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Musikalisch gibt er den Ton an

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Von: Gernot Gottwals

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Peter Reulein strahlt an seinem Lieblingsort.
Peter Reulein strahlt an seinem Lieblingsort. © Salome Roessler

Als Frankfurter Bezirkskantor und Kirchenmusiker der Liebfrauenkirche feiert Peter Reulein sein 25-jähriges Dienstjubiläum im Bistum Limburg. Seine Karriere begann einst im Riederwald.

. „Eine Klavierlehrerin in der Nachbarschaft weckte mein erstes Musikinteresse“, erinnert sich Peter Reulein. Doch die Klavierstunden sollten ihm bald nicht mehr reichen. „In der Heilig-Geist-Kirche im Riederwald entdeckte ich dann die Vielfalt der Kirchenmusik und lernte mit elf Jahren Orgel beim späteren Domkapellmeister Hans-Otto Jacob.“ Die Vielfalt prägt auch heute seine Arbeit: Er leitet das Organistenteam und mehrere Musikgruppen an der Liebfrauenkirche, komponiert ein neues Oratorium und gestaltet die Gottesdienste der Katholischen Stadtkirche Frankfurt, für die er zum Karlsamt mit Lutz Riehl das neue Caroluslied geschrieben hat.

Selbstgebaute Harfe

„Mit der Musik verhält es sich wie mit der Sprache. Man braucht immer wieder neue Ausdrucksformen und Instrumente, die sich aber dank gewisser Verwandtschaften gut lernen und spielen lassen“, sagt Reulein. Dabei stimmt er im Kapuzinerkeller des Liebfrauenklosters ein paar irische Folk-Klänge auf seiner selbstgebauten Harfe an. Hier begleitet er die ein oder andere Gemeindefeier und probt mit den „Cappuccinis“, einem jungen Erwachsenenchor für neue geistliche Lieder und Gospels. Die Liebfrauenkirche verdankt seiner Mitwirkung ihre moderne stimmungsvoll beleuchtete Orgel, die er zusammen mit fünf weiteren Organisten zu den täglichen Messen und Mittagsgebeten spielt.

Im Dom tragen vor allem die großen Stadtgottesdienste seine musikalische Handschrift, zu denen neben dem Karlsamt auch das Bartholomäusfest im August gehört. „Hier ist es wichtig, die traditionellen Liturgien immer wieder um aktuelle Musikbeiträge zu ergänzen, die auch etwas schwierige Figuren wie Karl den Großen neu beleuchten“, betont Reulein. Dieses Jahr stellt er sich zwei neuen Herausforderungen: Der Uraufführung des Franziskanischen Magnificat „Laudato si’“ zum 50-jährigen Jubiläum des Referats Kirchenmusik im Bistum Limburg und der Uraufführung des Oratoriums „Sternstunden“ am 17. Dezember in der Liebfrauenkirche.

Das Oratorium ist ein neues Advents- und Weihnachtsstück für Soli, Chor und Orchester, das noch im Entstehen ist. Den Text dazu hat Lutz Riehl geschrieben, Reulein arbeitet gerade an der Umsetzung. Zunächst im stillen Kämmerlein mit dreierlei Tastaturen. „Dort habe ich ein Klavier und ein Keyboard zum Einspielen und einen Computer zum Eintippen der fertigen Version.“ Früher habe man das fertige Oratorium im inneren Ohr Note für Note niedergeschrieben, heute könne man wie beim Schreiben von Texten mehrere Versionen klanglich ausprobieren. Erst wenige Monate vor der Aufführung beginnen die Proben. Dann muss sich das Vocalensemble Liebfrauen schnell in das neue Stück einfinden, wozu einige Erfahrung und Notenkenntnis hilfreich sind.

In Paris studiert

Eigentlich, so erinnert sich Reulein, sei er nicht in eine besonders musikalische Familie hineingeboren worden. Doch nach den Erfahrungen in der Heilig-Geist-Kirche wusste er eigentlich schon als Jugendlicher, dass die Kirchenmusik seine Berufung ist. Er studierte an der Frankfurter Musikhochschule und absolvierte anschließend ein Aufbaustudium in Orgelimprovisation bei Professor Daniel Roth in Paris. Mit Orgelimprovisationen gewann er auch mehrere nationale und internationale Preise.

Einem glücklichen Umstand verdankt es Peter Reulein, dass er 1991 wiederum an die Heilig-Geist-Kirche als Kirchenmusiker berufen wurde. Im Jahr 2000 trat er seine Stelle als Kirchenmusiker an Liebfrauen an, seit 2002 ist er Lehrbeauftragter für liturgisches Orgelspiel und Improvisation an der Frankfurter Musikhochschule. Als Bezirkskantor ist er seit 2011 auch zuständig für die Ausbildung neuer Kantoren und Organisten.

„Eigentlich bin ich gar nicht viel herumgekommen und dort geblieben, wo ich auch herstamme“, räumt Reulein ein. Doch er hat hier sein kreatives Umfeld gefunden, das ihn bereits vor zwei Jahren zusammen mit Eugen Eckert zu einem Pfingstoratorium „Feuerzungen“ inspirierte. Doch dass er selbst auch eigene Stücke komponiert und mit Anleitung ein Instrument bauen kann, möchte er nicht besonders hochhängen. „Ich bin Kirchenmusiker, damit verdiene ich mein Brot und das füllt mich aus“, stellt er zufrieden fest. Und richtet dabei seinen Dank auch an die evangelische Kirche, die mit vielen Impulsen und Komponisten wie Bach die Kirchenmusik über Jahrhunderte maßgeblich bereicherte.

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