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Pramila Chenchanna ist in den Niederlanden staatlich geprüfte Filmvorführerin spielt in dem kleinen Kino des Frankfurter Filmmuseums noch analoge Filmen auf klassischen Projektoren ab.

Kultur

Für Nerds und Archivare? Wo die analoge Film-Projektion überlebt

Vor wenigen Jahren setzte das Sterben des Filmvorführer-Handwerks ein. Filme werden nun per Knopfdruck digital abgespielt. Der analoge Film hat aber seine Nische gefunden.

In einem kleinen, klimatisierten Raum hinter dem Kinosaal des Frankfurter Filmmuseums verschwindet Pramila Chenchanna fast hinter einem Ungetüm aus Metall, Spulen und Rollen. Sie dreht an einem Stellrad, drückt ein paar Knöpfe und dann rattert der 35mm-Film durch den Projektor auf die Leinwand. Stanley Kubricks Schwarz-Weiß-Film "Lolita" von 1962 erstrahlt in dem gut besuchten Kinosaal. Die in den Niederlanden staatlich geprüfte Filmvorführerin und vier Kollegen sind in Frankfurt die letzten, die noch täglich analoge Projektoren bedienen.

In Deutschland wurden laut Hauptverband Deutscher Filmtheater bis 2013 rund 90,5 Prozent aller Kinos auf digital umgestellt. Genauere Zahlen seien seitdem nicht mehr erfasst worden, sagt Matthias von Fintel von der Gewerkschaft Verdi. Auch die Zahl der Filmvorführer sei nie festgehalten worden, da der Beruf nur in der DDR staatlich anerkannt war.

Die Digitalisierung hat vieles einfacher gemacht. Filme kommen statt in schweren Kisten als kleine Festplatte ins Kino. "Die Digitalprojektion ist in der Bedienung einfacher, da man nur einen Knopf drückt", sagt Chenchanna. Wenn doch etwas schief geht, kümmere sich in der Regel ein externer Dienstleister. Viele alteingesessene Filmvorführer wurden in der Folge nicht mehr gebraucht, schlüssige Umschulungs-Konzepte fehlten, fasst von Fintel zusammen. "Ich finde nach wie vor, dass das für die Betroffenen ein existenzieller Skandal bleibt".

Das Frankfurter Filmmuseum stellt eine Ausnahme dar. Dort finden täglich zwei, freitags sogar vier Vorführungen analog statt. "Je weniger die Leute darüber nachdenken, wer den Film projiziert hat, umso besser hat man seinen Job gemacht", sagt Chenchanna. In den Programmkinos werden Filme dagegen nur noch von Festplatten abgespielt.

Im "Mal Seh'n Kino" und den zwei "Arthouse-Kinos" in Frankfurt gibt es zwar noch 35mm-Projektoren, aber nur für Sondervorstellungen zwei bis drei Mal im Jahr.

Während der Vorstellung kommen sechs bis acht Filmrollen zum Einsatz. Wenn eine Rolle zu Ende ist, muss Chenchanna innerhalb weniger Sekunden auf einen zweiten Projektor überblenden, die erste Rolle entnehmen, zurückspulen und eine weitere einlegen. Nur für den Bruchteil einer Sekunde erscheint auf dem Film das Überblendzeichen, das Chenchanna den Rollenwechsel anzeigt. Wenn der Film angelaufen ist, kontrolliert sie mit einem Fernglas, ob das Bild auf der Leinwand auch scharf ist. "Es ist schon eine Art Routine", sagt sie. Bei besonderen Kopien verspüre sie trotzdem noch einen Nervenkitzel. "Ich erinnere mich an eine Technicolor-Kopie von "Blondinen bevorzugt", die seit 1984 nicht mehr gespielt wurde. Das war spannend."

Bei der Bildqualität sei Film gegenüber Digitalkopien immer noch unschlagbar, sagt Chenchanna, vor allem bei Schwarz-Weiß-Filmen. "Der Farbraum ist viel größer, man sieht mehr Schattierungen." Das schätzen auch die Kinobesucher. "Es gibt Leute, die explizit fragen, in welchem Format der Film gezeigt wird. Manche gehen dann auch wieder, wenn es nur eine Blu-Ray-Kopie ist", sagt Chenchanna. Auch Kinobetreiber Gunter Deller, der an der Goethe-Universität In Frankfurt die Geschichte der Film-Projektion lehrt, berichtet von steigendem Interesse bei der jüngeren Generation. "Viele fangen zum Beispiel wieder an, auf Kleinbildfilm zu fotografieren", sagt er. Das analoge Filmbild habe eine durch nichts zu ersetzende Bildästhetik.

Auch einige Hollywood-Regisseure wie Christopher Nolan ("Dunkirk") und Quentin Tarantino ("The Hateful Eight") drehen immer noch gerne auf Film. Im Mainstream-Kino kommen trotzdem Digitalkopien an. "Wenn auf 35mm gedreht wird, heißt das noch nicht, dass auch auf 35mm vorgeführt wird", sagt Wilfried Berauer, Marktforschungs-Leiter der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft.

Im digitalen Alltagsgeschäft spiele der analoge Film daher kaum noch eine Rolle, erzählt Dimitrios Charistes, Theaterleiter der Frankfurter "Arthouse-Kinos". "Selbstverständlich ging mit der Umstellung von analog auf digital eine gewisse "Magie" des Kinos verloren. Techniker begrüßen heutzutage allerdings die einfache Handhabung und die risikolose Abspielbereitschaft." Die kommende Generation von Laserprojektoren stehe bereits in den Startlöchern. "Es gibt auch sehr gute Digitalisierungen", räumt Analog-Fan Deller ein.

In Museen und Archiven werde der analoge Film aber vorerst überleben, ist sich Chenchanna sicher. Bis alle Filmrollen digitalisiert seien, dauere es noch eine ganze Weile. Als Lagermedium seien Filmrollen den digitalen Medien zudem überlegen. "Wenn man einen Film richtig lagert, hält er 100 Jahre. Die digitalen Medien sind innerhalb von zehn oder zwanzig Jahren obsolet." Da 35mm-Projektoren schon lange nicht mehr hergestellt würden, erzählt sie, werde die Ära also erst zu Ende gehen, wenn es keine Ersatzteile mehr gibt.

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