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Die beiden Förster Roman Brunner und Peter Rodenfels (rechts) zeigen es bei der Waldbegehung: Es gibt schwere Schäden durch den trockenen Sommer 2018, stellenweise müssen 70 Prozent der Bäume gefällt werden.

Zu viel und zu wenig Wasser

Möllerswäldchen: Viele Bäume tot

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Die Baumschäden im Möllerswäldchen zwischen Fechenheim und Bergen-Enkheim sind so fatal, dass bald an manchen Stellen so gut wie kein Wald mehr sein wird. Zwei Förster zeigen, warum.

Roman Brenner (57) selbst ist in einem Forsthaus groß geworden, ist seit 25 Jahren Revierleiter für 1600 Hektar Wald in Frankfurt und im Taunus. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt er frustriert, als er mit Ortsbeiratsmitgliedern und Bürgern durch das Möllerswäldchen geht. Auf dem Waldboden wuchern die ersten Brombeersträucher mit satten grünen Blättern. Sein Blick nach oben zeigt das Gegenteil. Eine riesige Kiefer hat braune Nadeln. Sie ist 101 Jahre alt und tot.

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Kiefern, Douglasien und Eichen müssen gefällt werden

„Im Dezember haben wir es bemerkt. Immer mehr Kiefernadeln wurden braun oder haben sich nach innen gebogen“, berichtet er. „Erst waren es wenige Bäume, dann immer mehr.“ Das Forstamt rief die Nordwestliche Forstliche Versuchsanstalt aus Göttingen zu Hilfe. Das Ergebnis ist fatal. Mehr als 70 Prozent der Kiefern und Douglasien müssen gefällt werden, ebenso stellenweise viele Eichen. Peter Rodenfels (31), stellvertretender Abteilungsleiter Stadtforst vom Grünflächenamt, fasst zusammen: „2017 hat es so stark geregnet, dass Wurzeln abgefault sind, weil sie im Wasser standen. Im letzten langen und heißen Sommer haben den Bäumen diese Wurzeln gefehlt. Das haben sie nicht überstanden. Dazu kommt noch der Befall von Borkenkäfern und der Baumpilz Diplodia.“ Dieser sei zwar normal und mache gesunden Bäumen nichts aus, sind die Bäume aber gestresst, „hat der Pilz trockene Äste auf dem Gewissen“.

Einige der Koniferen haben noch einen Grünanteil. „Der Schein ist trügerisch“, so Brunner. „Durch den warmen Winter assimilieren sie und bilden an den kurzen hellen Tagen Photosynthese. Während der langen Nächte verbrauchen sie die Energie. Wenn das wie jetzt mehr als drei Jahre anhält, gerät der Baum unter Stress und gibt irgendwann auf.“ Wenn Kiefern und Fichten braune Nadeln haben, treiben sie nicht mehr nach. Brunner zeigt mit dem scharfen Schabeisen, was das bedeutet. Nah am Boden wirken Rinde und Stamm intakt, weiter oben ist eine braune Schicht unter der Rinde. „Das bedeutet, dass der Baum tot ist. An gefällten Stämmen zeigt sich eine leichte bläuliche Färbung des Stamminneren. Diese Bäume taugen gerade noch für Paletten, aber nicht mehr für Möbel.“ Wenn die Bäume krank sind und sterben, vermehren sich Schädlinge wie Borkenkäfer. „Um die Restbestände zu retten, müssen wir das kranke und tote Holz so schnell wie möglich hier rausholen.“

Bauholz wird knapp

Die braunen Nadeln dieser Kiefer sind ein klares Zeichen: Diesem Baum ist nicht mehr zu helfen, er muss gefällt werden.

Das Problem ist, dass die Wälder in ganz Deutschland unter großem Schaden durch den letzten Winter leiden. „Die Unternehmen sind schlicht und ergreifend voll ausgebucht. Die Holzpreise werden in den Keller gehen“, sagt Brunner voraus. Vor ein paar Jahren habe Fichten 92 Euro gebracht, jetzt 40 Euro. Davon gehen noch 20 Euro für Transport und Aufarbeitung weg. Im Nürnberger Raum ist der Preis bereits auf sechs Euro gefallen.“

Brunner sieht noch mehr Probleme in der Zukunft. „Wenn es weiter so trocken bleibt, leidet die Bauindustrie mangels Holz. So schnell kann man nicht wieder aufforsten. Die Natur braucht dringend einen wochenlangen Landregen, auch wenn er das Gemüt trübt“, sagt er. Einige wenige Kiefern und Douglasien sehen noch gesund aus. Niemand weiß, warum, aber sie geben dem passionierten Förster ein wenig Hoffnung. „Vielleicht überleben wenigstens sie.“ In einem Waldstück hat er die Bäume mit einem roten Ring markiert, die bleiben können. Es sind wenige. An Eichen und Roteichen hängen dunkelrot-braune Blätter. Auch sie wurden untersucht. „Das Kambium, die Wachstumsschicht, ist kaputt. Das macht betroffen.“ Wie viele Laubbäume gefällt werden müssen, wird sich erst im Frühjahr herausstellen, den Förstern schwant nichts Gutes.

Tiere gefährdet

In den Wäldern leben Vögel, Fledermäuse, Rehe und Wildschweine. „Auch das wird sich verändern“, so Brunner seufzend. „Wir tun, was wir können.“ Wer den Wald noch voller Bäume genießen möchte, muss sich beeilen. In den nächsten Wochen rücken die Harvester an und fällen mehr als 70 Prozent des Bestandes.

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