Wärme, Wasser, Matthias Ranze. Eine gelbe Sonne auf blauem Grund ist das Markenzeichen des Installations- und Heizungsbau-Meisters aus der Maßbornstraße. Morgen wird der von seinem Urgroßvater gegründete Betrieb 100 Jahre alt.
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Wärme, Wasser, Matthias Ranze. Eine gelbe Sonne auf blauem Grund ist das Markenzeichen des Installations- und Heizungsbau-Meisters aus der Maßbornstraße. Morgen wird der von seinem Urgroßvater gegründete Betrieb 100 Jahre alt.

Harheim: Handwerk

Muffen und Rohre in vierter Generation

  • vonSabine Schramek
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Installationsbetrieb wird morgen 100 Jahre alt. Die Ansprüche der Kunden haben sich geändert.

Der 4. April 2021, also Ostersonntag, ist ein Tag, an dem Matthias Ranze ursprünglich richtig mit Kunden, Freunden und Kollegen feiern wollte. Seit 100 Jahren gibt es dann nämlich den Familienbetrieb, den er in vierter Generation führt und der seit 49 Jahren in Harheim ansässig ist. Der Name der Firma hat sich geändert. Die Leidenschaft für den Beruf ist geblieben.

Längere Auszeit

Wäre Matthias Ranze (41) Musiker, könnte er heute das Lied "100 Years" des amerikanischen Sängers und Songwriters "Five for Fighting" singen. Ranze ist allerdings kein Musiker, sondern Installations- und Heizungsbaumeister. Corona ist auch kein 5-Minuten-Platzverweis für ein Eishockey-Foul, wie der Name des Künstlers, sondern eine Pandemie bedingte längere Auszeit.

Vor genau 100 Jahren hat Ranzes Urgroßvater Georg Libbach mit 35 Jahren seine Spengler- und Installationsfirma in der Hanauer Landstraße eröffnet. Als Ranze sie in vierter Generation vor 17 Jahren übernahm, war er 24 Jahre jung. "Ich habe bei meinem Vater gelernt, dass hohe Qualität und gute, solide Arbeit das Wichtigste sind", sagt er. "Das führe ich auch jetzt weiter."

Die Firma, die bis 2004 "Georg Libbach" hieß, hat er bei der Übernahme in seinen Namen geändert. Sein Urgroßvater hatte viele Höhen und Tiefen erlebt. 1943 zog er mit seiner Werkstatt in die Allerheiligenstraße, wurde ausgebombt und zog in die Seilerstraße und wurde ein zweites Mal ausgebombt. Er verließ die Innenstadt und zog 1944 nach Berkersheim. Sein Enkelsohn Edgar Ranze wurde 1938 geboren und begann seine Lehre als Spengler und Installateur bei ihm 1953. Zehn Jahre später hatte auch er den Meister geschafft und übernahm 1971 gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard die Firma. Ein weiteres Jahrzehnt später führte er sie alleine weiter. "Ich habe schon als kleiner Junge gerne mit dabei", erzählt Matthias Ranze. "Ich bin da reingewachsen und es gehörte einfach dazu." Seine Mutter (76) nickt. "Mit acht Jahren hat er schon gesagt, dass er später das machen will, was Papa macht", sagt sie und lacht. "Gedrängt haben wir ihn nie, es gibt ja nichts Schlimmeres als unglückliche Menschen im Beruf."

Auch sie hat in der Firma mitgearbeitet. "Nur Hausfrau und Mutter, das wäre nichts für mich gewesen." Sie hat sich ums Büro und Telefon gekümmert. Vor drei Jahren ist ihr Mann gestorben. Ranze ist wie sein Vater früher viel unterwegs, um sich um Heizungen und Bäder zu kümmern. "Wir sorgen dafür, dass die Kunden es warm und warmes Wasser haben", sagt er und lächelt.

Das Bad als Wohlfühlraum

Geändert hat sich in den 100 Jahren vieles. "Heute ist es für die Leute wichtig, im Bad nicht nur Hygiene zu haben, sondern auch, sich dort wohl zu fühlen. Barrierefreie Duschen sind wichtig geworden. Nicht nur bei alten Menschen." Auch er hat eine, war nach einer Knie-Operation heilfroh." Hygiene und der Wunsch, zur Ruhe kommen zu können, seien besonders gefragt. Bäder als Erlebnis- und Wohlfühlraum ebenso. Dunkle Kammern sind längst hellen Räumen gewichen. Fliesenflächen werden seit Jahren immer weniger. Wände würden mehr verputzt und gestrichen. "Es gibt keine Grenzen. Fliesen für den Boden gibt es sogar in perfekter Holzoptik inklusive rutschhemmender Struktur.

Drei Gesellen und ein Lehrling

Mit drei Gesellen und einem Lehrling ist Ranze in und um Frankfurt unterwegs. "Manche Kunden sind uns seit 50 Jahren treu", sagt er. Das führt er auch auf die enge Zusammenarbeit und Absprachen mit Kollegen "für jedes Gewerk" zurück. "Fliesenleger, Elektrik - wir koordinieren alles so, dass die Arbeiten reibungslos und zeitnah ablaufen." Nur ein Problem ist geblieben. Der Fachkräftemangel. "Auf dem Markt gibt es einfach keine. Wir suchen sie. Gesellen für Baustellen und Kundendienstmonteure." Auch deshalb bildet er aus. "Ich brauche Leute, die gut und zuverlässig sind, mitdenken und flexibel für neue Aufgaben sind." Früher habe es mehr Lehrlinge als Ausbildungsstellen gegeben. Heute ist es umgekehrt. "Warum so wenig junge Leute eine Ausbildung machen wollen, verstehe ich nicht."

Ob sein Sohn Marius (10) oder seine Tochter Lena (6) ihrem Vater in fünfter Generation später nachfolgen wollen, ist noch offen. Ranze grinst. "Marius hat auf jeden Fall handwerkliches Geschick." Sabine Schramek

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