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Prozess

Nach elf Jahren immer noch kein Urteil

Im Prozess um einen erschossenen Drogenhändler stemmen sich die Verteidiger der Angeklagten gegen eine Verurteilung.

Mehr als elf Jahre nach der Tat sollte der Prozess um ein Drogengeschäft, das mit einem tödlichen Schuss auf einen Rauschgifthändler geendet hatte, gestern eigentlich vor dem Landgericht Frankfurt mit einem Urteil abgeschlossen werden. Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche jeweils elf Jahre Haft für die 37 und 34 Jahre alten Angeklagten gefordert. Während die Anklagevertreterin vom streng sanktionierten Tatbestand des Raubes mit Todesfolge ausging, stemmten sich die Verteidiger mit aller Kraft gegen die drohende Verurteilung ihrer seit Ende vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzenden Mandanten. Als sich an jenem Januartag 2007 während des vereinbarten Treffens am Rödelheimer Niddaufer im Gerangel um zehn Gramm Heroin plötzlich der Schuss gelöst und den 22 Jahre alten Drogenhändler tödlich am Kopf getroffen habe, seien die Männer in Schockstarre davongelaufen und so vom beabsichtigten Raub des Heroins „strafbefreiend zurückgetreten“, formulierte es einer der Rechtsanwälte. Und der stattdessen in Frage kommende Tatbestand der fahrlässigen Tötung sei mittlerweile verjährt.

Lange tappte die Polizei bei der Aufklärung der Tat im Dunkeln. Dann half plötzlich aber der unverwüstliche „Kommissar Zufall“, indem er inhaftierte Bekannte der Männer plaudern ließ. Die Beamten bekamen große Ohren und schritten mehr als zehn Jahre nach dem Tod des Drogenhändlers zur Festnahme. In dem seit Januar laufenden Prozess beteuerten beide Angeklagte immer wieder, dass sie dem toten Opfer nicht das Rauschgift abgenommen hätten und der vorausgegangene Schuss ein reiner Unglücksfall gewesen sei, mit deren psychischer Verarbeitung sie noch heute beschäftigt seien. „Das bekommt mein Mandant auch nach elf Jahren nicht aus dem Kopf heraus“, sagte einer der Verteidiger.

Die Rechtsanwälte begnügten sich gestern in ihren Schlussvorträgen indes nicht mit der Forderung nach Freisprüchen für ihre Mandanten. Die stellten dazu auch noch mehrere Beweisanträge, mit denen nochmals die Vernehmung diverser Ermittlungsbeamter gefordert wurden. Die Schwurgerichtskammer sah sich daraufhin nicht in der Lage, das Urteil wie ursprünglich geplant am Nachmittag zu verkünden, sondern setzte einen weiteren Verhandlungstermin am 12. Juni fest. ge

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