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Museum marsch! Wo die Feuerwehr zu Hause ist

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Von: Brigitte Degelmann

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Mit vollem Einsatz: Kassiererin Ursula Faller und der Vorsitzende Uwe Baumkötter.
Mit vollem Einsatz: Kassiererin Ursula Faller und der Vorsitzende Uwe Baumkötter. © hamerski

Ausstellung am Alten Flugplatz wartet wieder auf Besucher

Wenn diese Spritze sprechen könnte, hätte sie wohl viel zu erzählen. Von verheerenden Feuerkatastrophen, bei denen Frankfurter Feuerwehrleute mit ihrer Hilfe versuchten, die Flammen zu löschen. Vielleicht war sie auch bei jenem Großbrand im Einsatz, bei dem am 4. April 1894 in einem Wohnhaus in der Gutleutstraße acht Menschen ums Leben kamen. Sicher ist jedenfalls, dass dieses 1888 erbaute Gerät, das einst von zwei Pferden gezogen werden musste, die erste Dampfspritze in Diensten der Frankfurter Feuerwehr war.

Besonderes Exponat

Bis zum Jahr 1909 dürfte sie in der Hauptfeuerwache in der Münzgasse stationiert gewesen sein. Heute hingegen ist sie eines der Glanzstücke des Feuerwehrmuseums, das der Feuerwehr-Museumsverein Rhein-Main am Alten Flugplatz in Bonames betreibt.

Gut 6000 Exponate haben die Mitglieder hier zusammengetragen: von der Handdruckspritze aus dem Jahr 1892, die einst in der damals selbstständigen Gemeinde Hausen genutzt wurde, bis zum Sirenen-Lautsprecher-Anhänger aus dem Jahr 1965; vom Feuerwehr-Dienstrock aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Uniformen aus der jüngeren Vergangenheit; dazu etliche Feuerwehr-Ehrenzeichen, Orden, Löscheimer, Funktechnik, Strahl- und Schaumrohre sowie ein kompletter Opel-Blitz-Löschzug aus den späten 1950er-Jahren.

Neu hinzugekommen ist in den vergangenen Monaten eine Lafette aus der Zeit um 1880, versehen mit Vollgummireifen und einer motorisierten Pumpe. Früher sei sie in Laurenburg im Einsatz gewesen, erzählt der Vereinsvorsitzender Uwe Baumkötter. Insgesamt kann das Museum 14 Fahrzeuge, fünf Anhänger, drei Handkarren und acht Tragkraftspritzen vorweisen. Zum Beispiel ein blitzblank gewienertes Gefährt aus den frühen 1930er-Jahren: eine Überlandspritze, die zugleich Sitzplätze für zehn Feuerwehrleute bietet und deren Pumpe immerhin 1200 Liter pro Minute schafft.

Zwei Jahre blieben sie und die anderen Ausstellungsstücke hinter verschlossenen Türen. Wegen der Corona-Pandemie habe man das Museum ab Mitte März 2020 nicht mehr öffnen können, sagen Uwe Baumkötter und Kassiererin Ursula Faller. Die Hygieneauflagen des Gesundheitsamtes seien für den kleinen Verein, der knapp 50 Mitglieder zählt, nicht umsetzbar gewesen. "Dafür hätten wir jedes Mal vier bis sechs Leute gebraucht", rechnet der Vorsitzende vor. Umso erleichterter ist man nun darüber, dass aufgrund der gelockerten Vorgaben seit Anfang April endlich wieder Besucher eingelassen werden können. Schließlich finanziert sich die Einrichtung hauptsächlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und eben Eintrittsgelder.

Rücklagen gehen zur Neige

Die fehlenden Einnahmen in den vergangenen Monaten machten dem Verein schon zu schaffen, sagt Ursula Faller. 2500 bis 3000 Euro fallen pro Jahr für Steuern und Versicherungsbeiträge an, dazu kommen die Instandhaltungskosten. "Momentan leben wir von unseren Rücklagen, aber die gehen langsam zur Neige", seufzt die Kassiererin. "Und wir brauchen dringend neue Mitglieder."

Interesse an der Einrichtung gebe es nach wie vor. Als die Mitglieder in den ersten warmen Frühlingstagen öfters draußen an den Fahrzeugen werkelten, seien immer wieder Eltern mit Kindern auf sie zugekommen, um sich zu erkundigen, wann das Museum denn wieder offen sei, sagt Ursula Faller. Vor allem Familien unternähmen gerne einen Rundgang durch die Ausstellung, die einen Eindruck davon gibt, was für ein Knochenjob die Arbeit der Feuerwehrleute in früheren Jahrzehnten war. Für die Arbeit an der Hausener Handdruckspritze beispielsweise seien acht Männer notwendig gewesen, die gerade mal drei bis fünf Minuten lang durchhielten, bevor sie abgelöst werden mussten, verrät das daneben stehende Schild. Bis zu 300 Liter Wasser schaffte die Pumpe pro Minute. Die erste Frankfurter Dampfspritze brachte es hingegen auf die dreifache Menge. Zahlen, die heutigen Aktiven übrigens höchstens ein müdes Lächeln entlocken dürften. Große Werksfeuerwehren beispielsweise, erzählt Uwe Baumkötter, verfügten heute über Fahrzeuge mit einer Pumpenleistung von 12 000 Litern pro Minute. Aber auch diese könnten eines Tages vielleicht in dem Museum landen.

Brigitte Degelmann

Öffnungszeiten

Das Museum hat nun wieder jeden Sonntag von 9.30 bis 12.30 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Voraussichtlich am Sonntag, 11. September, findet außerdem ein Museumsfest statt.

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