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Anwohner sauer: Radweg statt Parkplatz – und niemand hat sie informiert

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Von: Brigitte Degelmann

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Zu sehen ist der neu asphaltierte, zwei Meter breite Radweg im Marbachweg. Ein Schild weist ihn als Radweg aus, daneben ein Fußgängerweg. Direkt auf dem Radweg und auf dem Fußgängerweg parken Autos.
Das könnte teuer werden: Seit der Fahrradstreifen entlang des Marbachwegs einen neuen Belag bekam, herrscht dort Parkverbot. Nach Aussage der Anlieger patrouilliert dort seitdem regelmäßig die Verkehrspolizei. © sauda

Nach der Sanierung des Asphalts fallen im Marbachweg in Franfurt plötzlich 17 Parkplätze weg. Stattdessen gibt es nun einen breiteren Radweg – zum Unmut der Anwohner.

Frankfurt – Wie schwierig es in Frankfurt sein kann, einen Parkplatz in der Nähe der Wohnung zu finden, wissen viele Autofahrer nur allzu gut. Im Marbachweg haben sich diese Nöte nun noch verschärft: Weil in dem gut 200 Meter langen Abschnitt zwischen Eschersheimer Landstraße und Bertramstraße der Fahrradweg saniert wurde, fielen kürzlich 17 Stellplätze weg. Aus Sicherheitsgründen, wie es vonseiten der Stadt heißt. Was Bürger und Ortsbeiräte besonders ärgert: Weder die Stabsstelle Radverkehr im Verkehrsdezernat noch das Amt für Straßenbau und Erschließung hatten sie über diese Maßnahme informiert.

Seit 43 Jahren wohne sie an diesem Abschnitt des Marbachwegs, sagt Rosa Ulpts. Immer habe man dort parken dürfen. So witterten die Anlieger auch kein Ungemach, als Mitte Dezember 2021 Baumaschinen anrückten, um auf der Südseite der Straße Sanierungsarbeiten vorzunehmen. Schließlich war der dortige Radweg, der zwischen dem Gehweg und den bisherigen Stellplätzen verläuft, von Rissen und Schlaglöchern durchzogen. Zwar wunderten sich einige Anwohner, dass die Fläche nun durchgängig asphaltiert wurde – ohne einen Tiefbordstein wie zuvor, der für eine optische Trennung zwischen Parkplätzen und Fahrradtrasse gesorgt hatte. Doch weil das Areal noch genauso breit ist wie vor den Bauarbeiten und weil kein Schild darauf hinweist, dass hier keine Fahrzeuge mehr stehen dürfen, nutzten sie es nach Ende der Baumaßnahme wieder, um dort ihre Autos abzustellen.

Frankfurt Marbachweg: Radweg wurde saniert – mit „kleiner“ Abwandlung

Ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte. Ab Januar 2022 tauchten nämlich regelmäßig städtische Verkehrsüberwacher im Marbachweg auf, die Knöllchen unter die Scheibenwischer klemmten. Auch Rosa Ulpts erwischte es, 55 Euro soll sie nun zahlen. Ein Unding, ärgert sie sich: „Ich finde es unmöglich, so etwas zu machen, ohne die Leute zu informieren, die hier wohnen.“ Mittlerweile kämen die Verkehrsüberwacher oft zweimal pro Tag, um Strafzettel zu verteilen. Auch eine weitere Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist über die Neuregelung alles andere als glücklich. Nach einem Schlaganfall sei sie stark gehbehindert, erzählt die Frau. Um so wichtiger sei es für sie, nah an ihrer Wohnung parken zu können. Jetzt aber dürften nicht einmal Taxis hier halten, ebenso wenig wie Liefer- und Pflegedienste. „Eine schwierige Situation“, klagt sie.

Ebenfalls verärgert zeigt sich Friedrich Hesse, Ortsvorsteher für den Ortsbezirk 9 (Eschersheim, Ginnheim, Dornbusch) – vor allem über die Tatsache, dass die Stadt weder Bürger noch Ortsbeirat über die Maßnahme informiert habe. Erst auf Nachfrage im Amt für Straßenbau und Erschließung und in der Stabsstelle Radverkehr hin habe er von der Neuregelung erfahren. „Wir sollten unsere Meinung dazu sagen dürfen. Wofür sind wir eigentlich noch da?“, zürnt Hesse. Zahlreiche Anwohner hätten sich bereits bei ihm beschwert. Ihren Groll kann der Ortsvorsteher nachvollziehen. Dass 17 Parkplätze einfach weggefallen seien, sei weder umsichtig noch nachhaltig: „Man muss sich darum kümmern, wo die Leute ihre Autos unterbringen können.“

Frankfurt – Ortsbeirat 9 fühlt sich in Sachen Radwege übergangen

Wegen der Parkplatznot im Viertel habe der Ortsbeirat schon mehrmals den Bau einer Quartiersgarage vorgeschlagen, zum Beispiel in der Nähe der Wöhlerschule. Doch diese Anträge habe der Magistrat bisher abgeschmettert. Auch Ortsbeiratsmitglied Manfred Höfken (SPD) kann über das Handeln des Verkehrsdezernats nur den Kopf schütteln: Mit dieser Vorgehensweise würden die Interessen der betroffenen Bürger „grob fahrlässig“ ignoriert, schimpft er. Da ist es kaum verwunderlich, dass auf der Tagesordnung für die kommende Sitzung des Stadtteilgremiums entsprechende Anträge stehen.

Der Ortsbeirat 9 tagt

am Donnerstag, 17. Februar, um 19.30 Uhr im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Straße 2.

Stefan Lüdecke, Referent im Verkehrsdezernat, verweist darauf, dass es sich bei den Arbeiten nur um eine kleine Sanierungsmaßnahme von kurzer Dauer gehandelt habe: „Deshalb gab es auch kein Infoschreiben vorab.“ Nach Ende der Arbeiten habe es jedoch massive Beschwerden von Radfahrern und Fußgängern im Hinblick auf die Verkehrssicherheit gegeben. Unter anderem wegen der Gefahr durch sogenannte „Dooring“-Unfälle, bei denen Radfahrer gegen sich plötzlich öffnende Autotüren prallen. Daraufhin habe man sich für den Wegfall der Parkplätze entschieden. In diesem Zusammenhang erinnert Lüdecke an einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dem zufolge Radwege künftig mindestens zwei Meter breit sein sollen. Diese Vorgabe lasse sich am Marbachweg nur durch den Verzicht auf die Stellplätze umsetzen.

Radwege Frankfurt: Entscheidung über Ausbau ist Sache der Stadt

Auch Hesses Vorwurf, dass die Stadt hier den Ortsbeirat hätte einbeziehen müssen, weist der Referent zurück: „Da es sich an dieser Stelle um eine Frage der Verkehrssicherheit handelt, die alleine der Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde unterliegt, ist eine Beteiligung des Ortsbeirats nicht erforderlich.“ Ein Zugeständnis will er immerhin machen: „Wir werden die unmittelbaren Anwohner aber noch über die Maßnahme per Infoblatt informieren.“ Für den Ortsvorsteher kommt das viel zu spät: „Jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.“ (Brigitte Degelmann)

Nicht nur im Marbachweg sorgt der Ausbau der Frankfurter Radwege für Unmut. Auch am Oeder Weg gibt es wegen der Radspuren Diskussionsbedarf.

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