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Der Wohnbunker in Fechenheim. 

Rundgang

Modern wohnen im Bunker in Fechenheim

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In Fechenheim wurde zwei Jahre lang ein ehemaliger Hochbunker zu Wohnungen umgestaltet, die seit September bezogen werden können. Ein Rundgang.

In einem anderen Haus würde man an dieser Stelle einen Abstellraum oder vielleicht ein kleines Bad vermuten. In den neuen Wohnungen in einem ehemaligen Luftschutzbunker in Alt-Fechenheim hingegen ist im Rechteck zwischen zwei Fenstern nur eines: Wand. Eineinhalb bis zwei Meter dick mussten die Wände sein, um einem Bombenangriff standhalten zu können. Dort, wo Durchgänge geschlagen wurden, ist die Beschaffenheit gut zu erkennen: grauer Beton mit groben Steineinschlüssen, Stahlrohre blitzen heraus.

„Vier Wochen braucht es, um mit einer diamantbesetzten Fräse in solche Wände einen Durchgang zu schneiden“, sagt Stefan Timpe. „Jeweils.“ Er leitet die Abteilung Bau-, Garten- und Kunstdenkmalpflege beim Denkmalamt und hat den Umbau des Bunkers zum Wohnhaus begleitet, seit dem Abschluss tut er das Gleiche in Schwanheim. Diese Nischen liebt Irene Mika besonders an ihrer im September bezogenen Wohnung. Ein Séparée vor den „irre großen Fenstern“ habe sie als Arbeitsecke, ein anderes als Leseecke eingerichtet.

Bunker in Frankfurt-Fechenheim mit besonderer Architektur

Der Hochbunker in der Gründenseestraße 6 ist einer von zwei Fechenheimer Bunkern, einer von 50 in Frankfurt. Anders als andere Städte sei Frankfurt um eine besondere Bunkerarchitektur bemüht gewesen, habe für jeden einen anderen Architekten engagiert, sagt der Denkmalpfleger.

Adam Heinrich Aßmann, der auch ein Wohnhaus mit Ladengalerie in der Braubachstraße entworfen hat, war für den Fechenheimer Bunker verantwortlich. Sicherheit und Optik hat er denselben Stellenwert eingeräumt. „Sowohl das Seitenschiff mit seiner Backsteinverkleidung als auch Dach und Turm waren nicht bombensicher“, sagt Timpe. Der eigentliche Bunker, wie man auch heute noch sieht, liegt dahinter. Doch auch die Optik sollte schützen: Durch sakrale Elementen hoffte man Bombenangriffe fernzuhalten. Besonders aus der Luft fällt die Ähnlichkeit mit einem Kirchengebäude auf.

Frankfurt-Fechenheim: Bunker mit beeindruckendem Dachgewölbe

„Ich habe zuletzt 15 Jahre in Paris, in meinem geliebten Altbau mit Parkett und Kamin, gelebt“, erzählt Mika. „Mir war klar, dass ich auch in Frankfurt keine 08/15-Wohnung suche.“ Als sie die Annonce gesehen habe, sei sie sofort fasziniert gewesen.

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„Der Arkadenvorbau ist so durchbrochen worden, dass er jetzt als Eingang und Galerie dient“, erläutert Timpe. Ausgestellt sind, auch von außen sichtbar, Fotos des Gebäudes. Auf einem ist das beeindruckende Dachgewölbe abgebildet, das durch den Turm erschlossen werden kann. Beide haben nach wie vor keine Funktion.

Seit 2015 gehört  der Bunker in Fechenheim dem Bund

Bis 2015 gehörte der 1941 gebaute Bunker dem Bund, wurde Jahrzehnte nur als Lager genutzt. Mit dem Verkauf an einen privaten Eigentümer begannen 2015 Planung und Ausbau von Mietwohnungen. Im Treppenhaus mit Originalholzstrich auf den Stufen und fluoreszierendem Anstrich an den Kanten sind noch ursprüngliche Verweise auf Räume und Ausgang zu lesen.

Bunker seien unangenehme Denkmäler*, bedauert Timpe. „Unheimlich gut“, findet Mika, sei der Brückenschlag zwischen einem Gebäude mit dunkler Kriegshistorie und modernem Wohnen gelungen. Für 690 Personen in Not war der Bunker ausgelegt, heute sind dort neun Wohnungen zu finden, sieben davon bereits bezogen. Die Preise liegen nahe am Durchschnitt: Zwei Zimmer, 92 Quadratmeter, sind für 973 Euro Kaltmiete zu haben. Die Erdgeschosswohnungen verfügen hinter dem Gebäude sogar über eine kleine Wiese mit Terrasse.

Nur der Handyempfang im Bunker in Fechenheim ist schlecht

„Dankenswerterweise haben wir einen denkmalaffinen Eigentümer, der auch Extrakosten auf sich genommen hat, um den Originalzustand zu bewahren“, sagt Denkmalpfleger Timpe. „Der Architekt hat sich viele kreative Lösungen überlegt.“ Durch großzügige Fenster und weite Räume wirken sie heller, als man annehmen würde. Auch zugunsten des Lichteinfalls sind die Räume nicht immer abgetrennt, ist die Küche offen. Wohnungen über zwei Etagen sind direkt mit einer Treppe verbunden und teilen sich dasselbe Fenster.

Außer, dass es das Handysignal nicht durch die Wände schafft, sind die Wohnungen sehr modern. „Empfang hat man nur, wenn man wirklich will“, sagt Hausverwalterin Mandy Hoffmann lachend. Viele stellten das Handy aufs Festnetz um, Messenger könnten über WLAN genutzt werden. „Das ist ein bisschen tricky“, gibt auch Mika zu. Für das stabile Raumklima, den alten Charakter und das schöne Wohngefühl nehme sie das aber gerne in Kauf.

Zum Tag des offenen Denkmals im kommenden Jahr werden wieder Führungen durch den Bunker angeboten. Wegen der großen Nachfrage ist eine frühzeitige Anmeldung empfehlenswert.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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