1. Startseite
  2. Frankfurt

Musik für ein sehr buntes Publikum

Kommentare

Die Cellistin Sophie-Justine Herr und der Gitarrist Max Clouth veranstalten zusammen mit dem Kulturkeller Höchst drei Konzerte „Fluide Klänge“ auf der Terrasse des Dalberger Hauses an der Bolongarostraße 186.
Die Cellistin Sophie-Justine Herr und der Gitarrist Max Clouth veranstalten zusammen mit dem Kulturkeller Höchst drei Konzerte „Fluide Klänge“ auf der Terrasse des Dalberger Hauses an der Bolongarostraße 186. © Maik Reuß

Die Konzertreihe „Fluide Klänge“ lockt in den Hof des Kulturkellers Höchst.

Frankfurt. Schon im vergangenen Jahr überraschten die Cellistin Sophie-Justine Herr und der Gitarrist Max Clouth mit einer Reihe von interdisziplinären Konzerten, die sie im Zollgärtchen beim Höchster Geschichtsverein präsentierten. „Der hat einen ganz eigenen Charme, den wir sehr mochten“, erinnert sich Herr. „Wir haben da von einigen Menschen des Vereins tatkräftige Unterstützung erfahren.“ Nur in diesem Jahr habe der Zollgarten für die Veranstaltungen nicht zur Verfügung gestanden. „Wir mussten uns also auf die Suche nach einer neuen Location machen“, freut sich die Musikerin und Veranstalterin, dass sie nun in die Bolongarostraße einladen kann: in den Hof des Kulturkellers Höchst am Dalberger Haus. „Mit seinem malerischen Innenhof und seinen engagierten Inhabern Petra und Gerhard Klumpp ist er allerdings ein mehr als adäquater Ersatz“, fühlte sich Sophie-Justine Herr dort „mit offenen Armen“ empfangen.

„Der Ort ist in der Altstadt gelegen und ist nicht weit vom Bahnhof Höchst entfernt. Ein Katzensprung ist es zum Schloss und an den Main.“ Drei Termine gibt es, Start ist am Samstag, 10. Juni. Da treffen Rebecca Raimondi (Barockvioline) und Lorenzo Gabriele (Traversflöte) auf Tony Clark (Shakuhachi) und Miyoko Oshima (Koto). Zu hören gibt es dann Barockmusik auf historischen Instrumenten und japanische klassische Musik auf Flöte und Wölbbrettzither, denn das verbirgt sich hinter den japanischen Namen. Überschrieben ist der zweite Abend am 15. Juli mit dem Violonisten Adam Woodward und der Querflötistin Phoebe Bognár wie auch der dritte und letzte Termin am 22. Juli - dann spielen Sophie-Justine Herr (Cello), Tamar Halperin (Cembalo) und Max Clouth (Gitarre); Maria Kobzeva tanzt - mit „Fluide Klänge“. „Fluide Klänge entstehen für uns in der Nebeneinanderstellung von Musik, die auf den ersten Blick recht unterschiedlich ist. Nach und nach entdeckt man - so geht es uns jedenfalls - mehr und mehr Gemeinsames. Wir erhoffen uns, dass dadurch nicht nur in unseren Köpfen eine Art der Kommunikation entsteht, die stilistische Grenzen aufweicht, verschmelzen und eben fluide werden lässt“, erklärt Herr.

Neben dem europäisch klassischen Teil gibt es jeweils einen Konzertteil aus einem ganz anderen Genre: Pop, japanische Musik, Jazz. In Frankfurt sind solche übergreifenden Formate noch neu, in anderen Großstädten ist es völlig normal, dass man im Konzert erst Free Jazz und dann Techno hört. Das wollen wir hier auch etablieren“, ergänzt Clouth. Das Fluide nimmt Herr, die an der Grenze von Höchst zu Unterliederbach wohnt, gerade im Frankfurter Westen wahr: „Der Stadtteil ist kulturell vielfältig, was man zum Beispiel anhand einzelner Geschäfte bemerkt. Wie überall spiegelt das Stadtbild die Gesellschaft wider, durch die es geprägt wird. Und die Gesellschaft verändert sich je nachdem, was auf der Welt passiert. Das finde ich, wenn auch langsam fließend, auch extrem fluide.“

Schon während der Corona-Pandemie luden Herr und Clouth zu stilistisch breitgefächerte Konzerte wie die „Nachbarschaftsmusik“ oder den „Musiklieferdienst“ mit der Kammerphilharmonie Frankfurt - auch in Höchst. „Die Begeisterung war groß, es bildete sich schnell ein Stamm an Publikum. Um diese Energie nach der Pandemie aufrecht zu erhalten, wollten wir den Leuten weiterhin gute Musik bieten und den Rahmen trotz der gewohnten Ungezwungenheit professionalisieren“, sagt die Cellistin. Für Clouth war es interessant zu beobachten, wer zu den Konzerten kam. „Uns war es wichtig, ein Format zu finden, das niedrigschwellig ist und möglichst vielen verschiedenen Menschen etwas bietet“, sagt er. „Viele sind aus dem Umland gekommen, was für uns eine wichtige Rückmeldung war. Es ist interessant, welche Menschen welche Musik anspricht, und auch je nachdem, wie die Ankündigungen und die Werbung präsentiert sind. Herausgekommen ist ein sehr buntes Publikum. Das wird dieses Jahr bestimmt wieder so, hoffentlich mit etwas mehr gemütlichem Verweilen und Quatschen nach dem letzten Konzert.“

Detlef Kinsler

Auch interessant

Kommentare