sammlung mit den Modellen aktueller und früherer Rekordhalter stehen daheim hinter Glas. Im echten Leben ist er seit 20 Jahren bei den Dragster-Rennen auf dem Hockenheim-Ring aktiv. Dragster sind Raketen auf Rädern, die in viereinhalb Sekunden auf 500 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Je zwei Geschosse treten gegeneinander an – und Schenkenberger steht als Starter direkt zwischen ihnen, wenn die Ampel auf Grün springt. Seit seiner Jugend baut Schenkenberger Automodelle, seit 1992 handelt er mit ihnen. Und zum 20. Mal organisiert er die Modell-Auto-Ausstellung in der Stadthalle Bergen, wo sich die besten Modellbauer Deutschlands treffen.

Die Idee entstand, als Schenkenberger mit einigen Modellbau-Freunden zusammen saß. „Wir sprachen darüber, dass es in Deutschland keine Modellbau-Ausstellungen gab, die ohne Panzer und andere Militaria auskam. Und so beschloss ich, die erste reine Modell-Auto-Ausstellung zu organisieren.“ Damals noch zusammen mit dem Gewerbeverein, heute unter dem Dach des Vereinsrings Bergen-Enkheim. Um genug Platz zu haben, wählten sie die Stadthalle Bergen als Veranstaltungsort. Und die ist auch stets gut mit Ständen und ausgestellten Fahrzeugen gefüllt. Rund 350 Besucher kommen jedes Jahr. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus halb Europa. „In diesem Jahr hat sich eine Gruppe Modellbauer aus Spanien angekündigt.“

Manchmal, erzählt Schenkenberger, höre er vor seinem kleinen Laden in der Taschnerstraße Kinder betteln, „Mama, können wir in den Spielzeugladen gehen?“. „Aber das ist ein Irrtum, hier gibt es kein Spielzeug“, sagt sein Freund Axel Deist, der bei der Organisation der Ausstellung hilft und selbst seit vielen Jahren Modellautos baut. Ein Irrtum, der sich über Modellbauer vor allem in Deutschland halte. „In anderen Ländern, etwa in Belgien oder den Niederlanden ist das anders. Dort hat der Modellbau einen höheren Stellenwert als bei uns und das Interesse ist viel größer. Im belgischen Jabeke findet immer im März auch die größte Schau Europas statt.“

Spielen kann man mit den Autos, die es hier gibt, wirklich nicht gut: Zu leicht können die filigranen Teile der detailgetreuen Fertigmodelle abbrechen. Und die Kunststoffbausätze, die zu Hunderten in Schenkenbergers Regalen lagern, müssen erst aufwendig zusammengebaut und lackiert werden. Das ist nicht leicht, passen die Teile der Bausätze doch oft nur schlecht zusammen, wie Deist sagt. Zudem werden sie aufwendig lackiert, mit echtem Autolack und in mehreren Schichten. „Das hinzubekommen, ist Kunst.“

Der vielleicht weltweit beste Modellbauer, der selbst in Amerika viele Preise gewann, sei der Finne Juha Airio. „Er kombiniert auch gern verschiedene Bausätze, um ein neues Modell zu schaffen. Und zwar so präzisiere, dass man nachher nicht sieht, wo er geschnitten und geklebt hat“, schwärmt Deist. Obwohl ein Star der Szene, sei Airio „ganz natürlich“ geblieben, sagt Schenkenberger. Im Jahr 2015 hatte der Finne auch die Ausstellung in Bergen besucht. „Er gibt Tipps und erzählt immer gerne, wie er was gemacht hat.“

Nicht nur die Autos selbst werden verfeinert, oft bis hin zur exakten Nachbildung der Bremsleitungen – viele Modellbauer betten die Fahrzeuge in Szenen aus dem wahren Leben ein, etwa von legendären Rennsportveranstaltungen wie der Rallye Monte Carlo. Auch hier muss jedes Detail stimmen, bis hin zum Moos an den Bäumen oder dem Laubhaufen neben der Rennstrecke.

Was für ein Modell er selbst als erstes baute, weiß Schenkenberger nicht mehr. „Vielleicht eine Ju 52 der Lufthansa, die fand ich immer toll.“ Später faszinierten ihn Autos mehr als Flugzeuge. „Und weil ich immer schon schräg drauf war, waren es eher die US-amerikanischen Autos, diese Schiffe mit den riesigen Heckflossen. Die gab es hier nicht so oft.“ Über Show-Cars und Filmautos kam er irgendwann zu Dragstern. „Selbst eigene Räder habe ich mir passend anfertigen lassen für meine Modelle.“

Die Modell-Auto-Ausstellung findet am Samstag, 3. November, von 11 bis 18 Uhr, und am Sonntag, 4. November, von 10 bis 17 Uhr in der Stadthalle Bergen (Schelmenburgplatz) statt. Infos gibt es im Internet unter www.modell-auto-ausstellung.de, der Eintritt kostet 3 Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen 2 Euro. Der Eintrittserlös kommt nach Abzug der entstandenen Kosten komplett dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ zugute.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare