Die Frankfurter Krautpop-Band Newmen spielt morgen im Garten des Liebieghauses.
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Die Frankfurter Krautpop-Band Newmen spielt morgen im Garten des Liebieghauses.

Konzert in Sachsenhausen

Nachricht aus der alten Nachbarschaft

  • VonDetlef Kinsler
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Kraftwerk-Schlagzeuger Wolfgang Flür zu Gast bei Newmen

Es war noch ganz zu Beginn der Pandemie, da suchten sich die Menschen schon angesichts drohender Lockdowns und Quarantäne ihre Freiräume fern aller Menschenansammlungen und draußen an der frischen Luft. Wenn man da den Stadtwald vor der Haustüre hat wie in Sachsenhausen, kann man sich glücklich schätzen. Zumal, wenn sich wie bei Joerg Schmidt, einem der Multiinstrumentalisten der Frankfurter/Berliner Band Newmen, beim Spaziergang mit der Freundin noch Geistesblitze kommen. "Da war unser neues Album schon so gut wie fertig, aber einer der Songs, die ich dafür geschrieben hatte, existierte nur als unfertige Aufnahme", erzählt der Musiker, der Gitarre, Bass und Synthesizer spielt und auch singt. "Wir wussten noch nicht, was wir damit machen sollten, nur instrumental wollten wir sie nicht lassen." Während ihm das alles durch den Kopf schoss, fiel ihm plötzlich ein: "Morgens beim Kaffeetrinken hatte ich noch einen Bericht gelesen über das Open Source Festival mit einem kleinen Interview mit Wolfgang Flür." Der E-Schlagzeuger war Mitglied von Kraftwerk, als das Quartett legendäre Alben wie "Autobahn" und "Die Mensch-Machine" aufnahm. Und da nicht wenige Kritiker Newmen aufgrund ihrer elektronischen Sounds zu den rockigen Gitarrenklängen gerne in Düsseldorf verorten würden, ist es ein leichtes, die Verbindung herzustellen. Warum also sollte man Flür nicht einfach einmal anfragen, ob er nicht Lust hätte, als Gast auf der neuen Platte dabei zu sein?

Frankfurter unter sich

"Da habe ich noch im Wald Facebook geöffnet und nach einem Kontakt geguckt, und da ich den Song zufällig noch auf dem Handy hatte, habe ich ihm den gleich geschickt", gibt er lachend zu, dass er bei seiner spontanen Nachricht auf Tipp- und Kommafehler nicht geachtet hatte. "Ich habe eh gedacht, das passiert nicht", gibt er unumwunden zu. "Wir kamen nach Hause und da war schon eine Mail von ihm angekommen: Den Song finde ich super. Eigentlich hätte ich in Portugal spielen sollen, aber wegen Corona sitze ich zu Hause und habe Zeit." Eine glückliche Fügung. Was Flür, gerade 74 geworden, auch für die jungen Kollegen einnahm, war die besondere Ansprache durch Schmidt. "Ich wohne in Sachsenhausen am Schweizer Platz", schrieb er ihm. "Ich schreibe Dir also aus Deiner alten Nachbarschaft und bin gerade an Deiner alten Schule vorbeigekommen." In Frankfurt geboren, ging Flür auf die Textorschule, wuchs in der Rubensstraße auf. "Als ich dann das erste Mal mit ihm telefonierte, haben wir am Anfang nur über Frankfurt und Sachsenhausen geredet und übers Handkäsessen und gar nicht über Musik. Und dann hat er das gemacht." Das ist ein Song namens "Futur I", dessen Text er als Meditation über Gegenwart und Zukunft ("Diese Welt ist vergangen, eine neue Gegenwart beginnt.") geschrieben und mit markanter Stimme eingesprochen hat für ein Album, das Joel Ameloot, Martin Heimann, Timm Kroner, Simon Rauland und Joerg Schmidt "Futur II" genannt haben und am 6. August erscheint und das sie vorab am Donnerstag ab 19 Uhr in der Reihe "LH Live" im Garten des Liebieghauses, Schaumainkai 71, vorstellen.

Man darf gespannt sein, wie sich die Musik des Quintetts in diesem speziellen Ambiente entfalten wird. DETLEF KINSLER

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