+
?Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreitet das Feuer nie?: So singt Wotan, als er seine Tochter verbannt. Gelangt Siegfried zu Brünnhilde, die Stadt zu einer Entscheidung? Das Ringen um Neubau oder Sanierung von Oper und Schauspiel hat wagnerianische Dimensionen.

Zukunft von Schauspiel und Oper

Debatte um Umbau oder Sanierung der Städtischen Bühnen: Stabsstelle gibt neue Expertise in Auftrag

Neubau oder doch Sanierung? Letztlich geht es nur ums Geld. Deshalb soll jetzt nochmals der Baubestand der Städtischen Bühnen von Spezialisten genau unter die Lupe genommen werden. Und bis September eine verbindliche Empfehlung vorliegen.

Frankfurt - Im Ringen um die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt werden die Weichen neu gestellt. Die städtische Stabsstelle für Oper und Schauspiel will jetzt umfangreiche neue Untersuchungen zu der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz vergeben. Aufträge gehen an spezialisierte Firmen hinaus. Das Ziel: Es soll möglichst schnell geklärt werden, ob nicht doch noch eine Sanierung des 1963 eröffneten riesigen Gebäudes möglich ist.

Dahinter steht die Hoffnung der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen, dass eine Investition von bis zu 900 Millionen Eurovermieden werden kann. Am 2. Juni 2017 hatten Gutachter im Auftrag der Stadt eine erste Bestandsanalyse samt Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Rund 6,3 Millionen Euro hatten die mehr als zwei Jahre dauernden Untersuchungen des Bauwerkes gekostet.

Kosten für Umbau oder Sanierung der Städtischen Bühnen: Schock sitzt tief

Die Resultate schockten die Stadtgesellschaft und die Kommunalpolitik. Eine Sanierung im Bestand ohne Interimslösung sollte 868 Millionen Euro kosten. Die Sanierung bei vorübergehender Auslagerung von Oper und Schauspiel an einen anderen Ort wurde mit 848 Millionen Euro veranschlagt. Ein Neubau der Städtischen Bühnen einschließlich von Übergangsspielstätten wurde mit 889 Millionen Euro kalkuliert.

Jetzt sollen fünf Firmen, die allerdings bereits an der Machbarkeitsstudie mitgewirkt hatten, ihre eigene Arbeit noch einmal vertiefen und weiterführen. Insgesamt 89 Fragen hat die Stabsstelle Städtische Bühnen unter der Leitung des erfahrenen Managers Michael Guntersdorf an die Spezialisten adressiert. Eines ist schon jetzt klar: Eine Sanierung des Bühnengebäudes „im Bestandsschutz“ ist nach Ansicht der Fachleute unmöglich. „Im Bestandsschutz“ nämlich bedeutet: Das riesige Haus würde saniert, ohne dass es Veränderungen gibt, für die es einer offiziellen Baugenehmigung bedarf. Das schließen die Spezialisten inzwischen aus, wie Guntersdorf sagt.

Lesen Sie auch:  Bühnen-Neubau wird immer wahrscheinlicher

Bis Ende März, das erwartet der Stabsstellenleiter, sollen die Fachleute Ergebnisse liefern. Auf der Basis dieser erneuten Expertise wolle das Gremium dann bis Ende September den Kommunalpolitikern „eine verbindliche Empfehlung“ vorlegen – Sanierung oder aber Neubau der Bühnen.

Der Lenkungsausschuss Bühnen der Kommunalpolitiker hatte sich noch unmittelbar vor Weihnachten 2018 konstituiert. Ihm gehören neben Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) auch Bürgermeister Uwe Becker, Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) an.

Zahlreiche Fragen kreisen um den unzureichenden Brandschutz und die zum Teil marode Haustechnik von Oper und Schauspiel, also Heizung, Lüftung und vieles mehr. Zu klären ist, ob sie erneuert und den neuesten verschärften Vorschriften angepasst werden können, ohne dabei das Gebäude vollständig abzubrechen.

Platz für die Technik

Geprüft wird auch, ob eine neue Technikzentrale vollständig ausgelagert werden könnte. Und der Untersuchungsauftrag umfasst auch eine Auslagerung der Theater-Werkstätten aus dem eigentlichen Bühnengebäude, um so Platz zu schaffen für die notwendigen technischen Anlagen. Allerdings waren diese Werkstätten erst vor wenigen Jahren für rund 70 Millionen Euro neu entstanden.

Um all diese Fragen zu beantworten, sollen die Spezialfirmen die Gebäudesubstanz selbst nicht mehr antasten. Bei deren Bewertung will man auf die Resultate der Machbarkeitsstudie von 2017 zurückgreifen. Zwischen 2015 und 2017 waren an rund 1000 Stellen in der Doppelanlage Wände, Decken und Böden für Untersuchungen geöffnet worden.

Schließlich zielt die Politik auch auf eine weitere Variante: Sie lautet: Neubau der Oper an einem noch zu definierenden Ort möglichst im Stadtzentrum und Verbleib des Schauspiels in einem dann sanierten Altbau. Am Ende fordert die Stabsstelle von den fünf beauftragten Firmen auch eine neue Berechnung der jeweiligen Kosten.

Der Zeitplan mit einer Grundsatzentscheidung über Neubau oder Sanierung im Herbst provoziert insbesondere bei den Grünen im Römer Stirnrunzeln. Sie drängen schon seit geraumer Zeit auf einen grundsätzlichen Richtungsbeschluss und hatten gehofft, dass dieser noch vor den Sommerferien gefasst werden kann. „Ich finde die erneute Verschiebung sehr ärgerlich“, urteilt ihr kulturpolitischer Sprecher Sebastian Popp.

Die Stabsstelle unter der Leitung von Michael Guntersdorf ist auf sieben Köpfe angewachsen. Nach der stellvertretenden Direktorin des Deutschen Architekturmuseums, Andrea Jürges, ist jetzt Wulfila Walter zum Team gestoßen. Der Grüne war bis Sommer 2016 Büroleiter des damaligen Planungsdezernenten Olaf Cunitz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare