Ein Klavierduett macht Spaß: Doch die Frankfurter Musikschule muss voraussichtlich ihren Standort in der Villa Textor aufgeben. foto: Enrico sauda
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Ein Klavierduett macht Spaß: Doch die Frankfurter Musikschule muss voraussichtlich ihren Standort in der Villa Textor aufgeben.

Villa Textor

Musikschule in der Villa ist bald obdachlos: Leiter verzweifelt – „Stadt steht nicht hinter uns“

  • vonStefanie Wehr
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Die Musikschule Frankfurt in Sachsenhausen könnte ab Sommer obdachlos sein: Die Räume in der Villa Textor werden für den Regelunterricht gebraucht.

Frankfurt - Mathias Metzner ist verzweifelt. Der Leiter der Region Süd-Mitte der Musikschule Frankfurt weiß nicht, wo ab Sommer die musikalische Früherziehung (16 Kurse) und die Klavier-, Geigen-, Cello-, Gitarren- und Flötenkurse für gut 250 Sachsenhäuser Kinder stattfinden sollen. Denn die Räume in der Villa Textor am alten Standort der Textorschule werden gebraucht.

Sowohl die IGS Süd, die in der alten Textorschule untergebracht ist, als auch die Textorschule in Frankfurt an ihrem neuen Standort an der Oppenheimer Landstraße in Frankfurt platzen aus allen Nähten. Die Textorschule hat Anrecht auf die Nutzung von Räumen an ihrem alten Standort. Währenddessen steht die frühere Wallschule leer und wartet auf ihre Sanierung.

Wer ab dem neuen Schuljahr 2021/22 die vier Zimmer in der Villa Textor nutzen wird, ist indes unklar. Klare Informationen haben nicht mal die Schulen selbst. Metzners Information, dass die Musikschule aus dem alten Hausmeisterhäuschen raus muss, weil die IGS die Räume braucht, kann die stellvertretende Schulleiterin der IGS Süd, Silke Henningsen, so auf Anfrage nicht bestätigen: „Wir wissen nicht, welche Schule die Räume in der Villa Textor nutzen wird. Fest steht: Wir haben große Raumnot“, sagt sie.

Musikschule Frankfurt erhält Unterstützung von Ortsbeirat 5

Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) nahm sich des Problems schon im November an und verabschiedete einen Antrag, nachdem der Kinderbeauftragte Armin Strobel auf die Situation aufmerksam gemacht hatte. Die Antwort der Stadt Frankfurt fiel dünn aus. „Die Überlassung von Unterrichtsräumen erfolgt in direkter Abstimmung zwischen der Musikschule und den jeweiligen Schulleitungen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Magistrats. Der Regelschulunterricht habe Priorität vor Zusatzangeboten am Nachmittag.

Mit diesen Ungewissheiten will sich Metzner nicht abfinden: Auch die Musikschule sei schließlich von der Stadt gewollt und werde ja auch von ihr finanziert. Ohne sie gäbe es keine Kooperationen für Musikunterricht im Ganztag. „Keine private Musikschule mit Honorarkräften kann das leisten, was wir bieten. Aber trotzdem steht die Stadt nicht hinter uns“, bedauert Metzner.

Andere Räume außerhalb der Schulen zu finden, sei in Sachsenhausen äußerst schwierig. Sämtliche Kirchengemeinden habe er schon abgeklappert - ohne Erfolg. Die Musikschule Frankfurt braucht mehrere Räume an fünf Nachmittagen.

Unterricht der Musikschule Frankfurt findet an zahlreichen Schulen verteilt statt

Das Gute an der Villa Textor ist, dass sie über vier separate Räume plus Küche verfügt. Was fehlt, ist einzig ein größerer Raum, wo Aufführungen stattfinden können. Ideal in dieser Hinsicht ist für die Musikschule Frankfurt ihr Standort im Niederräder Raum für Kultur im Mainfeld, wo ein großer Raum mit Bühne zur Verfügung steht.

Ansonsten findet der Unterricht im Frankfurter Süden auf zahlreiche Schulen verteilt statt. In Sachsenhausen ist die Villa Textor die größte Außenstelle, die Räume muss sich die Musikschule mit niemandem teilen. Und sie liegt unschlagbar zentral in Sachsenhausen-Nord. „Wir brauchen einen solchen Standort in Sachsenhausen. Wir würden auch Räume mieten, aber wir finden keine“, bedauert Metzner. Denn die Bedingungen seien auch seit Corona verschärft: Geld sei wenig vorhanden.

Bildungsdezernentin von Frankfurt setzt sich für Musikschule ein

Metzner könnte sich zum Beispiel den Paradieshof als Standort gut vorstellen. Doch bis die Stadt Frankfurt weiß, was sie mit dem Gebäude macht, werden Jahre ins Land gehen. Und genau die gilt es zu überbrücken, sobald die IGS Süd an ihrem Interimsstandort am Mühlberg unterkommt und die Holbeinschule und frühere Textorschule saniert werden, um der IGS ein endgültiges Domizil zu bieten. „Ob wir dort mit eingeplant sind, wissen wir nicht“, sagt Metzner.

Die Bildungsdezernentin von Frankfurt Sylvia Weber (SPD) setze sich für die Musikschule ein, könne aber nicht genug ausrichten, wenn es um neue Räume gehe. Deren Referentin Jetta Lüdecke sagt auf Anfrage: „Wir kümmern uns um ausreichende Räumlichkeiten für die Musikschule.“

Musikschule Frankfurt kann sich Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt vorstellen

Das klinge schon mal gut. Von seiner vorigen Arbeitsstelle bei der Hamburger Musikschule aber kennt Metzner einen stärkeren Rückenwind für die Musikpädagogik. „Dort hat die Musikschule einen ganz anderen Stellenwert. Das hängt auch mit dem Bau der Elbphilharmonie zusammen.“ Metzner kann sich auch in Frankfurt eine Zusammenarbeit mit der Oper gut vorstellen. Es gehe darum, durch kontinuierliche Arbeit nach Möglichkeit an festen Standorten mehr und mehr Kinder zu erreichen. „Was dazu aber in Frankfurt fehlt, sind Politiker mit einer Vision für kulturelle Bildung“, findet der Regionalleiter.

Der Vorteil einer städtischen Musikschule sei der, dass der Unterricht für jedermann bezahlbar sei. In Frankfurt kommen zusätzlich alle Grundschulkinder im Ganztag in den Genuss des Musikunterrichts am Nachmittag. (Stefanie Wehr)

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