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Eines der beiden Ziele der "Medien-Tour" des Rates für Migration ist heute die Abu-Bakr-Moschee in Hausen.

Nach Medien-Tour

Frankfurter Moscheen werden mit den  Muslimbrüdern in Verbindung gebracht - Vorstände weisen Kritik zurück

Um den "deutschen Islam" kennenzulernen, organisiert der Mediendienst Integration in zwei Frankfurter Moscheen Besuche von Journalisten. Die Wahl stößt auf Kritik: Sie stünden den Muslimbrüdern nahe. Die Angegriffenen bestreiten dies.

Update, 8. Mai, 16:51 Uhr: Die Frankfurter Moscheen weisen die Vorwürfe zurück, sie würden den Muslimbrüdern nahe stehen. Selektiv und unfair sei es, wenn kritisiert werde, sie stünden den Muslimbrüdern nahe, wehren sich die Vorstände zweier Frankfurter Moscheen. Und verweisen bei einer Gesprächsrunde mit Journalisten auf das soziale Engagement ihrer Gemeinden.

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Erstmeldung, 6. Mai, 21:36 Uhr:  Frankfurt - Wie sieht ein "deutscher Islam" aus? Eine Frage, die heiß diskutiert wird. Heute will der bundesweit aktive und von Migrationsforschern getragene, unabhängige "Mediendienst Integration" das Thema Journalisten bei einer Medien-Tour in zwei Frankfurter Moscheen nahebringen.

Als Ziele sind die Moschee des Vereins Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS) im Gallus und die Abu-Bakr-Moschee in Hausen vorgesehen. Diese Auswahl kritisiert die Offenbacher Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall allerdings scharf.

Moschee in Frankfurt: Kaderschmiede besucht

Denn Mohamed Johari und Mohamed Seddadi, die für die Gemeinden an den Gesprächen teilnehmen, gehörten zum "Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft", sagt die Fachfrau. Beide hätten an einer "Kaderschulung" des "Europäischen Instituts für Humanwissenschaften" teilgenommen. Die Einrichtung in der Frankfurter Ostparkstraße nennt der hessische Verfassungsschutzbericht von 2017 eine "Kaderschmiede für Muslimbruderschaft-Funktionäre". Diese versuchten, "durch soziales Engagement und Bildungsangebote ihre Anhängerschaft zu erweitern".

Verfassungsschutz hält sich noch bedeckt

Während sich der Verfassungsschutz zur Abu-Bakr-Moschee auf Anfrage nicht äußert, sieht er beim Verein IIS "Bezüge zum Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland". Dieser stehe der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland" nahe, der hierzulande größten Organisation der Muslimbrüder. Letztere planten die "Errichtung eines weltumspannenden Gemeinwesens als Gottesstaat auf der Grundlage von Koran und Sunna".

Herrmann-Marschall fragt: Warum müsse man gerade solche Moscheen besuchen, die nicht die Vielfalt der Frankfurter Muslime repräsentieren? Besuche wären auch beim liberal-islamischen Bund, einer pakistanischen oder einer schiitischen Moschee möglich. Diese Kritik weist der in Berlin ansässige Mediendienst zurück: "Wir haben diese Moscheen ausgesucht, weil sie uns von verschiedenen Experten empfohlen wurden." Die IIS-Moschee sei die größte deutschsprachige Moscheegemeinde in Deutschland, was sie beim Thema "Was ist ein deutscher Islam?" interessant mache.

Abu-Bakr-Moschee: Sogar Bundespolizei als Gast

Die Abu-Bakr-Moschee gelte als schönste Moschee der Stadt und sei sehr gut besucht. Sie sei marokkanisch geprägt, der Imam komme aus dem Ausland, ebenso wie ein Teil des Geldes für den Bau. Beide stünden "für unterschiedliche Pole der Moscheenlandschaft, die wir abbilden wollen". Beide seien aber im interreligiösen Dialog aktiv und zudem Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Mitglied der Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums ist.

Sowohl Mohamed Johari wie auch Mohamed Seddadi distanzieren sich ausdrücklich von der Muslimbruderschaft. "Frau Herrmann-Marschall kennt unsere Arbeit gar nicht persönlich", sagt Seddadi. "Wir sind sehr offen, stehen auf dem Boden des Grundgesetzes, machen zahlreiche Führungen, selbst die Bundespolizei oder Lehrer kommen zu uns." Auch Johari verweist auf zahlreiche gemeinsame Projekte des IIS mit Frankfurter Institutionen und darauf, dass die Gemeinde 2016 den Nachbarschaftspreis des Frankfurter Programms Aktive Nachbarschaft erhielt. "In Zusammenarbeit mit dem Weltladen Bornheim erschien die Broschüre Fairtrade und Islam." Diese sei 2015 prämiert worden.

Das von Herrmann-Marschall kritisierte Seminar habe sich nicht um Politik oder Muslimbrüder gedreht. "Es war ein religionswissenschaftliches Seminar, in dem es um die Grundlagen der klassischen islamischen Normenfindung ging", erklärt Johari. Aus dem Seminarbesuch zu schließen, sie stünden den Muslimbrüdern nahe, sei so abwegig wie zu behaupten, jemand sei Antisemit, nur weil er Luther zitiere.

von Andreas Haupt

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