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Narren in Frankfurt sagen Fastnachts-Kampagne ab: „Wir konnten nicht länger warten“

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Von: Thomas J. Schmidt

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Enttäuscht und traurig, dass sie den Frankfurter Fastnachtszug nun schon zum zweiten Mal absagen müssen (von links): der Vizepräsident des Großen Rates, Peter Schmidt, Präsident Axel Heilmann und Pressesprecher Uwe Forstmann.
Enttäuscht und traurig, dass sie den Frankfurter Fastnachtszug nun schon zum zweiten Mal absagen müssen (von links): der Vizepräsident des Großen Rates, Peter Schmidt, Präsident Axel Heilmann und Pressesprecher Uwe Forstmann. © Großer Rat

Wegen der Pandemie gibt es zum zweiten Mal in Folge keine Fastnachtsumzüge. Doch das ist auf lange Sicht nicht das einzige Problem der Vereine in Frankfurt.

Frankfurt – Es wird die zweite Fastnacht ohne Fastnacht sein: Der Große Rat der Karnevalvereine, Dachverband von mehr als 50 Fastnachtsvereinen in Frankfurt, hat gestern alle Veranstaltungen abgesagt: Den Fastnachtsumzug – mit 4500 Teilnehmern, 340.000 Zuschauern und vier Kilometern Zugweg in normalen Zeiten der größte in Hessen – die Sitzungen Rosa Cloudchen, die Kinder- und Jugendsitzung sowie die beiden großen Tanzturniere. Auch der Umzug durch Klaa Paris fällt in diesem Jahr aus.

Es ist das zweite Mal, dass die Fastnacht coronabedingt abgesagt werden muss. Der Große Rat hat die "Reißleine" gezogen: "Wir haben wirklich bis zu guter letzt versucht, einen Weg zu finden, um Zug und Veranstaltungen doch möglich zu machen. Aber unsere Verantwortung gegenüber allen Fastnachtsbegeisterten betreffend Gesundheit hat uns keine andere Wahl gelassen", sagte Axel Heilmann, Präsident des Großen Rates.

Fastnachtabsage in Frankfurt: „Wir konnten nicht länger warten“

Ulrich Fergenbauer, der an der Spitze der Zuggemeinschaft Klaa Paris steht, hatte ebenfalls schon im Vorjahr den Heddernheimer Umzug absagen müssen. Jetzt wieder. "Das ist für uns sehr schade. Aber unser Umzug am 1. März 2022 war nicht kalkulierbar. Wir konnten mit der Absage nicht länger warten. Wir sind mitten in der vierten Welle, wir wissen nicht, was die Omikron-Virenvariante bringt, niemand weiß, wie das weitergeht."

Ein Problem für eine sogenannte Brauchtumsveranstaltung wie ein Fastnachtszug sei, dass das Hygienekonzept nicht nur für die Teilnehmer gilt, sondern auch für die Zuschauer. "Das wäre nur möglich gewesen, wenn wir die Straßen in Heddernheim abgesperrt hätten, damit jeder, der zuschauen will, seinen Impfstatus zeigt und die Zahl der Zuschauer limitiert werden kann. So etwas geht nicht, aus technischen und finanziellen Gründen." Für die Absage war es höchste Zeit, denn noch sind nicht allzu hohe Kosten angefallen. Dies wäre geschehen, wenn die heiße Phase der Planung dieser Tage begonnen hätte.

Mario Wollnik, der Zugmarschall des Großen Rats, zieht aus der Pandemie Folgerungen, die weit über die Fastnacht hinausreichen: "Das soziale Leben ist lahmgelegt. Alle Ehrenamtlichen in den Vereinen, ob Sport, Musik, ob Fastnacht, versuchen über die Runden zu kommen." Einnahmen gehen verloren. Dies zu kompensieren, wird schwer werden.

Fastnacht und Corona: Zukunft der Karnevalsvereine hängt von Impfquote ab

"Die Gesellschaft wird nicht mehr so sein, wie es vorher war, wenn die Vereine mit ihren Ehrenamtlichen ausfallen", fürchtet Wollnik. Er sieht die Schuld klar beim unsolidarischen Verhalten derjenigen, die sich nicht impfen lassen: "Querdenker gehen auf die Straße und begreifen nicht, was sie uns allen antun."

Bei einer Impfquote von 90 Prozent, ist Wollnik überzeugt, "könnten wir Fastnacht feiern." Jetzt hingegen fallen wieder 600.000 bis 700.000 Euro Umsatz weg – Einnahmen, die die Fastnachter bräuchten, um die nächste Kampagne zu finanzieren. Schon wieder. Und auch das Sponsoring aus der Wirtschaft könnte nachlassen – zum Schaden aller Vereine.

Ein anderes Problem der Fastnachtsvereine in Zeiten von Corona ist, dass der Nachwuchs ausbleibt. Nicole Schurr, Leiterin der Kinder- und Juniorengarde bei den Fidelen Nassauern, hat festgestellt: "Früher hatten wir mehr als 30 Mädchen in der Garde, heute nach fast zwei Jahren Corona sind es weniger als 20."

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Fünf bis sieben Teilnehmerinnen sind ausgetreten, andere mit 16 in die Garde übernommen worden, doch Kinder, die Kleinen ab vier Jahren, kommen kaum noch in den Verein. Warum auch, wenn man nicht mal auftreten kann. Dabei habe man sich auf die aktuelle Kampagne gefreut, habe Kostüme genäht und trainiert. "Noch sind unsere Vereinsveranstaltungen nicht abgesagt", hofft Nicole Schurr. "Aber ich bin nicht sicher, dass es so bleibt."

Andere Vereine haben ihre Saalveranstaltungen längst abgesagt. Nun ist auch der Große Rat diesem Beispiel gefolgt. "Die Raumkapazitäten wurden noch einmal herabgesetzt. In einem Saal mit 600 Plätzen kann man trotz 2G nur rund 400 Besucher begrüßen", erläutert Uwe Forstmann, Sprecher des Großen Rates, diese Entscheidung: Die Veranstaltungen finanzierten sich aber über die Eintrittsgelder, "und wenn nicht genug Gäste in die Säle dürfen, ist das finanziell nicht machbar."

So wird es wieder eine sehr leise Saison geben mit einem allenfalls traurigen "Frankfurt, Helau!" (Thomas J. Schmidt)

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