Cornelia Saalfrank in einer der bewohnbaren Skulpturen. Sie hat die Ausstellung im Metzlerpark initiiert und selbstverständlich auch eine Nacht dort verbracht.
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Cornelia Saalfrank in einer der bewohnbaren Skulpturen. Sie hat die Ausstellung im Metzlerpark initiiert und selbstverständlich auch eine Nacht dort verbracht.

Kunst im öffentlichen Raum

Nachts im Skulpturenpark

Eine besondere Schau lockt nach in den Metzlerpark

Ein Geruch von Lehm und grünem Gras durchströmt den kleinen, runden Raum, der mit einem Doppelbett und einem schmalen Regal eingerichtet ist. An der Wand ist ein Flachbildfernseher befestigt, darauf zu sehen sind Wettervorhersagen. So, wie sich dieser Raum zeigt, ist überraschend und nicht zu erwarten gewesen beim Eintritt in den mit Gras bewachsenen Hügel, der sich auf einer Fläche im Metzlerpark am Sachsenhäuser Museumsufer erhebt. Eigentlich sind es sogar zwei Hügel, die im ersten Moment an die Behausung von Hobbits erinnern, jenen Protagonisten aus den Büchern von J.J.R. Tolkien "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe".

Die Idee zu dieser bewohnbaren Skulptur geht zurück auf die französische Künstlerin und Filmemacherin Laure Prouvost. Die hügelige Form des Werks, so ist es auf einem Schild zu lesen, greift die der weiblichen Brust auf - interpretiert als ein Symbol für Mutter Erde und den Kreislauf des Lebens. Und wer sich im Inneren des einen Hügels mit dem kleinen, runden Raum aufhält, der fühlt sich der Natur tatsächlich sehr nah.

Das Stadtoberhaupt übernachtete hier

Seit dem 26. Juni ist das Kunstwerk als Teil des Projekts "tinyBe: living in a sculpture" erfahrbar als eine von sechs bewohnbaren Skulpturen, die im Metzlerpark noch bis morgen ausgestellt sind. Man konnte darin sogar übernachten, 40 Mal wurde dieses Angebot wahrgenommen, erzählt Projektinitiatorin Cornelia Saalfrank. Besonders beliebt gewesen sei auch die Arbeit von Terence Koh, die wie ein Baumhaus erscheint, sowie die von Thomas Schütte, dessen bewohnbare Skulptur am ehesten an ein kleines Haus erinnere. Darin habe auch Oberbürgermeister Peter Feldmann übernachtet.

Frankfurt war der zentrale Ausstellungsort des Projekts, das als eine lebendige Plattform für künstlerische Visionen definiert ist und Kunst, Wissenschaft und Architektur zusammenbringt. Neben der Mainmetropole ist noch bis morgen in Darmstadt und Wiesbaden jeweils eine bewohnbare Skulptur zu sehen. Es ist auch ein experimentelles Projekt, eines, das einen Raum für Diskussionen über mögliche Wohnmodelle oder auch Lebensformen schaffen möchte.

"An allen drei Standorten hatten wir rund 20 000 Besucher, insgesamt 45 Übernachtungen hat es in den drei Städten gegeben", sagt Saalfrank. Eine Erfahrung, die aber auch nicht ganz günstig ist. Unter der Woche hat die Übernachtung 120 Euro gekostet, am Wochenende 180 Euro. Die Idee des "tinyBe-Projekts" soll künftig fortgeführt werden - in Form einer Biennale oder Triennale, also alle zwei oder drei Jahre. In anderen Städten, in anderen Ländern.

Auf die Frage, ob und in welcher Skulptur sie selbst übernachtet habe, zeigt Saalfrank beim Rundgang auf die Arbeit eines interdisziplinär arbeitenden Kollektivs aus Künstlern, Wissenschaftlern und Architekten, das sich "My-Co-X" nennt. Das Besondere ist, dass die Gruppe hierfür einen nachhaltigen Rohstoff genutzt hat - Pilze, die nachwachsen. "Damit wurden die rautenförmigen Elemente aus Sperrholz beschichtet", erklärt es die Projektinitiatorin. Die Form dieser bewohnbaren Skulptur ist angelehnt an Raumkapsel-Entwürfe der russischen Architektin Galina Balaschowa, die Rautenelemente dabei jedoch nicht so aneinandergereiht, dass sie perfekt zueinander abschließen. Stattdessen dringt Luft durch die Zwischenräume und lässt die dunkle Nacht erfahrbar machen. "Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis", sagt Saalfrank. Geschlafen wird darin auf Futons. Wem die Unterlage zu hart ist, der kann sich zusätzlich eine Luftmatratze aufpumpen. Die letzte Möglichkeit zu einer Übernachtung gibt es am heutigen Samstag. Mehr dazu: https://tinybe.org im Internet.

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