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Auf dem Schild an der Mohren-Apotheke wurde das Logo mit der schwarzen Frau nicht verwendet. Von der Internetseite wurde es entfernt.

Rassismus-Vorwurf

Mohren-Apotheke entfernt Logo

Nach dem Rassismus-Vorwurf der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) hat die Inhaberin der Mohren-Apotheke in Eschersheim reagiert: Sie hat das Logo, das ein schwarze Frau zeigt, von ihrer Internetseite entfernt. Ihr Kollege von der „Zeil-Apotheke zum Mohren“ zeigt sich offen für die Debatte, die bundesweite für Aufmerksamkeit sorgt.

Erst aus der Zeitung hat Alexander Schwartz von dem Vorwurf erfahren, der Name seiner Apotheke „Zeil-Apotheke zum Mohren“ an der Konstablerwache könnte rassistisch sein. Die Kommunale Ausländervertretung (KAV) sieht das so. Sie würde die Bezeichnung „Mohr“ am liebsten verbannt sehen – bei der Apotheke von Schwartz ebenso wie bei der Mohren-Apotheke in Eschersheim. Dafür solle sich der Magistrat einsetzen, fordert die KAV mit einem Antrag von Virginia Wangare Greiner von der „Liste Afrikanische Stimme“ (siehe Interview). Das Wort „Mohr“ sei rassistisch, heißt es da, ebenso wie das klischeebehaftete Logo der Mohren-Apotheke.

Das Symbol, das eine schwarze Frau mit Turban und großen Ohrringen zeigte, hat Karin Schweizer inzwischen von der Internetseite ihrer Apotheke entfernt. Auch sie hat erst von dem Vorwurf erfahren, als Journalisten bei ihr anriefen, um sie dazu zu befragen. „Dass sich die KAV mit ihrem Anliegen nicht bei mir gemeldet hat, bevor sie den Antrag gestellt hat“, sagt Schweizer, „das kann ich nicht nachvollziehen.“ Schon lange trage ihre Apotheke, die in den 60er Jahren eröffnet wurde, diesen Namen.

Das Unverständnis teilt auch Schwartz. Er zog mit seiner Apotheke im Juli vergangenen Jahres in das Haus. Den Ausdruck „zum Mohren“ nahm er in den Namen auf, da er auch in steinerner Inschrift an der Fassade über dem Eingang steht. In dem schmalen Gebäude befand sich ehemals das Hotel „Zum Mohren“. Dass die Inschrift erhalten bleiben sollte, schrieb der Denkmalschutz Schwartz vor, als der das Haus restaurierte. „Ich habe mir dabei nichts gedacht, als ich es in den Namen aufnahm“, sagt Schwartz. „Schließlich kommt das Wort deutschlandweit bei über hundert Apotheken vor.“ Der Begriff komme von „Maure“, sagt er. Im Mittelalter sei die Medizin der islamischen Mauren fortschrittlicher gewesen. Deshalb hätten europäische Apotheken mit dem Wort für sich geworben.

Es erscheine ihm sinnlos, den Namen zu ändern, so lange der Ausdruck „zum Mohren“ noch an der Gebäudefassade steht. Die Forderung der KAV richtet sich aber auch darauf, die Inschrift entfernen zu lassen. Die Stadt müsse entscheiden, „ob die Menschenrechte nicht stärker wiegen als der Denkmalschutz.“ Im Denkmalamt sieht man das anders. Man werde auf keinen Fall zustimmen, sollte die Inschrift am Haus abgedeckt oder gar entfernt werden, sagte Amtsleiterin Andrea Hampel der Frankfurter Rundschau. Schließlich habe man den Begriff nicht rassistisch gemeint, als das Haus im Jahr 1900 gebaut wurde.

Inzwischen haben auch überregionale Medien wie die Tageszeitung „Die Welt“ das Thema aufgegriffen. Im Internet füllen sich deren Kommentarspalten mit Hohn gegen die KAV. Verständnis für die Namenskritik findet man hier kaum. Derweil bleibt die Debatte in Frankfurt sachlich. Die betroffenen Apotheker berichten lediglich von interessierten Nachfragen, Anfeindungen habe es keine gegeben. Eine Eschersheimerin, befragt vor der Mohren-Apotheke, atmet tief durch. „Keine leichte Frage“, sagt sie und überlegt. Schließlich sagt sie: „Den Namen könnte man mal ändern. Er ist ja schon negativ belastet.“ Eine andere Anwohnerin schaut vor der Apotheke überrascht nach oben zum Schild. „Ich laufe hier jeden Tag zwei Mal vorbei. Das ist mir noch nie aufgefallen.“ Sie hält die Beschwerde der KAV für übertrieben, kann sie aber nachvollziehen. Auch Schwartz sagt, dass er die Kritik nicht persönlich nehme. Zwar finde er den Namen seiner Apotheke nicht rassistisch. Er lasse sich mit Argumenten aber gern eines Besseren belehren. Auch wenn der Dialog mit der KAV etwas unglücklich begonnen hat.

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