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1205184600_12052018 Fussball Fußball 1. Bundesliga Saison 2017 /2018 / Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 1zu0 verloren v.li Russ Hradecky Fernandes Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt

Nach Niederlage auf Schalke: Was bleibt jetzt noch?

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Das 0:1 auf Schalke hatte peinliche Züge. In Berlin muss das Team von Trainer Niko Kovac die letzten Reserven mobilisieren. Nur wie?

Es war ein fast schon surrealer Auftritt. Clemens Tönnies lief im taillierten weißen Hemd breitbeinig durch den Kabinenbereich der Arena auf Schalke. Als er kurz vor den Medienvertretern aus Frankfurt stoppte, intonierte der Aufsichtsratsvorsitzende der Königsblauen mit sattem Bariton: „Die Nummer eins im Pott sind wir.“ Da kostete jemand die Revanche für das verlorene Pokal-Halbfinale aus. Und es roch stark nach einer zweiten Strophe: „Die Nummer acht im Land seid ihr.“ Die verkniff sich der Fleischgroßhändler aber.

Zumal Platz acht in der Fußball-Bundesliga keine ehrenrührige Sache ist. Durch das 0:1 (0:1) auf Schalke hat die Frankfurter Eintracht zwar ihre große Chance auf die Europa-League-Qualifikation verspielt und zwar auf phasenweise klägliche Weise. Fredi Bobic blieb dennoch ruhig und gefasst. Die Wogen glätten vor dem Pokal-Finale gegen Bayern München am kommenden Samstag, lautet die Devise der sportlichen Leitung, das letzte Fünkchen Hoffnung nicht austreten. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte der Frankfurter Sportvorstand: „Ich habe aber vor der Saison gesagt, wenn wir einstellig werden, ist das eine Riesengeschichte. Und so soll man es auch nehmen. Der achte Platz ist absolut in Ordnung.“

Es gehört zu den besonderen Geschichten dieser Saison, dass die Eintracht ausgerechnet von Bobics Ex-Club VfB Stuttgart abgefangen worden ist. Und ausgerechnet durch einen 4:1-Sieg bei Meister München am letzten Spieltag. Der VfB hat als Aufsteiger in der Rückrunde 33 Punkte geholt, während der Trend bei der Eintracht spätestens seit der extrem verunglückten Bekanntgabe des Wechsels von Trainer Niko Kovac nach München stetig nach unten ging.

Nach dem 23. Spieltag waren die Frankfurter als Tabellen-Dritter noch auf Champions-League-Kurs. In den letzten sieben Bundesliga-Spielen gelang aber nur noch ein Sieg – das 3:0 gegen Absteiger Hamburger SV vor einer Woche. Noch einmal Fredi Bobic, mit ein paar der ältesten Lehrsätze im Fußball: „So ist das eben. Ich habe immer gesagt, nach 34 Spieltagen ziehst du den Strich und siehst, wo du landest. Am Ende hast du es dann auch so verdient.“

Vor allem nach so einer Darbietung wie auf Schalke. „So wie wir aufgetreten sind, haben wir nichts mit Europa zu tun. Die erste Halbzeit war katastrophal, langsam, kein Spieltempo, kein Ballbesitz und keine Zweikämpfe“, beschrieb Lukas Hradecky treffend. Der Torhüter ist einer der wenigen bei der Eintracht, der sich noch traut, Probleme offen und klar anzusprechen. Kein Wunder: Hradecky verlässt die Eintracht nach der Saison, vermutlich in Richtung Leverkusen. Der Finne bestätigt das noch nicht. Aber in der Bundesliga wird er nach eigener Aussage bleiben.

„Man kann auf Schalke verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise“, sagte auch Marco Russ, der Routinier: „Dann hat man es auch nicht verdient in Europa zu spielen.“ Vor allem, wenn dem Gegner die Aufstellung in die Karten spielt. Jonathan de Guzman und Ante Rebic, zwei spielerische Aktivposten und laut Aussage von Trainer Niko Kovac vor dem Spiel wieder fit, blieben zunächst draußen. So wie der eigentliche Ersatzkapitän David Abraham. Der Argentinier hatte am Vormittag eine Schüttelfrost-Attacke. Timothy Chandler, Marco Fabián und Alexander Meier, der Hauptdarsteller des Märchens gegen den HSV, waren gleich ganz daheim geblieben.

Und Hradecky legte nach. Der Torhüter hat beim Blick auf die Endphase der Saison ein „Déjà-vu-Erlebnis“. Es gebe Parallelen: „Wir laufen nicht mehr so viel wie die Gegner. Der Akku ist auf dem Weg, leer zu werden.“ Auf Deutsch heißt das: Viele Spieler sind platt, ausgequetscht, können nichts mehr zusetzen. „Wenn der Körper nicht funktioniert, geht alles andere auch nicht“, sagt Hradecky. Und diesmal sei der Einbruch lediglich etwas später gekommen als im Vorjahr, was wahrscheinlich am breiteren Kader liege.

Der Ballfänger ist ein wacher Analytiker. Deshalb rücken Niko Kovacs Trainingsgeflogenheiten immer mehr in den Fokus. „Es hat alles mit Energie zu tun“, sagt Hradecky vorsichtig zum Vorwurf, die Mannschaft habe auf Schalke nicht mit aller Macht zu punkten versucht, um damit den siebten Platz zu sichern.

In der Woche vor dem letzten Liga-Spiel hatte Kovac das Training noch einmal deutlich intensiver gestaltet – und war damit offensichtlich bei der Mannschaft auf Unverständnis gestoßen. „Brutal“ seien die Anforderungen gewesen, hatte Gelson Fernandes seine Eindrücke geschildert. Und jetzt steht die Vorbereitung für das Pokal-Finale an. „Da müssen wir über das Training vielleicht ein bisschen diskutieren“, sagt Hradecky mit wissendem Lächeln.

Was bleibt jetzt noch? Jetzt, wo die Qualifikation für die Europa League nur noch durch einen Sieg über Bayern München in Berlin geschafft werden kann.

Niko Kovac lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen. „Abhaken, vergessen, wir stehen morgen alle wieder auf“, sagte der Trainer nach dem Auftritt auf Schalke: „Man braucht auch Glück. Vielleicht haben wir nächste Woche mehr davon.“

Kovac lässt sich auch seine gute Laune nicht nehmen. Die Pressekonferenz eröffnete er mit spaßigen Bemerkungen. Um dann später doch noch einmal etwas ernster zu werden: „Natürlich kann ich die Leute verstehen, die jetzt über den achten Platz enttäuscht sind.“ Bei seinem grundsätzlich positiven Saison-Fazit bleibt er trotzdem: „Wir müssen auch bedenken, wo wir herkommen, und was uns vor der Saison prognostiziert wurde. Man kann trotzdem stolz sein.“ Bei dieser Einschätzung werden ihm nicht alle folgen.

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