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Nach fast 30 Jahren stellt der Verein zur Vermittlung von Babysittern seinen Dienst ein

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Die Leiterinnen des von der Stadt unterstützten Vereins zur Vermittlung von Babysittern und Tagesfamilien (BTV), Ulrike Tarnow (links) und Rita Beck, gehen in Rente und hinterlassen ein großes Loch.
Die Leiterinnen des von der Stadt unterstützten Vereins zur Vermittlung von Babysittern und Tagesfamilien (BTV), Ulrike Tarnow (links) und Rita Beck, gehen in Rente und hinterlassen ein großes Loch. © Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Der Verein Babysitter- und Tagespflegevermittlung (BTV), der seit 28 Jahren mit der Stadt kooperiert, stellt zum 31. August seine Dienste ein – die Babysitterbörse ist bereits geschlossen. Einen Babysitter zu finden, wird für Eltern von nun an schwieriger.

Wer einen Babysitter oder eine Tagespflegefamilie brauchte, konnte sich bis vor kurzem bei Rita Beck und Ulrike Tarnow beraten lassen. Weil nun aber Rita Beck und Ulrike Tarnow in Rente gehen und die Vermittlung von Tagespflegefamilien von der Stadt unter geregelt wird, wird auch die Babysittervermittlung ganz eingestellt. Und damit auch deren gesicherte Qualität: Die Studentinnen und älteren Damen, die Tarnow und Beck für die stundenweise Betreuung am Abend oder tagsüber vermittelten, waren von den beiden zuvor auf Herz und Nieren überprüft worden. Nur wer über die nötige Erfahrung und soziale Kompetenz verfügte, wurde in das Vermittlungsnetz des Vereins aufgenommen. „Wir haben so manche Bewerberin, bei der recht schnell klar war, dass sie sich mehr für das Geld und weniger für die Arbeit interessierte, abgewiesen,“ sagt Rita Beck.

Anfang der 90er entstanden

Flexible Babysitter sind nach wie vor sehr gefragt. „Wir hinterlassen in diesem Bereich auf jeden Fall ein Loch“, sagt Ulrike Tarnow. Viele der Betreuerinnen waren jahrelang im Einsatz. „Da sind tiefe Freundschaften zwischen den Babysittern und Familien entstanden.“ Die Babysittervermittlung, -begleitung und -verwaltung war sozusagen ein Überbleibsel aus der Zeit Anfang der 1990er, als der Verein sich gründete und die Kinderbetreuung noch nicht so diversifiziert war. Im Gegensatz zur Tagespflege ist die stundenweise Kinderbetreuung durch Babysitter heute Privatsache.

Weil sie ein qualitativ hochwertiges Kinderbetreuungsangebot erstellen wollten, gründeten mehrere Frauen 1990 den Verein, drei Jahre später wurde er als Freier Träger der Jugendhilfe anerkannt. Ingrid Balser (76), Helferin der ersten Stunde, erinnert sich gut: „Die Nachfrage nach Kinderbetreuung war damals sehr groß. Viele Mütter wollten und mussten in den Beruf zurück und suchten händeringend nach einer Möglichkeit, ihre Babys und Kinder in gute Hände zu geben.“ Es war noch die Zeit der Frauenbewegung, in der sich viele Initiativen miteinander vernetzten und gegenseitig unterstützten, vom Geburtshaus über das Frauenkulturhaus bis hin zum Mukiva Kinder- und Familienzentrum, dem Verein Feministische Mädchenarbeit (FeM) und anderen Initiativen für Familien.

„Die Evangelische Familienbildung war offen dafür, uns finanziell zu unterstützen. Auch die Frauenbeauftragte der Stadt half mit städtischen Geldern“, so Balser. Die Geschäftsführerin Ulrike Tarnow war bei der Vereinsgründung dabei. „Es war uns wichtig, die Vermittlung auf qualifizierte, kompetente Füße zu stellen. Ich gab damals die ersten Babysitterkurse.“

Die Qualifizierung

Die Schulungen auf Grundlage der Qualitätsstandards, die die Frankfurter Pädagogin Heide Kallert formulierte, wuchsen sich später zu Lehrgängen für die Grundqualifizierung für Tagesmütter und -väter aus, die mit der Tagespflegeerlaubnis abgeschlossen wird. Bis zuletzt wurden sie in den Räumen des BHV an der Zeil im Auftrag der Stadt durchgeführt. Denn die Betreuung für Babys bis drei Jahre durch Kitas oder zertifizierte Tagespflegepersonen, die mehrere Kinder bei sich zu Hause betreuen, ist Sache der Ämter. Es besteht ein Rechtsanspruch.

Juristisch trägt die Stadt die Verantwortung für Vermittlung, Qualität und Sicherung ausreichender Tagespflegeplätze, übergibt die Schulung und Beratung der Eltern sowie teilweise die Vermittlung aber an freie Träger, in diesem Fall den BTV, aber auch die Caritas und andere Verbände. Ulrike Tarnow und Rita Beck vermittelten zuletzt rund 40 Tagesmütter, die die Kinder jeweils in den Wohnungen der Eltern hüten.

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