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Müll gesucht, Tigerschnegel gefunden

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Von: Sabine Schramek

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Aurelia (9) und Franziska (12) sind mit Eifer bei der Sache, was nicht nur Angelika Werum (l.) freut. FOTO: rainer rüffer
Aurelia (9) und Franziska (12) sind mit Eifer bei der Sache, was nicht nur Angelika Werum (l.) freut. © Rainer Rüffer

Frankfurter Kinder räumen riesige Streuobstwiese auf und machen tierische Entdeckungen

Ein Milan dreht hoch über der NABU-Streuobstwiese seine Kreise. Amelia (9) sieht ihm gespannt dabei zu. Sie liebt Tiere und Natur und war schon oft dabei, wenn die Naturschutzjugend im NABU Aktionen angeboten hat. "Ich war schon mit bei den Tieren im Wald", erzählt sie stolz. "Heute räumen wie die Wiese auf." Angelika Werum, die die Jugendgruppe leitet, hat schon eine Decke ausgebreitet, Äpfel und Wasser bereit gestellt und jede Menge Mülltüten, Handschuhe und Zangen von der FES. Gemeinsam mit Kerstin Hedrich vom BUND Frankfurt-Nord und den NAJU-Jugendleiterinnen Nora und Jacky wartet Amelia auf die anderen Kinder, die mitmachen wollen beim Müllsammeln auf der ein Hektar großen Fläche.

Autoreifen im Gebüsch

Weit hinten an den Brombeerhecken sind Eric Habach, der Urvater der Streuobstwiese, Andreas Glienke und Ingo vom NABU "mit den großen Müllteilen" beschäftigt. Sie sammeln Autoreifen aus den Gebüschen. Habach hat vor 10 Jahren alleine angefangen, sich um die Bäume und die Wiese zu kümmern. Weil die Arbeit alleine nicht zu stemmen ist, hat er sich mit dem NABU zusammengetan.

Amelia bekommt schnell Verstärkung von Marleen (7), Ava (10), Helene (9), Marla (10), Josie (8), Loy (6) und Franziska (12). Beim Kennenlernen achten sie kaum auf das laute Klopfen des Spechtes. Viel lieber wollen sie über die Wiese streifen und sehen, was sie finden. Wie man Müll trennt, wissen sie schon. "Batterien sind ganz gefährlich, Plastik und Zigarettenkippen auch", sagt Helene. Die Mädchen entdecken wie beim Ostereiersuchen alles, was nicht in die Natur gehört. Metallteile, lackierte Holzstücke, Papier, PET-Flaschen und Plastik stopfen sie stolz in ihre Mülltüten. Die Männer rufen ihnen zu, dass weiter hinten auf dem Gelände noch viel mehr sei. Die Kinder laufen los und staunen. Habach und Glienke haben eine riesige Dachpappe entdeckt, die wie festgewachsen auf dem Boden unter Gras liegt. Sie zerren und ziehen schwitzend an dem Teil, damit es sich langsam löst. "Schaut Mal, hier ist ein Tigerschnegel", ruft Ingo den Kleinen zu, die neugierig gucken kommen. So eine getigerte Nacktschnecke, die bis zu 20 Zentimeter lang werden kann, hat noch niemand von ihnen gesehen. Schnegel fressen kein Grünfutter, sondern abgestorbene Pflanzen, Pilze, Aas und Schnecken, die größer sind, als er selbst. Weil sie nachtaktiv sind, sieht man sie nur selten.

Eidechse im Winterschlaf

Als die Männer die Dachpappe weiter lupfen, raschelt es. Eine kleine Spitzmaus sitzt zitternd vor einem verschlossenen Mauseloch. Den Müll haben die Kinder erstmal vergessen. Überall krabbelt es. Asseln und Tausendfüßler flüchten vor dem Licht. Regenwürmer verbuddeln sich. Das Mäuschen zittert weiter. Nur ein Stück neben ihm liegt etwas Dunkles. Es sieht wie ein kleiner schwarzer Drachen aus. Es bewegt sich nicht. "Das ist eine Eidechse im Winterschlaf", erklärt Ingo geduldig, nachdem er das Wesen inspiziert hat. Alle wollen die Tiere retten. Angelika Werum führt die Spitzmaus vorsichtig in Richtung eines geöffneten Mauselochs, Amelia nimmt die Regenwürmer und setzt sie in die Wiese. Ingo hebt die Eidechse hoch, die einen orangenen Bauch hat, und findet eine neue Behausung im Unterholz für sie. Eine zweiter Tigerschnegel kriecht aus der Dachpappe. Er kommt in die Nähe des ersten ins Dunkle. Erst dann sammeln die Kinder weiter Müll. Ein Dutzend Mülltüten sind am Ende voll mit Dingen, die nichts in der Natur zu suchen haben und die Menschen achtlos und rücksichtslos einfach weggeworfen haben. Damit sich das ändert, kommt ein Schild an den Eingang der Streuobstwiese. "Müll mich nicht voll! Wir haben gerade aufgeräumt" steht darauf und ist umrahmt von grünen Blättern, Vögeln, einer Harke und einem Rechen und ganz vielen Pflanzen. Amelia denkt an die zitternde Spitzmaus und sagt. "Wenn da nicht die Dachpappe gelegen hätte, hätte sie heute nicht so viel Angst haben müssen. Man kann seinen Müll doch wegbringen, statt ihn einfach liegen zu lassen." SABINE SCHRAMEK

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