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Lehramtsstudent Jan Christoph fährt jeden Freitag seine Lieblingsstrecke hin und her: mit der U 3 zwischen ?Südbahnhof? und ?Oberursel?.

Studenten-Nebenjob der VGF

Morgens denken, mittags lenken

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Für Studenten bietet die VGF einen besonderen Nebenjob: Das Verkehrsunternehmen sucht Bewerber, die sich zum U-Bahn-Fahrer ausbilden lassen. Der Lohn beträgt etwa zwölf Euro pro Stunde – plus Zuschläge.

„Wenn ich meinen Kommilitonen sage, dass ich U-Bahn fahre, lautet die Antwort meist: Du spinnst.“ Jan Christoph (24) ist einer von derzeit 14 „Studentenfahrern“ bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Es ist ein Job mit Verantwortung.

Seit August 2013 sitzt Christoph im Führerstand. Er und die anderen Studenten, die die Prüfung zum „Schienenfahrzeugführer“ bestanden haben, werden ausschließlich auf den Zügen der sogenannten A-Strecke eingesetzt (U 1, U 2, U 3 und U 8). Die VGF kann durch die relativ flexiblen Mitarbeiter Personallücken stopfen. Deswegen werden nun wieder Studenten gesucht, die Lust auf den ungewöhnlichen Nebenverdienst haben.

Für Jan Christoph beginnt der Arbeitstag am Nachmittag. „Ich starte um 14.28 Uhr am U-Bahnhof ,Heddernheim‘“, sagt er. Umgezogen ist er schon, hat die Dienstkleidung der VGF-Fahrer an. Es geht auf seine Lieblingsstrecke: Die U 3 pendelt zwischen „Südbahnhof“ und „Oberursel-Hohemark“. Eine Fahrt dauert 50 Minuten. „Es ist sehr abwechslungsreich, und man fährt auch mal durch die Natur“, sagt Jan Christoph.

U-Bahn fahren ist für Jan Christoph ein ganz besonderer Job. Wie viel er verdient, möchte er nicht sagen. Aber mit den Zuschlägen für Sonntags- und Nachtschichten könne er sich „einen gehobenen Lebensstandard mit eigener Wohnung leisten“. Ohne Bafög und ohne dass die Eltern zuschießen müssten.

Jan Christoph studiert Lehramt für Gymnasien. Deutsch und Geschichte sind seine Fächer. Mit Studentenjobs kennt er sich aus. „Zuvor war ich bei der Lufthansa, bin als Special Service Agent täglich 15 Kilometer im Flughafen herumgelaufen.“ Sein Job jetzt bei der VGF habe mehr mit „Köpfchen“ zu tun.

Die VGF habe sich auf die Bedürfnisse der Studenten eingestellt. Bezahlt wird nach tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden, und wie viele das sind, hänge auch von jedem selbst ab. Es gibt nur eine Einschränkung: Während des Semesters darf die Wochenarbeitszeit nicht höher liegen als 20 Stunden pro Woche. Sonst verlieren Studenten wie Jan Christoph ihren Status als Studenten. „Aber wenn man seine Veranstaltungen günstig legt, kann man zwei Schichten pro Woche fahren“, sagt er. Es sei unproblematisch, zu Beginn des Semesters zu sagen, wann man Zeit hat, und sich einteilen zu lassen. Beispielsweise eben freitags ab 14.28 Uhr. Für acht Stunden fährt Christoph dann vom Südbahnhof nach Oberursel, hin und her.

„Der Eindruck täuscht. Es wird nie langweilig“, sagt er. Man müsse auf alles achten: Auf den Verkehr, auf die Signale, auf die Fahrgäste. Christoph hat den Zug im Griff. Mehr als 4000 PS regelt er mit einer Hand. Drei Wagen sind bei den modernen Zügen aneinandergekoppelt, und jeder hat 1370 PS. Christoph sagt das, ohne mit der Wimper zu zucken. „Ich kenne die Daten halt.“

Er und die anderen 13 Studentenfahrer der VGF kennen sich untereinander. „Man sieht sich mal in den Sozialräumen“, sagt Christoph. „Es gibt einen Archäologen unter uns, es gibt Maschinenbauer, Studenten der Universität oder der Fachhochschulen in Frankfurt oder Wiesbaden.“ Gewisse charakterliche Voraussetzungen müsse man mitbringen, sagt Jan Christoph. „Ganz wichtig bei uns ist Disziplin. Wir müssen pünktlich sein.“

Christoph ist pünktlich. Eben kommt die U 3 aus Richtung Oberursel. Ein Kollege von ihm steigt aus dem Führerstand, kurzes Übergabegespräch, der Student steigt ein, und die U 3 fährt ab.

Wer mindestens 21 Jahre alt und im Besitz eines Führerscheins (Klasse B) ist, kann sich bis 30. Juni bei der VGF bewerben. Nach einer sechswöchigen Schulung vom 3. August bis 16. September müssen die Bewerber die Prüfung bestehen und können sich danach für U-Bahn-Fahrdienste einteilen lassen.

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