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Der Protest formiert sich: Aufgebrachte Preungesheimer vor der Filiale in der Jaspertstraße. Ganz vorne Diana Fischer

Protest

Nachbarn in Preungesheim kämpfen um ihre Post

Die Postfiliale an der Jaspertstraße 5 soll im kommenden Jahr schließen. Sehr zum Unmut der Anwohner. Diana Fischer vom Nachbarschaftsverein hat zum Protest aufgerufen.

Die Gruppe ist klein, aber ebenso engagiert wie sauer. Mit selbstgemalten Schildern protestieren am Donnerstagmorgen gut ein Dutzend Nachbarn für den Verbleib der Filiale in der Jaspertstraße. Aufgerufen dazu hat sie Diana Fischer vom Nachbarschaftsverein. Doch damit nicht genug. „Bis zu 20 Anwohner sammeln schon seit Tagen Unterschriften gegen die Schließung.“ Sie selbst ist Kundin sowohl der Post als auch der Postbank. „Die Filiale ist die einzige im Umkreis und ist immer hoch frequentiert“, sagt sie. Von der Schließung seien nicht nur Preungesheim, sondern auch die benachbarten Stadtteile wie Berkersheim und Eckenheim betroffen.

Nicht hinnehmbar

Viktor Kalla wohnt etwa zehn Gehminuten von der Filiale an der Jaspertstraße entfernt. „Das ist noch hinnehmbar“, erklärt er. Nicht aber, mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Hügelstraße oder nach Bornheim fahren zu müssen, um Päckchen aufzugeben oder abzuholen. „Meine Tochter studiert in Leipzig und ich schicke ihr regelmäßig Pakete“, erklärt er. Auch für Karim Ibrahim bedeutet die Schließung der Filiale Umwege und Einbußen – vor allem finanziell. „Ich bin selbstständig und nutze die Post mehrmals wöchentlich für berufliche Zwecke“, sagt er. In Preungesheim gebe es viele Kleinunternehmer wie ihn, die auf die Post angewiesen seien. „Wenn man schon von einem Wirtschaftsstandort spricht, sollte man auch die nötige Infrastruktur bereitstellen“, sagt er. Dazu gehöre für ihn auch eine erreichbare Postfiliale.

Die Postbank hat sich aus „wirtschaftlichen Gründen“ für die Aufgabe des Standorts in Preungesheim entschieden, heißt es auf Anfrage aus der Konzernzentrale in Bonn. „Wie alle Banken beobachtet auch die Postbank, dass sich der Markt sowie das Verhalten unserer Kunden in Zeiten der Digitalisierung verändern“, teilte ein Konzernsprecher mit. „Zudem überprüfen wir kontinuierlich unser Filialnetz hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und Optimierungsmöglichkeiten.“ Diese Überprüfung bedeutet für die Filiale an der Jaspertstraße nun das Aus.

Doch zumindest die Post will an dem Standort Preungesheim festhalten. „Für uns steht das nicht zur Debatte“, sagte Sprecher Stefan Heß. „Uns ist der Standort Preungesheim wichtig und wir werden einen neuen Kooperationspartner suchen.“ Das könnte etwa ein Kiosk sein wie in Praunheim, oder ein Supermarkt oder anderer Einzelhandel.

Kompetente Beratung

„Wir werden die Möglichkeiten in alle Richtungen prüfen“, so Heß. Daher sei es beispielsweise auch möglich, dass die Post in den Räumlichkeiten an der Jaspertstraße 5 bleibt.

Das wäre auch für die Postkunden die beste Variante. „Ein Kiosk kann unmöglich die kompetente Arbeit der Postmitarbeiter ersetzen“, sagt Viktor Kalla. „Für viele ist ja auch die Beratung in der Filiale wichtig.“ Auch Diana Fischer vom Nachbarschaftsverein sieht die mögliche Kooperation der Post mit einem Kiosk kritisch. „In der Filiale hier kommen täglich hunderte Pakete an, die kann ein Kiosk unmöglich lagern“, sagt sie. Auch die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt möchten die Filiale in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft halten. „Ich bringe mehrmals wöchentlich die Einschreiben aus der JVA hierher“, sagt eine Bedienstete. Wäre die Post weiter weg, müsste sie einen Umweg gehen. „Da ich kein Auto habe, wäre das sehr umständlich.“

Noch bis Montag, 26. November, sammeln Diana Fischer und ihr Team Unterschriften gegen die Schließung der Post und Postbank. Weitere Informationen dazu gibt es online unter www.preungesheim.net. „Da kann man sich auch direkt ein Formular herunterladen, ausdrucken und ausgefüllt im Nachbarschaftsbüro abgeben“, sagt Fischer. Die fertige Liste werden sie und ihre Mitstreiter am Dienstag, 27. November, um 19.30 Uhr in der Sitzung des Ortsbeirates 10 übergeben.

Auch bei der gestrigen Protestaktion waren Mitglieder des Ortsbeirates anwesend – und haben schon ihre Unterstützung zugesagt.

(VON CAROLIN C. CZICHOWSKI)

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