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Bruder Paulus

Obdachloser Frankfurter

Mönch löste Wirbel um Eisenbahn-Reiner aus

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Medien in ganz Deutschland haben über den obdachlosen Eisenbahn-Reiner berichtet, nachdem Stadtpolizisten seine Bahn beschlagnahmt hatten. Ins Rollen gebracht hat die Geschichte Bruder Paulus vom Kapuzinerkloster Liebfrauen.

Der als Eisenbahn-Reiner bekannte Reiner Schaad wird von seinen Bekannten als großzügig und nicht nachtragend beschrieben. Mit einer Ausnahme: Eine Versöhnung mit demjenigen, der ihm jüngst den Wirbel um seine Person eingebrockt hat, schließt er kategorisch aus. „Mit dem rede ich kein Wort mehr – auch nicht, wenn er sich bei mir entschuldigt hat“, sagt der 45-Jährige, der keinen festen Wohnsitz hat und seit sechs Jahren in der Liebfrauenstraße sein Sammelsurium in der Hoffnung auf eine Spende von Passanten aufbaut.

Ist er tatsächlich so konsequent, lässt er Bruder Paulus Terwitte künftig links liegen? Der Vorsteher des Kapuzinerklosters Liebfrauen war es, der durch seine Nachfrage beim Ordnungsamt die ganze Geschichte und den anschließenden Medienrummel um Eisenbahn-Reiner ins Rollen brachte.

Bruder Paulus stellt aber klar, dass er sich nicht über Eisenbahn-Reiner beschwert habe. Er habe nur beim Ordnungsamt nachgefragt, ob er eine Genehmigung habe, sein Sammelsurium zeigen zu dürfen. „Es geht mir nicht darum, Reiner eins auszuwischen, sondern nur um Gerechtigkeit und Gleichbehandlung“, sagt Bruder Paulus. Denn ein anderer Straßenhändler, der viele Jahre in der Liebfrauenstraße Heiligenbildchen verkauft habe, dürfe seinen Stand nicht mehr betreiben, weil ein entsprechender Antrag abgelehnt worden sei. Deshalb habe er sich gefragt, warum andere sich ausbreiten dürften, so Bruder Paulus.

Stadtpolizisten kontrollierten Eisenbahn-Reiner daraufhin. Weil er keine Sondernutzungserlaubnis vorweisen konnte, konfiszierten sie vor knapp drei Wochen seine Spielsachen (wir berichteten). Das löste einen Sturm der Entrüstung aus, Medien aus ganz Deutschland berichteten über den Fall, so dass die Stadt einlenkte und die Spielsachen zurückgab. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) schlug Eisenbahn-Reiner vor, sein Sammelsurium an der Kleinmarkthalle aufzubauen – zumindest so lange, bis er seine Genehmigung bekommen hat. Das lehnte dieser aber mit der Begründung ab, er habe seine Stammkunden in der Liebfrauenstraße. Seine Eisenbahn baut er derzeit nicht auf, er hat sie eingelagert.

„Wir haben in dieser Stadt Regeln. Es gibt eine Straßennutzungsordnung, die für alle gilt. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder macht, was er will?“, sagt Bruder Paulus. Er versteht nicht, dass Eisenbahn-Reiner das Angebot der Stadt, sein Sammelsurium an der Kleinmarkthalle aufzubauen, ausgeschlagen hat. Der Klostervorsteher, der lange den Franziskustreff im Liebfrauenkloster geleitet hat – hier bekommen Obdachlose für 50 Cent ein Frühstück –, weiß aus Erfahrung, dass Menschen, die lange auf der Straße gelebt haben, oft keine Hilfe annehmen wollen. Diese Erfahrung habe er auch mit Eisenbahn-Reiner gemacht. Er habe ihm mehrmals angeboten, eine Wohnung zu besorgen. Das wollte der 45-Jährige aber nicht.

Für Bruder Paulus steht Eisenbahn-Reiner stellvertretend für alle anderen Wohnungslosen in der Mainmetropole. „Wie wollen wir mit den Menschen, die in Not sind, umgehen? Darf jeder machen, was er will?“, fragt er. Das sollte man hinterfragen. Er würde sich auch freuen, damit eine Diskussion angestoßen zu haben, sagt Bruder Paulus. Seinem Selbstverständnis nach müsste das oberste Ziel sein, Menschen wieder in die eigenen vier Wände zu bringen. Das sei aber ein langwieriger Prozess und dauere oft Jahre.

Deshalb hält es Bruder Paulus für kontraproduktiv, dass Eisenbahn-Reiner vom Verein „Streetangels“ Isomatten und einen Bollerwagen, in dem er sein Hab und Gut lagern kann, bekommen hat. „Wenn sich der Sohn dafür entscheidet, auf der Straße zu wohnen, trägt ihm doch der Vater bestimmt nicht noch den Schlafsack hinterher“, kritisiert er. Mit solchen Aktionen stabilisiere man nur noch den Zustand und erschwere den Schritt zurück in ein bürgerliches Leben.

Eine Rückkehr in sein altes Leben schließt Reiner Schaad nicht aus. Er könne sich vorstellen, wieder in seinem Beruf als Gärtner zu arbeiten – im Moment jedoch noch nicht. Dass ihm Bruder Paulus die Scherereien eingebrockt hat, kommentiert er kurz und knapp: „Das finde ich richtig blöd.“

Unterdessen zeichnet sich aber eine Lösung ab, mit grünen Punkten ist nämlich gestern eine Fläche am Stammplatz von Eisenbahn-Reiner markiert worden. Angeblich soll er innerhalb der Markierung seine Eisenbahn wieder zeigen dürfen. Das deutet darauf hin, dass die Stadt ihm die Sondernutzungsgenehmigung erteilt.

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