Städtische Wohnbaugesellschaft ABG

Nach Turm-Sprengung: Investor für AfE-Areal gefunden

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Der Verkauf des Grundstücks, auf dem bis vor einem Jahr der AfE-Turm der Goethe-Uni stand, steht unmittelbar bevor. Der Aufsichtsrat der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG hat grünes Licht für das Geschäft gegeben. Es sollen ein 140 und ein 100 Meter hoher Turm mit einem Hotel und Büros entstehen.

Die Freude war Frank Junker sichtlich anzusehen. Nach der Aufsichtsratssitzung konnte der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG gestern verkünden, dass das Gremium dem Verkauf des Grundstücks, auf dem einst der 116 Meter hohe AfE-Turm gestanden hatte, zugestimmt hat. „Jetzt können wir das Gelände an einen Investor verkaufen“, sagte Junker.

Den Namen des Käufers wollte der ABG-Chef, solange die Tinte unter dem Vertrag noch nicht trocken ist, nicht nennen. Erst in drei Wochen soll er bekanntgegeben werden. Auch über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Dem Vernehmen nach soll es sich allerdings um eine Summe zwischen 50 und 60 Millionen Euro handeln.

Frank Junker hingegen verriet nur so viel: „Wenn es kein gutes Geschäft wäre, würden wird das nicht machen.“ Auf dem 9500 Quadratmeter großen Areal in Bockenheim sind laut Bebauungsplan ein 140 sowie ein 100 Meter hohes Hochhaus erlaubt.

Der AfE-Turm in der Nähe der Messe beherbergte bis März 2013 Büros und Seminarräume der Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie der Goethe-Universität. Am 2. Februar 2014 wurde der Turm gesprengt. Zehntausende Schaulustige verfolgten das Spektakel, schließlich war der AfE-Turm das höchste Hochhaus, das bislang in Europa gesprengt wurde.

Der Investor, mit dem in den kommenden Tagen der Vertrag unterschrieben werden soll, wird auf dem Areal den höheren der beiden Türme an der Robert-Mayer-Straße/Ecke Senckenberganlage entwickeln. Darin wird ein Hotel unterkommen. Nebenan entsteht ein siebengeschossiges Gebäude, mit Restaurants sowie Büros. Außerdem habe der Investor die Option, auch das 100 Meter hohe Bürohochhaus auf dem Gelände zu realisieren. „Wenn er das nicht möchte, gibt es allerdings noch einen anderen interessierten Investor“, so Junker. Ihm allerdings wäre es lieber, wenn die beiden Türme an einen Käufer gehen.

Bevor überhaupt Kritik an dem Verkauf des Geländes aufkommen kann, weil die ABG dort keine Wohnungen baut, sagte Junker: „Das Baugrundstück ist ein sogenanntes Kerngebiet, auf dem hauptsächlich Gewerbe entstehen darf. Die Senckenberganlage ist für Wohnen nicht geeignet.“ Außerdem sei von vorneherein klar gewesen, dass dieses Grundstück nicht im Portfolio der städtischen Wohnbaugesellschaft bleibe, sondern veräußert werde. „Unsere Aufgabe ist es nicht, Hochhäuser zu realisieren, sondern Wohnen zu ermöglichen.“ Bei solchen Worten konnte ihn Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der ABG ist, nur unterstützen. „Das Wohnen auf dem Areal muss auch finanziert werden.“ Die ABG selbst werde auf dem Gelände allerdings eine Kindertagesstätte bauen. „Das wird eine interessante Entwicklung in Bockenheim“, ist sich Junker sicher.

Das vor dem Verkauf stehende Areal ist Teil des Kulturcampus Bockenheim, auf dem nach dem Umzug der Goethe-Universität Wohnungen, Kultureinrichtungen und Büros entstehen sollen. Die ABG hatte das komplette Gelände vom Land Hessen gekauft. Die Entwicklung des Quartiers verzögert sich allerdings, da die Uni das Gelände doch erst 2018 verlassen möchte. Erste Wohnungen sind von der AGB aber schon gebaut worden.

Die Bebauung des Geländes zwischen Robert-Mayer-Straße und Senckenberganlage soll hingegen „zeitnah realisiert“ werden. Deshalb wird es bereits im Sommer einen Architektenwettbewerb geben, so dass 2016 mit dem Bau begonnen werden kann.

Die Aufsichtsratssitzung der ABG drehte sich allerdings nicht allein um die Bebauung des Campus Bockenheim. Man habe sich auch darauf geeinigt, dass für die Neubauprojekte der städtischen Wohnbaugesellschaft ein Anteil von 40 Prozent geförderter Wohnraum gelten soll. „Das ist unser neues Ziel, denn wir wissen, dass der Bedarf da ist“, sagte Oberbürgermeister Feldmann. Derzeit erreiche die ABG bereits einen Anteil von 37 Prozent. Von der Stadt selbst sind 30 Prozent vorgegeben. Rückblick: Das war los bei der Sprengung des AfE-Turms:

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