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Nach dem WM-Aus der Deutschen wollen Gastronomen weiter Fußball zeigen

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Von: Thomas J. Schmidt

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Jennifer Berkenkopf Wirtin der Kutscherklause ( Public Viewing
Gaststätte Zur Kutscherklause). Gaststätte Zur Kutscherklause, Ostendstr. 47,Ostend, Frankfurt. Aufgenommen am 28.06.2018.
Jennifer Berkenkopf Wirtin der Kutscherklause ( Public Viewing Gaststätte Zur Kutscherklause). Gaststätte Zur Kutscherklause, Ostendstr. 47,Ostend, Frankfurt. Aufgenommen am 28.06.2018. © Leonhard Hamerski

Deutschland ist ’raus, und die Zeil ist schon fast wieder WM-frei: Gestern wurden Fanartikel verramscht. Für die Wirte hingegen bleibt die WM interessant. Sie zeigen weiterhin die Spiele.

„40 Prozent auf alle textilen Deutschland WM-Artikel“ verkündeten gestern Schilder in der Galeria Kaufhof. Doch wer will jetzt noch WM-Fanartikel? Und gar deutsche? Sie werden gnadenlos verramscht. Ein ähnlich arrangierter Stand im Karstadt auf der Zeil war gänzlich leer, nur die Regale und Fächer waren noch nicht abgebaut. Der einstige Inhalt fehlte völlig. Nur einige Länderfahnen, die als Deko von der Decke hängen, erinnerten daran: Die WM ist im Einzelhandel schon zu Ende.

Ein Laden kann sich nicht entziehen: Samsung. Im Shop auf der Zeil werben Verkäuferinnen weiter tapfer im weißen Fußballertrikot. „Go for a bigger Goal“ steht darauf. Samsung ist einer der wenigen Hersteller, der die WM-Werbung nicht klammheimlich abgehängt hat, einen Tag nach dem schmachvollen Aus in Russland. Samsung ist Partner des DFB für die WM, verkünden Aufkleber auf auch auf den Rolltreppen des MyZeil wenige Meter weiter. „Go for a bigger Goal“ kann auch heißen, man sollte mehr Ehrgeiz entwickeln. Passt ganz gut – auch nach dem Ausscheiden. Vielleicht, wer weiß, fordert der DFB auch für die nächste WM größere Tore, damit Jogis Jungs dann auch mal treffen.

Manches Gerät abgebaut

Die WM jedoch muss weitergehen, auch für die Gastwirte Frankfurts. Mit „Public Viewings“ in Bier- und Vorgärten erhofften sich viele ein gutes Geschäft – vielleicht wird daraus nun vielleicht nur ein kleines. Thomas Schuler aus der Gaststätte „Straßenbahn“ in der Heidestraße hat sein Angebot bereits umgestellt: „Den Fernseher draußen habe ich abgebaut. Wir übertragen die WM noch, aber nur im Gastraum.“ Das Interesse war gestern Nachmittag jedoch nur gering.

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Andere Gastwirte lassen die Bildschirme jedoch weiterhin im Freien stehen, etwa auf der Schweizer Straße. Aber es ist kein Vergleich mehr zu Mittwoch. Die Frankfurter haben Abstand zur WM gewonnen.

Mario Furlanello, Inhaber des Bornheimer Ratskellers, der nach langer Renovierung zumindest den Garten wieder geöffnet hat, ist zwar traurig über das Ergebnis, aber: „Fußballerisch gesprochen will ich den Ball flach halten.“ Denn erstens: Für einen Italiener ist diese WM ohnehin schmachvoll, sind die „Azzurri“ doch erst gar nicht nach Moskau geflogen. Zweitens: Die rund 10 000 Euro, die der Ratskeller in den neuen Beamer und die Leinwand investiert hat, sind nicht verloren. „Wir nutzen die Geräte ja nicht nur zu Weltmeisterschaften.“ Drittens hofft Furlanello, dass das Interesse des Publikums an Übertragungen nicht endet. Natürlich wird er weiter Spiele zeigen, auch wenn sein Traumfinale Deutschland–Italien längst obsolet ist.

„Schade, aber gerecht“

Jennifer Berkenkopf, die mit ihrer Mutter Monika die Kutscherklause im Ostend betreibt, nimmt das schmähliche WM-Aus des deutschen Weltmeisters eher sportlich: „Mal ehrlich – es ist zwar schade, aber gerecht.“ Die Weltmeisterschaft wird sie in der Kutscherklause weiterhin übertragen. „Vielleicht kommen die Leute ja trotzdem. Sie müssen sich halt andere Nationen suchen. Wer hätte gedacht, dass die Schweden Gruppen-Erster werden“, sagte sie. Die Gäste der Kutscherklause kommen aus vielen Nationen. Es wird nicht schwer werden, für andere als die ausgeschiedenen Deutschen zu jubeln. Und am verhängnisvollen Mittwoch jedenfalls seien die Gäste auch nach dem Trauerspiel sitzen geblieben, um die nachfolgenden Spiele zu sehen. „Das ist nicht so, wenn die Eintracht verliert. Die Eintracht-Fans trinken dann schnell aus und gehen traurig heim.“ WM-Spiele zu zeigen, bleibt deswegen auch jetzt attraktiv für die Berkenkopfs.

Auch in anderen Lokalitäten, etwa in Sachsenhausen in der Schweizer Straße und in der Berger Straße im Nordend, wird weiterhin die WM gezeigt. „Wir übertragen weiter, wenn auch erst abends“, sagt eine Bedienung im Toffis.

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