Nazi büßt wegen Vergewaltigung

  • vonMatthias Gerhart
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Vier Jahre Haft wegen Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und schwerer Nötigung: Mit diesem Urteil endete vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 31-jährigen Mann aus der rechten Szene.

Vier Jahre Haft wegen Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und schwerer Nötigung: Mit diesem Urteil endete vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 31-jährigen Mann aus der rechten Szene.

Wegen mehrerer Taten an drei verschiedenen Tagen saß er auf der Anklagebank. Ein Abend voller Gewalt und sexueller Abartigkeiten mit einer heroinabhängigen Prostituierten in der Steinbacher Wohnung des Angeklagten hatte nur geringe strafrechtliche Folgen für ihn. Es sei nicht zweifelsfrei festzustellen gewesen, dass die Frau gegen ihren Willen sexuell gefügig gemacht worden sei. Sie hatte vor Gericht selbst erklärt, für 300 Euro „harten Sex“ vereinbart zu haben. Schließlich griff der Freier sogar zur Peitsche. Ein darüber gedrehtes Video aber zeigte das Geschehen nicht genau und konnte deshalb auch keine Verurteilung stützen. Rechtlich wertete die Kammer das Ganze lediglich als Nötigungsversuch – der Mann hatte der Frau zunächst verboten, die Wohnung zu verlassen.

Verurteilt wurde er allerdings wegen eines Übergriffs am Rande eines Volksfestes in Steinbach. Seinerzeit hatte er sich auf eine junge Erzieherin gestürzt, die sich gerade in ihr Auto setzen und fortfahren wollte. Nur weil ein Bekannter des schwer alkoholisierten Sittenstrolchs diesen zurückzog, kam die Frau mit dem Schrecken davon und die Tat blieb ein Versuch.

Das dritte Kapitel dieser „Geschichte aus dem Tollhaus“ (Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan) spielte dann wieder in der Wohnung des Mannes, der zwei Prostituierte zu sich gerufen hatte. Während er die eine auf dem Balkon aussperrte, vergewaltigte er die andere im Zimmer. Dass es gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gekommen war, steht für das Gerichts einwandfrei fest. Dies war dann der dickste Brocken innerhalb der vierjährigen Gesamtstrafe.

Der zweite Angeklagte, ein 25 Jahre alter Gesinnungsgenosse des Haupttäters, war nur bei dem Vorfall mit der heroinabhängigen Frau dabei und wurde deshalb freigesprochen, weil es ja juristisch gesehen keine Vergewaltigung war.

Richter Kaiser-Klan bemühte sich in der Urteilsverkündung, die politische Ausrichtung der beiden Nazi-Aktivisten aus dem Fall herauszuhalten: „Wir haben schließlich keine Gesinnungsjustiz.“

Der Nebenklagevertreter, aber auch der Staatsanwalt, der sechs Jahre und neun Monate Haft beantragt hatte, sind mit dem Strafmaß unzufrieden. Möglicherweise kommt es zur Revision beim Bundesgerichtshof.

(ge)

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