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Wie hier im Hauptbahnhof führt die Frankfurter Polizei laut Walter Seubert überdurchschnittlich viele Kontrollen durch.

Kriminalität in Frankfurt

Montagsgesellschaft diskutiert über Milieus und Delikte im Bahnhofsviertel

Das Bahnhofsviertel ist super und Kriminalität in Frankfurt gar kein so großes Problem. Das war zumindest das Ergebnis, als die Montagsgesellschaft über Sicherheit diskutierte.

Fast konnte man den Eindruck bekommen, Bordelle und Drogensüchtige seien das Beste, das dem Bahnhofsviertel passieren konnte. So viel Liebe zum Stadtteil kam bei der Podiumsdiskussion der Montagsgesellschaft am Montag zum Tönen. „Wir wollen hier schließlich nicht verwestenden“, sagte Oscar Mahler. Der Bildhauer, der das Hammermuseum betreibt, ist Chronist des Bahnhofsviertels.

Eigentlich sollte es um die Frage gehen, ob Frankfurt tatsächlich die deutsche „Hauptstadt des Verbrechens“ sei. Doch da waren sich die Diskutanten sehr schnell einig. Sie ist es nicht. Frankfurt landete in den Kriminalstatistiken nur so häufig auf dem ersten Platz, weil diese schlecht konzipiert seien, sagte Walter Seubert. Er ist Vizepräsident der Frankfurter Polizei. Das Problem: Die Statistiken setzen die Zahl der Delikte ins Verhältnis zur Einwohnerzahl. Damit wird laut Seubert nicht berücksichtigt, dass Frankfurt durch die vielen Pendler und Messebesucher tagsüber zur Millionenstadt wird. Auch liege in anderen Städten mit einem großen Flughafen – etwa Leipzig oder München – dieser nicht im Stadtgebiet. In Frankfurt werden die Vergehen am Flughafen aber der Frankfurter Bürgerschaft zugerechnet und machen immerhin 18 Prozent aus.

Zuletzt kommt gemäß Seubert noch dazu, dass die Frankfurter Polizei öfter kontrolliert, als andere Dienststellen. Darum registriere man auch mehr Delikte. „Würde man diese Faktoren berücksichtigen, landet Frankfurt irgendwo zwischen dem sechsten und achten Platz“, sagte Seubert und erntete dafür Applaus.

Nachdem man sich also einig war, dass das eine tolle Leistung ist, kam das Thema auf das Bahnhofsviertel. Hier hat das Finanzunternehmen von Joern Herseth ein Büro in der Kaiserstraße und der Geschäftsführer fühlt sich pudelwohl. „Die meisten empfinden es so:“, sagte er, „die Bordelle geben dem Stadtteil seinen eigenen Charme, auch wenn das Gewerbe gar nicht so charmant ist.“ Auf jeden Fall sei in den vergangenen Jahren hier viel passiert. Bars und Restaurants sind entstanden, die „New-York-Times“ beschreibt das Viertel als hippen Ort, den man besuchen muss.

Zwar werden auch im Quartier die Mieten in den nächsten Jahren wohl noch steigen, sagte Mahler. Doch die Gentrifizierung habe ihre Grenzen, weil weder die Bordelle noch die Drogenhilfseinrichtungen und damit auch die Abhängigen aus dem Bahnhofsviertel verschwinden werden. Wie der Vizepräsident der Polizei bestätigte, wolle die Stadt diese nicht vertreiben, weil man nicht wüsste wohin und sie ja auch zum Stadtteil gehörten.

Nur Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, äußerte vorsichtig Unbehagen, wenn er etwa Menschen auf der Straße dealen sieht. Darum soll die B-Ebene am Bahnhof auch umgestaltet werden und die Kameras von 90 auf 200 aufgestockt werden. Eine Anwohnerin im Publikum, die ihre Liebe zum Bahnhofsviertel ihrem Kommentar vorausschickte, betonte, dass die Zahl der Verbrechen, nichts über die Sicherheit des Viertels aussage. Klar, gebe es Messerstechereien. Aber die Banden bekämpften sich nur untereinander. „Uns Normalos passiert dort eigentlich nichts.“ Mit Mahler war sie sich einig. Obdachlose oder Drogenabhängige; sie alle sind auch ein Teil unserer Stadt.

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