Buchmesse

Nach Tumulten im letzten Jahr: Buchmesse nimmt das Thema Sicherheit noch ernster

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Auf der Frankfurter Buchmesse sollten in diesem Jahr linke und rechte Aussteller besser voneinander getrennt werden, um Auseinandersetzungen und gewalttätige Proteste wie 2017 zu verhindern. Doch gelungen ist das nicht. Und der Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ macht der Messeleitung heftige Vorwürfe.

Thilo Sarrazin sitzt in der Nachmittagssonne und beantwortet einer Reporterin des ungarischen Fernsehens Fragen über die deutsche Flüchtlingspolitik. Er ist auf der Buchmesse, weil vor sechs Wochen sein islamkritisches Buch „Feindliche Übernahme“ erschienen ist. Mehrere Herren in dunklen Sakkos haben ein strenges Auge auf jeden, der sich ihm nähert. Auf die Frage „Schützen Sie Herrn Sarrazin vor Linksextremisten oder Islamisten?“ antwortet einer: „Vor beiden.“

Nachdem es im vergangenen Jahr zu Tumulten zwischen rechten und linken Besuchern kam, nimmt die Buchmesse das Thema Sicherheit diesmal noch ernster. Sie hat sogar die Platzierung der Aussteller so ausgerichtet, dass politische Konfrontationen vermieden werden. Nur ganz geklappt hat das nicht.

In Halle 4 stößt man relativ schnell auf die linken Verlage. Sie bilden einen ganzen Gang, durch den es sich gemütlich hindurch schlendern lässt. Am Stand der Berliner „Tageszeitung“ gibt es fair gehandelten Espresso. Die marxistische „Junge Welt“ will auf Fidel Castro und „60 Jahre sozialistisches Kuba“ anstoßen.

Nur der Frankfurter Verlag Brandes & Apsel präsentiert einen Titel, der aufhorchen lässt: „Deutschland ist geil!“ Beim näheren Blick auf das patriotische Büchlein wird schnell klar, weshalb es im linken Buchregal steht: Es geht um Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan in ihrer „neuen Heimat“.

Einen Stand weiter befindet sich das größte Ärgernis der linken Aussteller. „Ein rechtsradikaler Tarnverlag“, sagt Verleger Roland Apsel über seinen Nachbarn. Auch dort wird ein Flüchtlingsbuch präsentiert. Dessen Stoßrichtung ist offenbar eine ganz andere: „Wir hatten es uns anders vorgestellt“, so der Titel.

Am Stand sitzt Thomas Weigel, Zahnarzt aus Baden-Württemberg und neuerdings Verleger. Götz Kubitschek habe seinen Antaios-Verlag an ihn verkauft, sagt Weigel. Und er führe ihn unter dem Dach seines neu gegründeten Verlages namens Loci weiter.

Aus Protest gegen Kubitschek, der als Vordenker der „Neuen Rechten“ gilt, und den mit ihm befreundeten AfD-Politiker Björn Höcke kam es vor einem Jahr zu den Tumulten. Hätte die Messeleitung gewusst, dass sich hinter Weigels Anmeldung der Antaios-Verlag verbirgt, hätte sie ihn wohl kaum im linken Gang platziert – sondern im rechten Eck.

Dort, am anderen Ende der Halle, steht Dieter Stein und ist sauer. „Seit 1991 sind wir auf der Frankfurter Buchmesse, aber so einen schlechten Standort haben wir noch nie bekommen“, sagt der Gründer und Chefredakteur der „Jungen Freiheit“. Die Wochenzeitung versteht sich als stramm konservatives Blatt, grenzt sich von Rechtsextremisten aber streng ab.

„Es gibt auf dieser Messe alle möglichen Verlage: von pornografischen bis fanatisch religiösen. Aber uns will man ausgrenzen und steckt uns hier in so eine Sackgasse“, schimpft Stein. Tatsächlich kommt an dem Stand der „Jungen Freiheit“ kein Besucher zufällig vorbei. Er steht am Ende eines Ganges. Man kann nicht vorbeiflanieren, sondern muss gezielt dorthin gehen.

Dass dies genug Messegäste tun werden, soll das Programm garantieren. Am Freitag wird Rainer Rahn, der hessische Spitzenkandidat der AfD, am Stand der „Jungen Freiheit“ auftreten. Sein Thema lautet: „Hessen vor der entscheidenden Wahl“. Nach ihm kommt die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, die über „Masseneinwanderung, Rechtsstaat und Meinungsfreiheit“ sprechen will.

Götz Kubitschek genießt derweil seinen Coup. Am Stand des Loci-Verlags redet er mit Journalisten und Fachbesuchern. „Unsere Aufgabe besteht darin, Normalität herzustellen“, erklärt er. „Wenn es Linksintellektuelle gibt, muss es auch Rechtsintellektuelle geben.“

Thomas Weigel, sein neuer Verleger aus Baden-Württemberg, sagt: „Ich habe nach links keine Berührungsängste. Wenn ich mich hier bei den anderen Ständen umschaue, entdecke ich zu 90 Prozent Bücher, die ich auch selbst verlegen würde.“ Ob sich seine Nachbarn über dieses Kompliment freuen werden?

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