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Im Sommer spendeten die mächtigen Bäume noch wunderbaren Schatten.

Bäume am Höllbergspielplatz

Nach 99 Jahren gefällt

Es war zwar von der Stadt kurz angekündigt, dennoch sind die Anwohner am Eschersheimer Höllbergspielplatz über die Baumfällungen empört.

Hektisch gestikulieren am Mittwochnachmittag die beiden Arbeiter mit ihren Motorsägen an der Höllbergstraße. Eine Frau ist trotz Absperrung und dem Warnhinweis „Baumarbeiten“ auf den Spielplatz gestürmt. Sie will ein Foto mit ihrem Handy machen. Für Facebook. Für ihre Qigong-Gruppe. „Mit der Qigong-Gruppe habe ich hier so oft geübt“, sagt sie, „es tut mir in der Seele weh.“

Eine weitere Anwohnerin ist aus ihrem Haus herausgelaufen und steht zusammen mit ihrem Sohn vor dem aufgetürmten Holzhaufen, schaut entsetzt auf die beiden gefällten Pappeln. „Ich schaue aus dem Wohnzimmerfenster und da sehe ich den riesigen Baum einfach umfallen“, erzählt sie und scheint selbst noch nicht glauben zu können, das dies wirklich passiert ist. „Mit dem Baum bist du aufgewachsen“, sagt sie zu ihrem Sohn. Viele Kinder aus den umliegenden Straßen haben in seinem Schatten spielt. 1917 war die Schwarz-Pappel, die im Frankfurter Baumkataster die Nummer 81 trägt, gepflanzt worden. Jetzt liegt sie auf der Grünfläche zwischen dem Bolzplatz und der Kinderschaukel und wird mit Motorsägen zerteilt.

Populus nigra ist der botanische Name für die Baumart, die bis zu 150 Jahre, in machen Fällen sogar 300 Jahre alt werden kann. 99 Jahre sind es in Eschersheim geworden. Ein Spaziergänger, der seinen Hund ausführt, schimpft auf die Stadtpolitik, „da sind jetzt Grüne mit an der Regierung und trotzdem machen die einfach so etwas. Das Holz der Bäume sieht doch total gesund aus“. „Das werden mir meine grünen Freunde erklären müssen“, zeigt sich die Frau, die gerade ihre Fotos auf Facebook hochgeladen hat, entschlossen.

„Warum hat man nicht darüber informiert?“ – das ist eine häufig gestellte Frage der hinzukommenden Anwohner und der Spaziergänger. „Damit man nicht mitreden kann“, fast immer die Antwort eines der Umstehenden. Doch das zuständige Grünflächenamt hatte informiert, wenngleich nicht besonders früh. Am 30. Dezember hatte es auf seiner Webseite und über das Presseinformationsamt veröffentlicht, dass „in den nächsten Tagen zwei Pappeln (Baum-Nummern 81, 82) in der Höllbergstraße auf dem Spielplatz“ gefällt werden. Bei einer Kontrolle seien die Bäume untersucht worden: „Sie stehen in Schräglage, sind faul, morsch und von einem Pilz befallen. Damit sind sie eine Gefahr für die Besucher des Spielplatzes“, heißt es. Noch in diesem Jahr sollen dafür neue Bäume gepflanzt werden.

Auf den Facebook-Eintrag der Anwohnerin reagiert Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts, innerhalb einer Stunde. „Laut des Chefs des Frankfurter Grünflächenamtes, der freundlicherweise anrief, mussten die Bäume gefällt werden aufgrund der Richtlinien, die für diese Bäume gelten. Ab einem gewissen Alter stellen sie eine Gefahr für die Allgemeinheit dar“, postet die Anwohnerin im sozialen Netzwerk. Doch letzte Zweifel bleiben ihr: „Ja – die Richtlinien sind das eine, die Einzelfallbetrachtung das andere.“

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