Musikvideo

Nach dem Tod von Prince: Frankfurter S-Bahn-Konzert bewegt die Welt

Ein Musikvideo, das in Frankfurt gedreht wurde, geht um die Welt. In den Hauptrollen: eine Wahlhamburgerin und eine Londonerin, die einen Prince-Klassiker in der S-Bahn nachspielen. „Kiss“.

Ein Musikvideo, das in Frankfurt gedreht wurde, geht um die Welt. In den Hauptrollen: eine Wahlhamburgerin und eine Londonerin, die einen Klassiker in der S-Bahn nachspielen. „Kiss“. Sonst fühlt man sich beim Bahnfahren von solchen Musikern eher genervt. Im Fall der beiden jungen Frauen allerdings ist das genau anders herum. Binnen weniger Tage haben mehr als 60 Millionen Menschen hören und sehen können, wie die beiden das Lied mit Gitarre, Gesang und Cajon nachspielen.

Und ein Ende ist zunächst nicht abzusehen. Denn der unerwartete Tod des Künstlers führt nun immer weitere Besucher auf die Youtube-Seite mit dem Spontan-Auftritt. Sie nutzen die Gelegenheit, ihrer Trauer über den Verlust des Musik-Genies Ausdruck zu verleihen. So schreibt der User Pro TAMMSs: "Es scheint, als ob diese freundlichen Mädels das Lied nur zu Deinen Ehren gesungen haben, um dich auf Deinem letzten Weg zu begleiten... R.I.P., Prince!!! :-(".

Bei den beiden jungen Damen handelt es sich um die Wahlhamburgerin Anna Guder und die Londonerin Heidi Joubert. Das Duo hatte während der Musikmesse ein Engagement bei einem Hersteller von Instrumenten. Sie sahen sich dort zum ersten Mal – und die Chemie stimmte sofort zwischen ihnen. Die Stimmung war so gut, dass sie sogar noch auf dem Weg ins Hotel mit der S-Bahn die Finger nicht von ihren Instrumenten lassen konnten und einige Lieder spielten. „Musik manche ich schon, seitdem ich denken kann“, so Anna Guder, die seit ihrem 14. Lebensjahr Gitarre spielt und sich wundert. „Da machst du jahrelang Musik und findest kaum Beachtung, und dann genügt so ein kleines Video, um eine solche Welle loszutreten“, sagt Anna die unter dem Namen „Kiddo Kat“ ihre eigenen Lieder spielt und veröffentlicht. „Klar, dass die Leute nun auch auf meine Musik aufmerksam geworden sind“, sagt sie. „Und sie finden sie auch gut.“

Heidi ist ebenfalls kein – musikalisch – unbeschriebenes Blatt. „Ich gelte als einer der Cajon-Pioniere“, sagt die 28-Jährige, die in Südafrika in Pretoria geboren wurde und schon mit Musikgrößen wie Stevie Wonder und Shiela E. auf der Bühne stand. Heidi kam im Alter von zehn Jahren nach London, schlug sich in England acht Jahre lang als Straßenmusikerin durch und leitet dort nun eine eigene Cajon-Schule.

Der Zufall wollte es, dass ihr und Anna an diesem Abend in der S-Bahn der Malteser Ozzy Lino gegenüber saß, der sich einfach mal einbrachte und einen Rap zum Besten gab. „Wir kannten ihn vorher überhaupt nicht“, sagt Anna, „aber er ist in seiner Heimat wohl sehr bekannt“. Ein Kollege vom Messestand filmte das Ganze, sie stellten es ins Internet, und das gut vierminütige Video wurde ein Renner und inzwischen Millionen Mal auf Facebook und gut 200 000. Mal bei Youtube angesehen.

Nun reißen sich sämtliche Fernsehsender um die beiden Frauen. „Der komplette Wahnsinn hat begonnen“, sagt Anna, die – natürlich – nie mit so einem Erfolg gerechnet hätte. „Wir waren an diesem Abend sehr gut gelaunt“, erinnert sie sich.

„Kiss“ war nur einer von insgesamt vier Songs, die das Duo in der Bahn spielte. Zwar hatten die beiden längst beschlossen, gemeinsam weiter Musik zu machen, „aber jetzt sind wir ja fast schon dazu gezwungen“, scherzt Anna Guder. Sie packt gerade ihre Siebensachen, denn sie befindet sich auf dem Sprung nach Granada. Dort wartet Heidi auf sie. „Wir wollen uns dort treffen, um weiter miteinander zu spielen.“ es

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare