Stefan Pescheck liebt die Schauspielerei

Morgens Büro, abends Bühne

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Eigentlich könnte Stefan Pescheck ein ruhiges Leben führen. Sich auf den Bürojob und den Feierabend begrenzen. Aber das reicht ihm nicht.

Er sieht aus wie ein Fotomodel, aber er ist Schauspieler. Nun, gutes Aussehen hat auf der Bühne ja noch nie geschadet. Eigentlich ein Jammer, dass die Anrufer, die sich tagsüber bei Stefan Pescheck melden, ihn nicht sehen können: 32 Jahre, braun gebrannt, strahlende, blau-graue Augen, gewinnendes Lächeln, dunkelblondes Haar und Topfigur. Wer hier nun Feuer fängt, der muss enttäuscht werden. Stefan Pescheck ist in festen Händen. Die Anrufer am Tag hören nur seine Stimme und dann geht es um Behördliches, um erneuerbare Energien, Zuschussanträge und Solaranlagen. Stefan Pescheck arbeitet im Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle in Eschborn. Die Anrufer haben keine Ahnung vom – man kann schon sagen – zweiten Beruf Stefan Peschecks. Tagsüber ist er in der Behörde, abends steht er auf der Bühne. Gelernt hat er den Beruf des Fachangestellten für Bürokommunikation, das mache ihm auch Spaß, „aber eigentlich wollte ich schon immer Schauspieler werden. Das habe ich schon mit drei, vier Jahren gesagt“.

Als er ein Dreikäsehoch war, hat er an jedem Sonntag Theater gespielt, im Wohnzimmer zu Hause. Man kann sich gut vorstellen, wie das Sofa zur Bühne wurde. Die Stücke waren ganz variabel. Es gab das zu sehen, was der Knabe sich ausgedacht hatte – natürlich vor einem nicht ganz einfachen Publikum, das durch die regelmäßigen Vorstellungen ja nun auch schon über eine große Erfahrung verfügte und dessen Ansprüche wuchsen – vor der Familie. Keine Frage, dass Pescheck Mitglied der Schultheatergruppe wurde. Schließlich absolvierte er bei der Actors Company in Aschaffenburg nebenberuflich eine dreijährige Schauspielausbildung, legte Zwischen- und Abschlussprüfung ab. Die Ausbildung finanzierte er durch seinen Hauptberuf. „Ich habe einen tollen Arbeitgeber, der mir durch große Flexibilität all das ermöglicht“, lobt Pescheck.

Unter anderem Rollenstudium und Monologe-Verlauf, Sprech- und Spieltraining, Tai Chi, Stepptanz und natürlich Kamera-Acting standen auf dem Lehrplan. „Es ist etwas ganz anderes, ob man auf der Bühne agiert oder vor der Kamera, durch die einen Tausende sehen“, macht Pescheck klar. Er spielte in Shakespeares „Sommernachtstraum“, zelebrierte den erotischen Tanz der Salomé, war Harold in der Komödie „Harold und Maude“ und einer der jungen, knackigen Kerle in „Ladies Night“ im West Side Theater in Darmstadt. Mit dem Tourneetheater „Theatergastspiele Fürth“ ist er in Deutschland, der Schweiz und Österreich unterwegs. Dann spielt er Patrick, einen Jungen, der adoptiert werden soll. Und zwar von einem schwulen Pärchen. Das Pärchen wählt einen 1,5 Jahre alten Jungen, eben Patrick aus. Aber es stellt sich heraus, dass ein Kommafehler vorlag: Patrick ist schon 15, mitten in der Pubertät. Jetzt können die neuen Eltern sehen, wie sie mit ihm klarkommen. Solo zeigt Pescheck das Stück „Der Ansager einer

Stripteasenummer

gibt nicht auf“ von Bodo Kirchhoff regelmäßig im Comedytheater Theatrallalla von Bäppi la Belle im Frankfurter Nordend. Es geht um einen Conférencier, der vergeblich auf eine angekündigte Stripteasetänzerin wartet. Es muss auf jeden Fall gestrippt werden. Aber außer ihm ist niemand da . . . Aktuell spielt Pescheck auch in „Die Fledermaus“, von der es am kommenden Wochenende sogar eine besondere Vorstellung gibt (siehe Infobox). Insgesamt ist er zurzeit Mitwirkender in neun Stücken.

Pescheck gefällt an der Schauspielerei, „dass ich ganz andere Facetten von mir zeigen kann“. Die Auseinandersetzung gerade mit Charakterzügen, die einem erst einmal fremd zu sein scheinen, mache den Reiz aus: „

Dunkle Seiten

hat ja jeder.“ Und Pescheck kann auch sehr gut den Bösewicht spielen, auch wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen würde.

Die Schauspielerei zum Hauptberuf machen? „Natürlich wäre das ein Traum. Aber wenn man es nicht hauptberuflich macht, hat es auch Vorteile. Dann muss man nicht jede Rolle, jeden Auftrag annehmen. Und jetzt ist es so: Alles, was ich spiele, spiele ich unheimlich gerne.“ Lampenfieber ist immer ein wenig mit am Start. „Natürlich, fünf Minuten vorher geht es los“, lacht Pescheck. „Dann frage ich mich oft, was machst du hier überhaupt? Du könntest doch einfach nur schön im Büro arbeiten und ein ruhiges Leben führen. Aber dieser Gedanke ist sofort weg, sobald ich auf der Bühne stehe.“

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