Chantal und Karim, direkt nach der Chemotherapie, mit ihren Kindern Jamila (1) und Eliam (3). Jetzt ist klar: Nur eine Stammzellenspende kann die junge Frau retten.
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Chantal und Karim, direkt nach der Chemotherapie, mit ihren Kindern Jamila (1) und Eliam (3). Jetzt ist klar: Nur eine Stammzellenspende kann die junge Frau retten.

„Liebe meines Lebens“

Mutter aus Frankfurt kämpft ums Überleben: Familie sucht dringend Stammzellenspende

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Die Kinder Jamila (1) und Eliam (3) sowie Vater Karim zittern: Mutter Chantal aus Frankfurt kann nur mit einer Stammzellenspende weiterleben.

Frankfurt – Im Mai reißt die Diagnose „akute Leukämie“ die junge Mutter Chantal und ihre Familie in Frankfurt aus dem Leben. Nach Wochen voller Schmerzen und Unsicherheit folgen die erste Chemotherapie und monatelange Isolation von ihren Kindern. Nach drei Chemo-Blöcken sieht es so aus, als ob der Krebs gut auf die Therapie anspricht. Doch seit wenigen Tagen weiß Chantal, dass sie nur eine Stammzellenspende retten kann.

Chantal und Karim - zwei starke, herzliche Menschen, eine große Liebe; ihr größtes Glück - ihre beiden Kinder Jamila (1) und Eliam (3). Chantal arbeitet in der ambulanten Pflege, ist aber gerade in Elternzeit; Karim arbeitet bei einem großen Gesundheitskonzern. „Mein Hobby ist das Glück meiner Familie“, sagt Chantal. Jede freie Minute sind sie und Karim mit den Kindern unterwegs, gehen schwimmen, besuchen Spielplätze oder ihre Familien. Die Großeltern sind ganz vernarrt in den Nachwuchs. Familienzusammenhalt wird bei allen großgeschrieben. Einer passt auf den anderen auf. Und einmal im Jahr fahren alle zusammen in den Urlaub. Eine rundum glückliche Familie. Doch plötzlich war alles anders.

Frau aus Frankfurt kämpft gegen Krebs: Plötzlich kamen die Knochenschmerzen

Erst litt die junge Mutter aus Frankfurt plötzlich unter extremen Knochenschmerzen. Der ganze Körper tat ihr weh. Als dann ihr Zahnfleisch anschwoll und blau wurde, suchte sie ihre Hausärztin auf. Weil Chantal schon seit geraumer Zeit unter Eisenmangel leidet, sah die Ärztin darin mögliche Ursachen; es könnte sich aber auch um den Anfang einer Grippe handeln. Also Medikamente. Am gleichen Abend kam ihre Tante zu Besuch und sah Chantal weinend vor Schmerzen im Bett liegen. Ein ungutes Gefühl beschlich sie. Da sie als Krankenschwester arbeitet, nahm sie ihr kurzerhand Blut ab, ließ es im Labor untersuchen und dann der Schock: Die zweifache Mutter hat Blutkrebs.

Bereits am nächsten Tag kam sie in die Frankfurter Uniklinik. Unzählige Untersuchungen folgen, die Diagnose wird noch einmal bestätigt. Sofort wird mit der Chemotherapie begonnen, Wochen der Übelkeit und Fieberschübe folgen. Die Therapien rauben der jungen Frau alle Kräfte. Jetzt ist klar, dass nur eine Stammzelltransplantation ihr Leben retten kann. Keine ihrer fünf Geschwister kommt als Spender in Frage. Ein weiterer Schock, denn nun ist Chantal auf fremde Hilfe angewiesen.

Mutter aus Frankfurt sucht Stammzellenspender: Unglaublicher Familienzusammenhalt

„Ich weiß noch den Moment, als ich die Diagnose bekam. Es klingelte, meine Tante stand weinend vor der Tür, da wusste ich sofort, dass etwas ganz Schreckliches passiert ist. Als sie mir sagte, dass ich Blutkrebs hätte, haben wir nur noch geheult. Ich habe sofort meine Eltern und Karim angerufen. In kürzester Zeit waren alle da. Meine fünf Geschwister, Eltern, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen - alle. Das Wohnzimmer war voll, alle haben mich umarmt und mir jede Unterstützung versprochen. Dieser unglaubliche Zusammenhalt stärkt mich bis heute. Im ersten Moment habe ich die Tragweite gar nicht begriffen. Der Kopf hat zwar alles verstanden, aber der Bauch kam einfach nicht hinterher. Zu groß war der Schock“, erinnert sich Chantal.

Karim und Chantals Mutter wechseln sich mit der Betreuung der Kinder ab. Karim arbeitet, dann übernimmt er die Kinder, abends telefoniert er lange mit seiner kranken Frau. Die einzige Möglichkeit, mit ihr in Kontakt zu sein. Denn Chantal darf keinen Besuch empfangen. Zu groß ist die Gefahr, dass ihr extrem schwaches Immunsystem zusammenbricht. Wochenlang hat sie ihre Kinder nicht gesehen. Das zerreißt ihr das Herz. Über Fotos, Telefonate, Chat-Nachrichten und Videos versucht sie, am Leben der Familie teilzunehmen. Jeden Abend telefoniert sie auch mit Eliam, bevor er ins Bett geht, und auch wenn Jamila noch nicht sprechen kann, kann sie doch die Stimme ihrer Mama hören.

So kann man helfen

Wer gesund ist und zwischen 17 und 55 Jahre alt, kann Chantal und anderen Patienten helfen und sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de/chantal die Registrierungs-Unterlagen nach Hause bestellen. Die Registrierung geht einfach und schnell. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Denn erst wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt worden sind, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung.

Für die Neuaufnahme jedes Spenders entstehen DKMS Kosten in Höhe von 35 Euro. Das DKMS-Spendenkonto hat die IBAN DE94 7004 0060 8987 0002 39, Verwendungszweck: CRF 0001 Chantal

Stammzellenspender für Mutter aus Frankfurt: Genetischer Zwilling wird gesucht

Chantal kämpft wie eine Löwin. „Mein erster Gedanke war: Ich muss jetzt funktionieren. Da ich selber in der ambulanten Pflege arbeite, weiß ich genau, was noch alles auf mich zukommt. Aber ich schaffe das. Ich habe mir einen nötigen Schutz aufgebaut, der mich stark hält. Ich glaube, erst wenn ich es geschafft habe, kann ich loslassen. Aber bis dahin muss ich stark bleiben. Genauso wie Karim, auf den ich so stolz bin, dass er plötzlich alles alleine managt und mir so die Möglichkeit gibt, mich voll auf die Therapie zu konzentrieren. Und genau wie meine Mama, die trotz ihrer Angst um mich stark bleibt, immer da ist und hilft, wo sie kann. Sie hat mir das Urvertrauen geschenkt, das ich jetzt so dringend brauche. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.“

Doch alleine kann Chantal den Kampf nicht gewinnen. Sie kann nur überleben, wenn es - irgendwo auf der Welt - einen Menschen mit nahezu gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellenspende bereit ist. Um in dieser schwierigen Situation nicht tatenlos zu bleiben und die Suche nach einem „genetischen Zwilling“ für Chantal aktiv zu unterstützen, ruft ihre Familie gemeinsam mit der DKMS dazu auf, sich als potenzieller Stammzellspender registrieren zu lassen. Karim hofft auf große Anteilnahme: „Chantal ist die Liebe meines Lebens. Und sie ist die großartigste Mama für unsere Kinder, die wir uns nur wünschen können. Ihr Herz muss weiterschlagen.“ Ein Leben ohne sie sei unvorstellbar. Deshalb bittet die Familie alle, sich registrieren zu lassen. (Holger Vonhof)

Vergangene Woche rief auch die Familie einer 5-Jährigen aus Hattersheim bei Frankfurt auf, sich für eine Stammzellenspende registrieren zu lassen.

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