Kaum ist die Aufstockung in der Sachsenhäuser Fritz-Kissel-Siedlung fertig, geht es bald in der Adolf-Miersch-Siedlung weiter.
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Kaum ist die Aufstockung in der Sachsenhäuser Fritz-Kissel-Siedlung fertig, geht es bald in der Adolf-Miersch-Siedlung weiter.

Immobilien

Nassauische stockt weiter auf

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Eine Nachverdichtung ist in der Adolf-Miersch-Siedlung geplant.

Niederrad. Die Nassauische Heimstätte (NH) will in der Niederräder Adolf-Miersch-Siedlung mindestens 93 neue Wohnungen durch Nachverdichtung schaffen. Das geht aus einer Aufstellung des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) auf eine Frage der Linken im Römer hervor. Von den 93 Wohnungen entstehen 14 demnach durch Aufstockung.

Das Unternehmen hatte bereits bekannt gegeben, dass die Häuser Jugenheimer Straße 53-57, 59-61 und 63-65 zwei zusätzliche Stockwerke bekommen sollen. Josef führt in der Magistratsantwort aus, dass seit November Gespräche geführt werden, um über eine mögliche Aufstockung der Häuser Adolf-Miersch-Straße 32-34 und 40a-40b sowie des Hauses Adolf-Miersch-Straße 18 zu beraten. Da die Nassauische Heimstätte für diese Aufstockungen noch keine Baugenehmigung erhalten hat, könne noch keine weitere Detailplanung veröffentlicht werden, so der Dezernent.

Informationen erst im Januar

Da die nächsten Maßnahmen nun erst für 2023 geplant sind, könne die Nassauische auch hierzu noch nichts weiter ausführen. Das Wohnungsbauunternehmen, das zu knapp 29 Prozent der Stadt Frankfurt gehört, verweist auf Anfrage auf einen angedachten Pressetermin im Januar.

Die Nassauische Heimstätte will die 50er-Jahre-Siedlung laut Planungsdezernent Josef zudem mit Neubauten nachverdichten. Er berichtet von Bauvorbescheiden für die Errichtung von zusammen 75 Wohnungen im Bereich der Häuser Melibocusstraße 48 und 49.

Dass in der 50er-Jahre-Siedlung zunächst in der Jugenheimer Straße modernisiert und aufgestockt wird, ist seit über einem Jahr bekannt. Ursprünglich sollte im Februar des abgelaufenen Jahres Baubeginn sein. Die Arbeiten hatten aber erst im Sommer 2021 begonnen. Als Grund für die Verzögerung nennt die Stadt die von Mietern vorgetragenen Bedenken gegen die Sanierung. Inzwischen wurden Bäder und Heizungen erneuert, auf zwei Wohnblöcken - in der Jugenheimer Straße 59-61 sowie 63-65 - wurde das Dach abgetragen. Die Holzmodule für die zusätzlichen Stockwerke wurden aber noch nicht geliefert. Geplant sind zudem sechs aufgestockte Wohnungen auf der Jugenheimer Straße 53-57, der Baubeginn ist aber noch offen.

Schimmel in Wohnungen

Die Mieter sind wieder in die Häuser zurückgekehrt, nachdem sie teils mehr als drei Monate in Ersatzwohnungen ausquartiert waren. Offenbar ist bei den Bauarbeiten - wie zuvor in der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen - nicht alles glatt gelaufen: Einige fanden nasse Wände und Schimmel in ihren Wohnungen vor, weil Regen durchs provisorische Dach sickerte, schildert die Mieterinitiative Adolf-Miersch-Siedlung. So lange der Schaden behoben werde, zögen betroffene Mieter es nun vor, im Ersatzquartier zu bleiben.

Die genannten Wohnblöcke werden künftig über eine Hybridanlage aus einem Blockheizkraftwerk kombiniert mit einer Wärmepumpe beheizt. Die Fenster sollten dreifach verglast werden zur besseren Dämmung, die Türen aus brandschutztechnischen Gründen erneuert werden. Außerdem erhielten die Fassaden eine neue Verkleidung.

All das wird für höhere Mieten sorgen, im Schnitt zwei Euro mehr pro Quadratmeter laut NH. Die Linke im Stadtparlament kritisiert dies scharf . "Die Instandhaltung wurde jahrzehntelang nicht gemacht, und jetzt sollen die Mieter für die Modernisierung aufkommen. Das ist falsche Politik und pure Gentrifizierung", schimpft der Linken-Stadtverordnete Eyup Yilmaz. Stefanie Wehr

Auch im Westend wird geplant

Auch die Carl-von-Weinberg-Siedlung im Westend, die in den 1930ern im Zuge des Neuen Frankfurts entstanden ist, soll saniert und nachverdichtet werden. Das Stadtplanungsamt befindet sich derzeit mit den Immobilien-Eignerinnen, unter anderem der Deutsche Wohnen, in Gesprächen. Im Sinne einer Gesamtkonzeption für die Nachverdichtung der Siedlung würden die Gespräche gemeinsam mit den beiden betroffenen Unternehmen geführt. Das geht aus einer Antwort in der Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung hervor.

In diesem gemeinsamen Austausch sollen die Potenziale einer Nachverdichtung gemäß den Vorgaben und Zielen der "Leitlinie der Nachverdichtung der Stadt Frankfurt" und unter Beachtung der siedlungsspezifischen Struktur und Rahmenbedingungen erhoben werden, so der Magistrat. Konkrete Aussagen bezüglich der zu erwartenden Miethöhe könnten derzeit nicht getroffen werden.

Die "Leitlinie der Nachverdichtung der Stadt Frankfurt" definiert jedoch auch hierfür Grundsätze, die den weiteren Gesprächen mit den Eigentümerinnen zugrunde gelegt werden. Die Leitlinie habe auch das Ziel, dass einer Verdrängung der aktuellen Bewohnerschaft durch übermäßige Mieterhöhungen, ausgelöst durch das jeweilige Nachverdichtungsvorhaben, entgegenzuwirken sei.

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