Im Bolongarogarten konnten die Besucher an den Flohmarkt-Ständen vorbeischlendern.
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Im Bolongarogarten konnten die Besucher an den Flohmarkt-Ständen vorbeischlendern.

Nachbarschaft und Nostalgie

  • vonGernot Gottwals
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In der Bolongarostraße feierten Nachbarschaft und Nostalgie wenige Meter entfernt voneinander – und entführten mehrere hundert Besucher auf eine Reise durch die Kulturen der Welt.

Beim Nachbarschaftsfest des „Bunten Tischs“ zum Europäischen Nachbarschaftstag weht ein Hauch von Orient durch den Innenhof der Bolongarostraße 122. Zunächst erklärt der Vorsitzende des Vereins für Deutsch-Pakistanische Begegnungen, Amir Mansoor, die wichtigsten Schritte und Drehungen, dann erklingt orientalische Musik, der Sänger erzählt von Liebe und Leid. Und eine bunte Truppe von Tänzern verschiedenster Länder wirbelt flink umher und schwingt passend zum Rhythmus verschiedenfarbige Tücher.

„Der Tanz heißt Ya Ourban, die Ballade kündet von einem Sänger, der bereit ist, für die Liebe seines Lebens alles zu opfern“, erklärt Mansoor. Wichtig ist jedoch die eingängige Melodie, die zum Mittanzen geradezu auffordert. „Da wir ein Nachbarschaftsfest sind, wollen wir, dass sich jeder bei uns zum Mitmachen eingeladen fühlt“, betont Michaela Kugler, Sprecherin der Initiative Bunter Tisch – Höchst Miteinander. Weitere Tänze aus Italien führt die Associazione Centro Culturale auf, am Büfett locken Spezialitäten des Deutsch-Pakistanischen Begegnungsvereins und des Eritreischen Kulturvereins. Wenige Meter weiter lädt der Verein Westkunst Nied Kinder und Erwachsene zu kostenlosen Mal- und Bildhauerkursen. „Y-Tong-Steine eignen sich für Anfänger besonders gut zur Bearbeitung“, erklärt Rainer Topf. Neben ihm widmet sich Pooja Batra einem zersägten Stein, meißelt und feilt daraus einen Kerzenständer. „Eine kreative und zugleich meditative Arbeit“, findet sie.

„Seit einem Jahr haben wir unsere Räume neben dem „Bunten Tisch“ in der Bolongarostraße 122, wir helfen uns gegenseitig wie gute Nachbarn“, betont Spomenka Aleckovic, Vorsitzende der Westkunst Nied. Und sie teilen auch die Sorge um zukünftige Räume, da das Gebäude schon bald für einen Neubau abgerissen werden soll (wir berichteten). Erst vor kurzem lernte der „Bunte Tisch“ über den Vereinsring Höchst den Deutsch-Pakistanischen Begegnungsverein kennen. „Trotzdem machen sie schon dieses Jahr bei unserem Nachbarschaftsfest mit, ebenso die Organisation ,Teachers on the Road‘. Und obwohl die Eritreer wegen eines Trauerfalls kurzfristig absagen mussten, haben sie unser Büfett reich befüllt“, freut sich Michaela Kugler.

Neuer Platz gesucht

Entstanden ist der Bunte Tisch vor sieben Jahren als Initiative Höchster Bürger zum gegenseitigen Verständnis und guten Miteinander aller Menschen. „Wir sind aus dem Höchster Stadtgespräch ,Kulti Multi‘ hervorgegangen und wollten uns dafür einsetzen, dass Menschen im Stadtteil verschiedener Herkunft als Nachbarn nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben“, sagt Michaela Kugler. Zum Angebot gehören auch Kochkurse und das Suppenfest. Zuwendungen gibt es vom Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft, so dass der Eintritt für die Nachbarschaftsfeste frei ist, Speisen und Getränke gegen Spenden angeboten werden. „Das erste Fest haben wir im Lindenviertel und der McNair-Kaserne gefeiert. Nun fühlen wir uns hier wohl, werden aber schon bald einen neuen Platz suchen müssen, vielleicht in einem Schulhof.“ Der Nostalgie-Flohmarkt hat seinen Platz im Garten des Bolongaropalasts gut gewählt: Rund 300 Besucher kommen schon beim ersten Mal. Sie lassen sich vom Charme des Barockgartens und dem Duft von Bratwürsten und Crêpes verzaubern und stöbern nach Kunst und Trödel, vom Speicher der Großeltern bis zu Kunstwerken. „Die einzige Bedingung ist, dass keine kommerzielle Ware verkauft wird“, betont Organisatorin Anna Monaco, auch Kinderbeauftragte in Höchst.

Beim Schlossfest wieder

Viele Beschicker des Flohmarkts hat sie über Facebook oder einem Aufruf in dieser Zeitung gefunden. Zu den Hinguckern gehören die französischen Silikonpuppen, die Jaqueline Fiesel feilbietet: „Die habe ich über eine Freundin bei einer Haushaltsauflösung bekommen.“, Der Künstler Jan Heartmann verkauft selbst hergestellte Etuis aus Comics und Zeitungen, nebenan sind dänisches Porzellan oder eine Adler-Schreibmaschine zu haben. „Zunächst wollten wir den Markt am Höchster Mainufer veranstalten“, sagt Anna Monaco. Doch dort gab es Probleme. Nun wissen die Händler den Garten bei einer Standgebühr von 25 Euro zu schätzen: Dort können die Besucher einen richtigen Rundgang machen. Nahezu alle Teilnehmer wollen beim nächsten Nostalgieflohmarkt zum Höchster Schlossfest am 12. Juli wieder mit dabei sein.

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