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Verschlungene Wege und viele Rolltreppen kommen bei den Kunden im MyZeil nicht so gut an. Deswegen wurden jetzt neue Rolltreppen eingebaut, mit denen die Kunden schneller und auf direktem Weg ihr Ziel erreichen können.

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MyZeil setzt auf ein neues Konzept - Restaurants, Bars und Kino sollen Besucher locken

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Morgen vor zehn Jahren wurde das MyZeil im Herzen der Stadt eröffnet. Die außergewöhnliche Architektur macht das Gebäude zum Hingucker und Anziehungspunkt. Dafür laufen die Geschäfte aber nicht so rund. Die Betreibergesellschaft ECE stellt jetzt die Weichen neu.

Fotomotive bietet Frankfurt zur Genüge: Römer, Alte Oper, Bulle & Bär, Dom, Euro-Zeichen und natürlich die Skyline. Trotz der großen Konkurrenz schafft es das vom italienischen Star-Architekten Massimiliano Fuksas geplante Einkaufszentrum MyZeil in die Top Ten der Liste der „most instagrammable places“ in Frankfurt – also die Liste der zehn Orte in der Stadt, von denen auf der Social-Media-Plattform Instagram die meisten Bilder gepostet werden.

„Natürlich fährt keiner aus Korea wegen des MyZeil hierher“, sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus & Congress GmbH. Aber er glaubt, dass die ebenso außergewöhnliche wie umstrittene Architektur mit riesigem Loch in der Fassade, der trichterförmigen Röhre im Gebäudeinneren und den Dachflächen aus Glas Gäste in die Stadt lockt. „Architektur zieht. Ich finde es klasse, dass es so etwas hier gibt“, führt Feda aus.

Bei der Eröffnung des Einkaufszentrums am 26. Februar 2009 hatte die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gar von einem neuen „Wahrzeichen“ für die Stadt geschwärmt. Rund 100 000 Neugierige wollten das Gebäude erkunden und mit der mit 47 Metern längsten innenliegenden, freitragenden Rolltreppe Europas nach oben gleiten. Bilder der Eröffnung schafften es in die überregionalen Nachrichten, auch das „Heute Journal“ hatte berichtet.

Viele Leerstände im MyZeil

Doch die schöne neue Einkaufswelt, die der niederländische Investor MAB Baufonds auf dem ehemaligen Gelände der Hauptpost geschaffen hatte, hatte von Anfang an ihre Makel. Trotz einiger Zugpferde wie Hollister, North Face oder Saturn liefen die Geschäfte in vielen der rund 100 Shops nie ganz rund. 

Bis heute hat der Betreiber mit Leerständen zu kämpfen. Laut Centermanager Marcus Schwartz ist das eine Folge des sich wandelnden Einkaufsverhaltens. „Viele bestellen eben im Internet. Und wer in die Stadt geht, will etwas erleben.“ Deshalb verpasse man dem Einkaufszentrum nun ein neues Konzept und ein frisches Kleid. Dafür investiert ECE 70 Millionen Euro, der Umbau begann im März 2017.

Frankfurt MyZeil: Wir wollen Marktplatz und Schaufenster in der Stadt sein

Ohne die entsprechende Gastronomie funktionieren Einkaufszentren nicht mehr. Kunden wollen nach dem Einkaufen etwas essen, trinken und sich unterhalten, also sich amüsieren. Das alles bietet künftig „Foodtopia“ in der vierten Etage. Restaurants und Bars unterschiedlicher Größen servieren, was das Herz begehrt. „Entertainment“ bietet die Astor-Film-Lounge in fünf Kinosälen mit insgesamt 500 Plätzen. Und es gibt eine Bühne. Dort sind Konzerte, Lesungen, Präsentationen von Vereinen, Museen oder Kochkurse geplant. Auf einer Leinwand laufen zudem Sportereignisse wie Fußballspiele oder Super Bowl.

„Wir wollen Marktplatz und Schaufenster in die Stadt zugleich sein“, sagt Schwartz, der das MyZeil mit seinen vielen in- und ausländischen Gästen als eine Art „zweite Touristen-Information“ sieht. Und deshalb soll es Tipps und Infos über das, was in Frankfurt geboten wird, an einem „Concierge-Desk“ geben.

Auf die drei Terrassen mit Sitzgelegenheiten im Freien freut sich Schwartz besonders. In Kombination mit einer neuen Belüftungsanlage und einer wärmeisolierenden Folie, die auf alle Glasflächen geklebt werde, könne die Raumtemperatur endlich geregelt werden. Früher sei es im Sommer sehr warm gewesen. „Die Terrassen sorgen künftig für Durchzug“, sagt Schwartz.

Baugenehmigung für Renovierung fehlt noch

Auch die Fassade wird neu gestaltet. Durch schlichte Schwarz-Weiß-Töne wirkt sie aufgeräumter und ruhiger als bisher. Ob sie jedoch bis zur Eröffnung am 11. April fertig wird, ist ungewiss. „Wir warten noch auf die Baugenehmigung“, sagt Schwartz. Er rechnet mit sechs Wochen Umbauzeit. Die neue Schlichtheit setzt sich im Gebäudeinneren fort, auch die Geschäftsschilder sind künftig schwarz-weiß. Ansonsten dominieren Gold- und Naturtöne, so werden beispielsweise Holzfliesen als Bodenbelag verlegt. 

„So wirkt alles klassischer und luxuriöser“, sagt Schwartz. Zur gehobenen Kategorie zählt der Centermanager übrigens auch die neuen Toiletten im vierten Stock, die zudem deutlich besser ausgeschildert sein werden als bislang.

MyZeil ist deutschlandweit mit dabei

Frankfurts Einzelhandelschef Joachim Stoll hält das eingeschlagene Konzept mit einer Mischung aus Unterhaltung und Einzelhandel für sehr gelungen: „Mit dem Mix ist das MyZeil deutschlandweit vorne dabei.“ Rückblickend, so sagt Stoll, sei die Eröffnung des Einkaufszentrums ein Gewinn für die Zeil gewesen. Er persönlich sei aber froh, dass er keinen Mietvertrag unterzeichnet habe. Einige hätten sich wohl gewünscht, sie hätten ebenso gehandelt. Denn: „Die Liste derer, die nicht verlängert haben, ist länger als die derjenigen, die verlängert haben.“

Schwartz bestreitet das nicht. Einige Leerstände hätten aber nichts damit zu tun, dass man keine Mieter finde. Da sich Vorschriften geändert hätten, würden hinter den Kulissen beispielsweise neue Fluchtwege geschaffen.

Vor fünf Jahren haben Deutsche Bank und die Hamburger Projektmanagementgesellschaft ECE das MyZeil gekauft – für 800 Millionen Euro. Zum Gesamtkomplex gehören außerdem ein Büro- und Hotelturm sowie das rekonstruierte Thurn- und Taxis-Palais.

Für Ärger sorgen indes die Preise für die Toiletten im MyZeil in Frankfurt.

Kommentar von Matthias Bittner

Zum Einkaufen muss sich heute niemand mehr extra aufraffen und in die Stadt fahren. Das funktioniert bequem vom Sofa aus. Das Internet macht’s möglich. Damit haben alle Einzelhändler zu kämpfen. Und der Trend geht natürlich auch nicht spurlos an Einkaufszentren wie dem MyZeil vorbei. Auch dort haben die Geschäfte mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.

Allerdings hat die Betreibergesellschaft ganz andere finanzielle Möglichkeiten als der kleine Einzelhändler oder Gewerbeverein. Und so nimmt die ECE 70 Millionen in die Hand, um das Einkaufszentrum im Herzen der Stadt umzubauen. Als Allheilmittel wird ein neues Konzept angepriesen. Restaurants, Bars und Unterhaltung sollen den Einkauf zum Erlebnis machen. Doch ist das Konzept tatsächlich so revolutionär?

Nein. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, hat sicher schon bemerkt, dass in den traditionellen Einkaufsstraßen wie Berger oder Schweizer Straße längst schon mehr gastronomische Betriebe zu finden sind als Einzelhändler, die bei steigenden Mieten mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. Bis sie schließlich aufgeben müssen.

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Entwicklung mit zeitlicher Verzögerung nicht eins zu eins im MyZeil fortsetzt.

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