Hinterlassenschaften einer Partynacht: Übersät mit Müll war der Opernplatz am frühen Samstagmorgen, nachdem dort am Freitagabend wieder Tausende gefeiert und ihren Unrat wie so oft zuletzt einfach liegengelassen hatten.
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Hinterlassenschaften einer Partynacht: Übersät mit Müll war der Opernplatz am frühen Samstagmorgen, nachdem dort am Freitagabend wieder Tausende gefeiert und ihren Unrat wie so oft zuletzt einfach liegengelassen hatten.

Stadt erstickt im Dreck

Müll in Frankfurt: „Eine unglaubliche Schweinerei“

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Frankfurt erstickt im Dreck. Die Stadt will nun noch intensiver gegen Müllsünder vorgehen, hat unter anderem die Bußgelder stark erhöht. Und ruft einen alten Bekannten zu Hilfe.

  • In Frankfurt sorgt Müll in der Innenstadt für Diskussionen.
  • Ein alter Bekannter soll jetzt für mehr Ordnung sorgen.
  • Ordnungsdezernent Frank sorgt sich nicht nur um den Müll in Frankfurt.

Frankfurt - Jahre lang war er der oberste Saubermann der Stadt, nun ist er zurück: Peter Postleb. Weil die Stadt seit Beginn der Corona-Pandemie förmlich im Müll erstickt und sich die Verantwortlichen kaum noch zu helfen wissen, lassen sie sich nun von Postleb beraten. Zwölf Jahre lang, von 2001 bis 2013, leitete er die Stabsstelle Sauberes Frankfurt.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD): Sauberkeit fehlt in Frankfurt

„Es fehlt an Sauberkeit“, konstatierte Oberbürgermeister Peter Feldmann gestern bei einer Pressekonferenz. „Im Bahnhofsviertel war es schlimm.“ Jeder habe seinen Dreck einfach liegen lassen. Dabei gebe es in Frankfurt überall Abfallbehälter. „Wir haben ein Programm der 1000 Mülleimer. Meinetwegen können es noch einmal 1000 werden.“ Er forderte die Bürger auf, der Stadt heikle Stellen zu melden. Postleb berät nun den Oberbürgermeister ebenso wie die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). „Wir wollen eine nachhaltige Struktur aufbauen“, so Feldmann.

An Ordnungshütern mangele es nicht. „Am Osterwochenende haben mich die Bürger angerufen, weil es in der Stadt so viele Ordnungshüter gebe wie in Israel nach einem Terrorakt. Überall Polizei, die darauf achtete, dass die Leute nicht zu dicht aufeinander sitzen in den Parks“, erzählte Feldmann. Das zeige, wie leistungsfähig die Polizei sei. „Allerdings löst die Polizei keine pädagogischen Fragen.“ Und es sei eben auch eine Frage der Erziehung, seinen Dreck nicht überall fallen zu lassen.

Müll in Frankfurt eine Frage der Erziehung

Umweltdezernentin Heilig ist darüber stocksauer. Das sagte sie in der Pressekonferenz deutlich: „Mir stinkt‘s, wie die Grünflächen behandelt werden, wie es in der Stadt und auf den Plätzen aussieht. Die FES muss jeden Tag hinter den Leuten herräumen.“

Vor dem Lockdown, vor Corona, war Frankfurt Heiligs Einschätzung zufolge auf einem guten Weg. „Die FES war in den Grünanlagen, hat mit den Leuten gesprochen, die Partys veranstaltet haben, ist auf Verständnis gestoßen.“ Mittlerweile begegne den Saubermänner viel Aggressivität, so viel, dass sie sich in manchen Gegenden und auf manchen Festen von der Stadtpolizei begleiten lassen. Beispielsweise bei Patrouillengängen im Bahnhofsviertel. „Am Friedberger Platz wird die FES inzwischen angepöbelt, wenn sie um 22 Uhr saubermachen will“, berichtet Heilig.

30 Prozent mehr Müll in Frankfurt seit Corona

52,7 Millionen Euro, so die Umweltdezernentin, gebe die Stadt jährlich aus für die Straßenreinigung. „Seit Corona sind es 500 000 Euro mehr“, so Rosemarie Heilig. „Es gibt 30 Prozent mehr Müll in der Stadt seit Corona. Alleine die Kartonagen von Lebensmitteln haben um 50 Prozent zugenommen. Wir mussten die Kräfte verstärken. Es ist eine unglaubliche Schweinerei. Auf dem Opernplatz verhalten die Leute sich wie in der Disco. Das Abstandsgebot zählt nicht, und der Dreck wird auf den Boden geworfen.“

„Diejenigen, die sich im Bahnhofsviertel über den Müll aufregen, sind auf dem Opernplatz für die Vermüllung verantwortlich.“ In ihrem Alltag als Umweltdezernentin müsse sie sich fast nur noch um wilde Sperrmüllablagerungen kümmern - weil die Leute viel Zeit zum Renovieren hatten. „Auf meiner Fahrradfahrt nach Hause sehe ich immer mehr solcher Haufen.“ Heilig war eigenem Bekenntnis zufolge nie eine Freundin von „Law and Order“, nie für höhere Bußgelder. „Ich habe meine Meinung geändert und bin froh, dass Markus Frank da aktiv ist.“

Gereizte Stimmung wegen des Mülls in Frankfurt

Der Sicherheitsdezernent legte auch gleich los: „Statt 30 Euro kostet das Bußgeld in leichten Fällen jetzt 55 Euro, in schweren Fällen 300 Euro.“ Eine acht Mann starke Sondertruppe sei unterwegs, um in Zivil die Taten zu ermitteln, die Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen, damit dann die uniformierte Stadtpolizei kassieren kann. Es sind acht Mann in Zivil. Im Bahnhofsviertel oder am Opernplatz ist die Truppe - Zivile und Uniformierte - bis zu 15 Mann stark. Denn, so Frank: „Stuttgart kann überall passieren.“ Die Stimmung sei gereizt, es gebe mehr Aggression und Pöbeleien. „Es ist unsere Stadt, es sind unsere Plätze, Anlagen und Grünflächen. Wir müssen sie sauber halten. Wir machen uns auf den Weg. Es wird ein langer Weg“, so Frank. (Von Thomas J. Schmidt)

Randale auf dem Opernplatz Frankfurt: Mutmaßliche Corona-Party eskaliert. Es fliegen Flaschen und Mülltonnen und sogar die Polizei wird angegriffen.

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