Dann bau? ich mir meine Haltestelle eben selbst: Links die neue Wunschhaltestelle, rechts die Straßenbahn, die vorüber braust.
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Dann bau? ich mir meine Haltestelle eben selbst: Links die neue Wunschhaltestelle, rechts die Straßenbahn, die vorüber braust.

Student zimmert sich eigene Haltestelle

Nächster Halt: Strahlenberger Weg

  • Stefanie Liedtke
    VonStefanie Liedtke
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Mit einer ungewöhnlichen Aktion will ein Oberräder seiner Forderung nach einer zusätzlichen Straßenbahnhaltestelle Nachdruck verleihen. Ingmar Bolle, persönlicher Referent des Verkehrsdezernenten Stefan Majer, findet das alles andere als lustig.

Mal ehrlich – Sie hätten doch bestimmt auch gern eine Haltestelle vor der Tür, oder? Na dann: Nix wie ab in den Baumarkt. Zugegeben, ein wenig handwerkliches Geschick könnte nicht schaden, sonst sieht’s am Ende ja nach nix aus. . .

Einer, der sich seine eigene Haltestelle „Strahlenberger Weg“ gezimmert hat, ist Cajus Heubner. Sogar überdacht ist sie, was man ja längst nicht von jeder öffentlichen Haltestelle sagen kann. Da kann es schon mal vorkommen, dass das Verkehrsdezernat erst einmal bei der Verkehrsgesellschaft VGF nachfragt, ob sie dort möglicherweise eine Ersatzhaltestelle eingerichtet habe. . .

Kunst oder Guerilla?

Bloß die Straßenbahnen, die wollen einfach nicht anhalten. Doch Heubner ist wild entschlossen, das zu ändern. Die Idee zu dem Projekt – das er „irgendwo zwischen Kunstinstallation und Guerilla-Aktion“ ansiedelt – kam ihm gemeinsam mit seiner Bekannten Paola Wechs. Beide engagieren sich auch beim noch in der Gründungsphase befindlichen Kunst- und Kulturverein Seilerbahn.

Bereits seit Mitte März steht die mit Hilfe von Heubners Azubis gezimmerte Haltestelle an der Offenbacher Landstraße, war während der Luminale sogar beleuchtet, und bis jetzt habe sich niemand daran gestört, betont der Architekturstudent. „Im Gegenteil: Wir haben nur positives Feedback bekommen.“ Die benachbarte Feuerwehr würde eine Haltestelle dort ebenso begrüßen wie die ansässigen Firmen, sagt Heubner. Auf die Nutzer der Moschee will er noch zugehen, um möglichst viele Unterstützer für sein Anliegen zu gewinnen. Dann will er sich noch mal ganz offiziell an die Stadt wenden.

Mit dem Kontakt zur Stadtverwaltung indes könnte es schneller gehen, als Heubner lieb ist. Ingmar Bolle, persönlicher Referent des Verkehrsdezernenten Stefan Majer findet die Aktion nämlich alles andere als witzig: „Das ist nicht so meine Art von Spaß.“ Die „Haltestelle“ stehe mitten auf dem Gehweg. Bolle: „Was, wenn da jemand stürzt?“ Zu allem Überfluss lägen Kabel herum. Wer sich für eine zusätzliche Haltestelle einsetze, könne sich an den Ortsbeirat oder an die lokale Verkehrsgesellschaft Traffiq wenden, betont Bolle.

Künftig öfter mitmischen

Letztere winkt ab: „Grundsätzlich können wir natürlich den Wunsch der Fahrgäste verstehen, wenn sie eine Haltestelle vor der Tür haben wollen“, betont Traffiq-Sprecherin Kirsten Anlauf. Allerdings koste die Einrichtung einer Straßenbahnhaltestelle etwa 1 Million Euro. Im Fall des Strahlenberger Wegs sei die für Innenstädte wünschenswerte Maximal-Entfernung zur nächsten Haltestelle von 400 Metern nur um 20 Meter überschritten. Da stünden Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis.

Heubner will sich nicht so schnell geschlagen geben. „Das wird nicht unsere letzte Aktion sein. Wir wollen uns künftig öfter in die Stadtpolitik einmischen“, kündigt er an. Das verspricht, spannend zu werden. . .

(stef )

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