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Seit 44 Jahren hat Michael Trippens in Sachsenhausen seinen Friseur-Salon, viele Wuschelköpfe hat er in dieser Zeit gezähmt.

Friseur freut sich auf den Ruhestand

Nach 44 Jahren: Meister Trippens macht einen Schnitt

Friseur Michael Trippens legt im Januar endgültig die Schere beiseite. Der Sachsenhäuser gönnt sich mit 72 den Ruhestand.

Am Tag vor Silvester lässt Michael Trippens in seinem Salon noch einmal die Scheren fliegen. Etliche Kunden soll er für die Neujahrsfeier stylen, viele wollen gar mit komplett neuer Frisur oder Haarfarbe ins kommende Jahr starten. Für den 72-Jährigen aber wird 2017 einschneidender, als es ein Haarschnitt je zu sein vermag. Nach 44 Jahren geht er in den Ruhestand, seinen Laden übernimmt ein anderer.

„Natürlich fällt mir das nicht ganz leicht. Aber es ist schön, dass ein fähiger Nachfolger die Geschäfte fortführt, der noch dazu mein fünfköpfiges Team übernimmt.“ Es wird ein klarer Cut: „Ich freue mich auf den Ruhestand.“ Er hinterlasse dem künftigen Inhaber, Alfredo Favuzza aus Neu-Isenburg, einen gutlaufenden Laden und erstklassige Mitarbeiter.

Schon seit Kindertagen stand für den Sachsenhäuser fest, dass er eines Tages Friseur werden würde. „Ich wurde quasi in den Job hineingeboren“, erzählt er. Seinen Eltern gehörte früher ein angesehener Friseursalon in Halle an der Saale. „Vater war richtig vernarrt in seinen Laden, er verstand seine Arbeit als Kunst, veranstaltete regelmäßig Frisuren-Wettbewerbe.“

Doch 1960 flüchtete die Familie aus der DDR nach Frankfurt, „jeder von uns hatte nur einen Koffer in der Hand“, erinnert sich der baldige Rentner. Doch auch in der Mainmetropole sollte sich der Vater mit seinem Talent bald einen Namen machen. „Im Ziegelhüttenweg eröffnete er seinen neuen, nicht minder renommierten Salon“, sagt Trippens. Zwölf Jahre später, 1972, war es dann so weit: Michael, inzwischen Friseurmeister, bekam seinen eigenen Laden: Er übernahm einen Betrieb in der Darmstädter Landstraße 42. Bis zum heutigen Tage blieb er dem Standort treu, erweiterte den Salon über die Jahre, baute zweimal an. Immer heller und moderner wurde seine „Welt der Schönheit“. Einen Teil dieser Welt füllt auch Trippens Lebensgefährtin, Hortense Hübner, aus, die neben dem Salon Massagen und Wellness-Behandlungen anbietet. „Sie ist ein Anker unseres erfolgreichen Konzepts.“ Und sie wird, anders als er, auch weiter an der Darmstädter Landstraße arbeiten.

„Zudem setze ich stets auf Innovation“, betont Trippens. Von Reisen nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten habe er die neusten Trends nach Frankfurt-Sachsenhausen gebracht. „Der Sassoon-Schnitt mit der kleinen Schere war für die Frankfurter eine richtige Revolution“, erinnert er sich. In den letzten Jahren habe der technische Fortschritt auch die Friseursalons erobert. Selbst der Lockenwickler habe inzwischen Sensoren. Und zum Friseurbesuch gehören seit Langem schon Angebote wie Kopfhautanalyse, Pflegecremebehandlung, Kopfmassage und, wer mag, ein Verkaufsgespräch zur kompletten Kosmetiklinie.

Letztlich aber zeichne sich ein wirklich guter Haarstylist heute wie damals durch Geschick und Kreativität aus – „er muss auch mit der bloßen Schere eine schöne Frisur zaubern können“.

Außerdem sei es wichtig, gut und individuell zu beraten. Als Friseur müsse man auf Wünsche eingehen, viel Small Talk betreiben. „Das musste ich erst lernen“, gesteht Trippens ein. „Zu Beginn war ich wohl sehr kantig.“

Während Trippens über Jahrzehnte Handwerk und Kundschaft pflegte, eröffneten vielerorts in der Stadt Friseurläden, die schon für zwölf Euro einen Haarschnitt anbieten. Da wollte der Meister nicht mitfeilschen. In seinem Laden musste der Kunde mit mindestens 34 Euro rechnen. Dafür erhielten die Mitarbeiter stets ein gutes Gehalt, immer deutlich über dem Mindestlohn. „Für Kunden, die sich einen Schnitt bei uns leisten, wollten auch wir stets etwas leisten“, sagt der Friseur aus Überzeugung. So soll es für sie weitergehen: „Mein Nachfolger wird unser Konzept beibehalten“, verspricht der 72-Jährige.

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