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Neckermann-Gebäude füllt sich

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Das Regierungspräsidium Darmstadt hat in das frühere Neckermann-Haus Duschen einbauen lassen.
Das Regierungspräsidium Darmstadt hat in das frühere Neckermann-Haus Duschen einbauen lassen. © Holger Menzel

Der Betrieb in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem früheren Neckermann-Gelände ist angelaufen. Mehr als 600 Flüchtlinge sind schon da, bis zu 2000 sollen es werden. Die Polizisten des zuständigen 7. Reviers mussten bislang nur wegen Kleinigkeiten ausrücken.

Die neue Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem früheren Neckermann-Gelände in Fechenheim füllt sich. Gestern Morgen waren dort nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt schon 603 Schutzsuchende untergebracht. Etwa die Hälfte von ihnen seien Männer, jeweils ein Viertel Frauen und Kinder. Ein Bus mit 50 weiteren Flüchtlingen wurde für den Nachmittag erwartet.

Seit dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge kurz vor Weihnachten hat sich die Einrichtung mit Platz für bis zu 2000 Menschen schnell zur größten Flüchtlingsunterkunft Frankfurts entwickelt. Die als Notunterkünfte genutzten Turnhallen bieten nur Platz für bis zu 300 Personen.

Nicole Ohly-Müller, Sprecherin des RP Darmstadt, zeigte sich gestern zufrieden mit dem Verlauf der ersten Tage. Die 20 Sozialarbeiter der Einrichtung, deren Trägerschaft der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) übernommen hat, seien zwar noch mit dem Aufbau beschäftigt, hätten aber schon 20 verschiedene Projekte ins Leben gerufen.

Für Montag sei der erste von mehreren Deutschkursen geplant. Außerdem gebe es schon eine Kleiderkammer, ein Spielzimmer für Kinder und einen „Infopoint“, an den sich die Bewohner bei Fragen wenden können. Mit gespendeten Notebooks sei auch ein Internetcafé eingerichtet worden, „allerdings hapert’s derzeit noch mit dem drahtlosen Empfang“.

Nicole Ohly-Müller berichtet weiter, dass jede ethnische Gruppe zwei Sprecher benannt habe, die sich immer mittwochs um 14 Uhr mit der Einrichtungsleitung treffen. Bei dem „Jour Fixe“ würden Anliegen der Gruppen aufgenommen, aber auch Informationen an die Bewohner weitergegeben. Die Einrichtungsleitung beziehe Flüchtlinge ein, wo es nur geht. Im Fall des Waschraumes, wo die Bewohner mitanpacken und etwas Geld verdienen können, klappe das beispielsweise gut.

Zu größeren Schlägereien unter Flüchtlingen oder Übergriffen aus dem rechtsradikalen Spektrum sei es auf dem Neckermann-Gelände nicht gekommen, sagt die Behördensprecherin. Das Frankfurter Polizeipräsidium bestätigt auf Nachfrage, dass es auf dem Areal seit Beginn der Belegung „nur kleinere Vorfälle“ gegeben habe, die von den Beamten schnell geregelt werden konnten.

So habe es im Dezember eine Auseinandersetzung zweier Afghanen über das Thema Alkoholkonsum gegeben. Bei der Durchsetzung eines Hausverbotes habe eine Streife den Sicherheitsdienst der Einrichtung unterstützen müssen. Und am vergangenen Mittwoch hätten sich 50 Flüchtlinge für eine Stunde vor dem Haus versammelt, um ihre Unzufriedenheit mit dem Essen und den Sanitäranlagen kundzutun. Polizisten hätten die Gemüter beruhigen können, sagte ein Polizeisprecher.

Polizeiintern war angesichts der künftigen Größe der Einrichtung schon eine personelle Aufstockung für das zuständige 7. Revier in Fechenheim im Gespräch. Dazu ist es bislang aber nicht gekommen. Falls erforderlich, würden die Beamten vom 5., 6. und 18. Revier (Ostend, Bornheim und Bergen-Enkheim) unterstützt, heißt es. Das Neckermann-Gelände wird nach Angaben der Polizei regelmäßig von Streifen angefahren. Zu jedem Schichtbeginn nehme der Dienstgruppenleiter mit der Einrichtung Kontakt auf. Als Kontaktbeamter fungiere der Leiter des 7. Reviers.

In Massenunterkünften für Flüchtlinge ist die Gefahr von Auseinandersetzungen besonders groß, wie Beispiele aus anderen Städten zeigen. Das RP Darmstadt hat deshalb die Sicherheitsfirma Ponds mit der Aufsicht über das Neckermann-Gelände beauftragt. Nach Angaben von Sprecherin Ohly-Müller sind pro Schicht 30 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Aus dem Kreis der Flüchtlingshilfe ist zu hören, dass Auseinandersetzungen kurz nach Belegungsbeginn nicht zu erwarten seien. „Anfangs ist die Euphorie der Flüchtlinge, es nach Deutschland geschafft zu haben, noch groß.“ Doch je länger der Aufenthalt in der Erstaufnahme dauere, desto größer würden Unmut und Frustration, so dass die Gefahr von Auseinandersetzungen steige. Es sei deshalb sinnvoll, Flüchtlinge möglichst schnell Städten und Landkreisen zuzuweisen. Für Unmut sorge mitunter auch, dass Asylanträge nicht sofort bei der Erstaufnahme gestellt werden können. Nach Angaben des RP Darmstadt liegt die Verweildauer in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Regierungsbezirks derzeit bei acht bis zwölf Wochen.

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